„Co-Papa-bana“ – Glaubensfest am legendärsten Strand der Welt

Mit großer Ernsthaftigkeit auf soziale Ungerechtigkeit geblickt

RIO DE JANEIRO, 29. Juli 2013 (Vaticanista/PM).- Dort, wo Arm und Reich wie kaum an einer anderen Stelle zusammentreffen, hat Papst Franziskus am Sonntag mit rund drei Millionen jungen Gläubigen die Eucharistie gefeiert: Die Copacabana wurde zur „Co-Papa-bana“: Mit dem Abschlussgottesdienst ging der 28. Weltjugendtag in Rio de Janeiro zu Ende. Die deutsche Delegation zieht ein rundum positives Fazit der Tage in Brasilien. „Dieser Weltjugendtag war tief geprägt von Brasilien und seinen Gegensätzen. Die Jugendlichen haben am Strand getanzt und gebetet. Und sie haben sich mit großer Ernsthaftigkeit gefragt, warum es so viel soziale Ungerechtigkeit in der Welt gibt“, berichtete Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Insgesamt sei es ein eindrucksvolles, junges Glaubensfest gewesen, an dem rund 2.000 deutsche Pilgerinnen und Pilger sowie 13 Bischöfe teilgenommen haben.

„Papst Franziskus ist ein authentischer Vermittler zwischen der Welt des Glaubens und der Lebenswirklichkeit der Menschen. Er hat den Jugendlichen Mut gemacht. Aber er hat sie auch aufgefordert, sich einzusetzen und sich Gehör zu verschaffen“, sagte Bischof Wiesemann. „Der Papst und seine Botschaft sind bei den Jugendlichen angekommen“, ergänzte Bianka Mohr, Leiterin der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz. „Angesichts der Realitäten in Lateinamerika haben sich viele gefragt, ob man nicht mit einem halb so großen Koffer auskommen kann, ob etwas weniger nicht auch genug ist“, resümierte Mohr.

Besonders aus der Missionarischen Woche würden die Pilgerinnen und Pilger zahlreiche Erfahrungen mit nach Hause nehmen. „Gerade wenn sie in Gastfamilien untergebracht waren, die das Wenige, was sie haben, mit ihnen teilten und sie herzlich aufgenommen wurden“, betonte Mohr. Vor dem Treffen in Rio waren die Jugendlichen in ganz Brasilien in Gemeinden und Familien untergebracht. „Vor allem hier fanden internationale Begegnung und Austausch statt. Deswegen gehören die Tage vorher unabdingbar zum Weltjugendtag dazu“, sagte Mohr. Auch organisatorisch sei dieser Weltjugendtag – in der brasilianischen Art – gut verlaufen. „Die Jugendlichen aus Deutschland haben sich die große Herzlichkeit und Gelassenheit der Brasilianer angeeignet“, bilanzierte Mohr. Die Vertreter der Jugendpastoral in Deutschland begrüßten, dass Papst Franziskus in seiner Abschlusspredigt besonders auf die Bedeutung kirchlicher Jugendarbeit hinwies. Er rief vor allem Priester dazu auf, diese Arbeit zu unterstützen. Der Papst erinnerte auch daran: „Das Beste, um Jugendliche vom Glauben zu begeistern, ist ein anderer Jugendlicher“.

Wie erwartet habe dieser Weltjugendtag die soziale und politische Dimension des Glaubens stärker in den Mittelpunkt gerückt, so der Bundespräses des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Pfarrer Simon Rapp. „Der Weltjugendtag hat eben auch eine soziale und politische Seite, die dem Papst ebenso wichtig ist, wie den jungen Katholikinnen und Katholiken.“ Dies wurde insbesondere beim International Youth Hearing deutlich, bei dem 300 Jugendliche aus sieben Nationen mit unter anderem Jugendbischof Wiesemann über Visionen für eine gerechtere Welt gesprochen haben.

Über das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat haben deutsche Pilgerinnen und Pilger Projekte in Rio besucht und dort die Lebensrealität kennen gelernt. Die Reise des Papstes habe insgesamt deutlich gemacht, dass die Kirche nahe bei den Menschen sei, betonte Bischof Franz-Josef Overbeck, Vorsitzender der bischöflichen Kommission Adveniat: „Mit seinem Besuch in der Favela und der Eröffnung einer Klinik für Drogensüchtige hat uns Franziskus gezeigt, dass Kirche bei den Armen und Ausgeschlossenen sein muss.“ Trotz Wirtschaftswachstums sei die Zahl der Armen in Lateinamerika nicht zurückgegangen, betonte Overbeck. Die deutschen Katholiken unterstützten über Adveniat die Arbeit der Kirche für diese Menschen, die als „Müll der Gesellschaft“ wahrgenommen würden.

 

 

 

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