Dreimal Credo für Europa – III

Gastbeitrag zu den geistigen Wurzeln Europas – Teil 2

MÜNCHEN, 26. Juli 2013 (Vaticanista/PEU).- In der Zeitschrift „Paneuropa Deutschland“ ist vorab aus Anlass der Ausstellung „CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter“ in Paderborn ein Artikel über Kontinuität und Wandel in der christlichen Geschichte Europas erschienen. Der Beitrag beinhaltet zugleich eine Würdigung der Bedeutung der Päpste Johannes Pauls II., Benedikt XVI. und Franziskus für die Neubesinnung Europas auf seine geistigen Wurzeln. Das Medium wird von der gleichnamigen ältesten europäischen Einigungsbewegung herausgegeben, die für ein Europa auf der Grundlage eines christlich-abendländischen Wertefundaments eintritt. Mit freundlicher Genehmigung des Autors Dirk Hermann Voß, internationaler Vizepräsident der Paneuropa-Union, verbreitet Vaticanista in zwei Teilen Auszüge daraus. Den vollständigen Originaltext finden Sie hier:

Von Dirk Hermann Voß

Glaube und Vernunft waren von Anfang an das herausragende Thema des Pontifikates von Papst Benedikt XVI., der mit seiner Namensgebung nicht nur dem Heiligen Benedikt von Nursia, dem Vater Europas, sondern auch seinem Namensvorgänger, dem Friedenspapst des Ersten Weltkrieges, Benedikt XV., der gemeinsam mit dem seligen Kaiser Karl I. Initiativen für ein Ende des großen europäischen Bürgerkrieges unternommen hat, die Reverenz erwies.

Der Paneuropäer Joseph Ratzinger, der in persönlichem Kontakt zu Ida Friederike Görres, der Schwester des Paneuropa-Gründers Richard Coudenhove-Kalergi, stand und 1971 das Requiem für die große christliche Schriftstellerin in Freiburg zelebrierte, hat diese beiden Eckpfeiler der europäischen Kultur anläßlich seiner Predigt bei der Messe zum großen Europatag der Paneuropa-Union 1978 in der Münchner Olympia-Halle skizziert, die er als Erzbischof von München und Freising hielt. Eine Begebenheit aus der Apostelgeschichte aufgreifend, die davon erzählt, daß dem Heiligen Paulus an der Meerenge zwischen Europa und Kleinasien ein Makedonier im Traum erscheint und den Völkerapostel um Hilfe bittet, sagte er:

„Der Makedonier steht … für Europa. Seine Bitte entscheidet die kommende Geschichte. In ihr ruft der Geist der griechischen Welt nach Jesus Christus. …und so ist Europa geworden, das Europa, in dem wir leben, das Europa, das uns heute ruft. Es beruht auf der Vereinigung von griechischem Geist und christlichem Glauben, auf einer Vernunft, die Sehnsucht geworden ist, im Entbehren ahnt, was ihr fehlt. … Das Evangelium hat den griechischen Geist aufgenommen, es hat die Vernunft der griechischen Welt in sich einbezogen. Es zerstört die Vernunft nicht, sondern führt sie zu sich selbst. Der Glaube ermöglicht es dem Menschen, vernünftig zu sein. Und umgekehrt macht die Vernunft den Glauben nicht überflüssig, sondern durch ihn empfängt sie den Halt, der sie vor dem Absturz bewahrt und bei sich selbst erhält. … Dieses Zueinander von Glaube und Vernunft spiegelt sich im Tugendkatalog des heiligen Paulus, und darin werden die wahren Grundlagen Europas sichtbar, die diesem Erdteil seinen besonderen Auftrag und seinen besonderen Rang in der Weltgeschichte gegeben haben. Denn das bedeutet, daß zwischen der Barbarei der maßlosen Vernunft und der Barbarei der blinden Unvernunft, des blinden Aberglaubens, ein neuer Weg eröffnet worden ist.“

Diese Verbindung von griechischer Vernunft und christlichem Glauben hat Richard Graf Coudenhove-Kalergi im Symbol der Paneuropa-Union für das Europa der Gegenwart und der Zukunft sichtbar gemacht: Das Kreuz Christi vor der Sonne Apolls, das visionäre Zeichen, das auch Kaiser Konstantin veranlaßte, sein Schicksal und das Schicksal Europas unter das Kreuz zu stellen. Entweltlichung, wie sie Benedikt XVI. in Freiburg für die Kirche und die Christen gefordert hat, bedeutet nicht Rückzug aus der Welt. Eine in Glaube und Vernunft gründende Entweltlichung bedeutet vielmehr, an das eigene Leben andere Maßstäbe anzulegen, als sie die Welt nach den Gesetzen von Geld und Macht anlegt, und diese alternativen Maßstäbe für das persönliche, soziale und politische Leben fruchtbar zu machen. Dies ist „das Europa, das uns heute ruft“, wie Joseph Ratzinger gesagt hat.

Papst Franziskus markiert in Stil und Gesten einen Aufbruch in der Kirche, der von seinen Vorgängern grundgelegt worden ist und jenseits des kurzlebigen Medienzirkus eine Kontinuität aufscheinen läßt, die für das christliche Abendland und die Wirkmächtigkeit des christlichen Glaubens in der Welt und für die Welt kennzeichnend ist. In diesem Sinne hat der Papst aus Argentinien, den die Kardinäle nach seinen eigenen Worten vom „Ende der Welt“ geholt haben, der aber aufgrund seiner italienischen Eltern europäischer geprägt ist, als manch einer vermuten mag, sich jüngst bei einer Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein „starkes und soziales Europa“ ausgesprochen, das der Welt etwas zu geben hat. Fundament dafür ist das Credo, der gleiche Glaube, der die Päpste des 21. Jahrhunderts, Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, untereinander ebenso verbindet wie mit dem heiligen Paulus, der Kirche der Heiligen und dem Schicksal Europas.

[Erstveröffentlichung: © Paneuropa Deutschland, 1./2. Vierteljahr 2013]

 

 

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