Papst Franziskus grüßt Fidel Castro und die Exilkubaner

Präsident Raul Castro will von Menschenrechtsverletzungen nichts wissen

Von Michaela Koller

HAVANNA, 22. September 2015 (Vaticanista/ZENIT).- Nach beinah zwölf Stunden Flug ist Papst Franziskus pünktlich mit der Alitalia-Maschine auf Kuba gelandet, zum Auftakt seiner dritten Reise nach Amerika. Präsident Raul Castro empfing den 265. Nachfolger Petri bei stürmischem Wetter am späten Nachmittag Ortszeit auf dem Flughafen von Havanna. Nachdem die Nationalhymnen verklungen und Salutschüsse verhallt waren, ging Castro in seiner Begrüßungsansprache auf die jüngste Enzyklika von Papst Franziskus Laudato si’ ein.

Er nannte das Rundschreiben einen Aufruf zur Veränderung unseres Lebensstils. Technik solle nachhaltig eingesetzt werden. Das Geld werde jedoch zum Götzen gemacht und Menschen zu Konsumenten degradiert. Eine wachsende Ungerechtigkeit treffe insbesondere Menschen der sogenannten Dritten Welt, Minderheiten, Alte und Menschen, die um ihre Rechte kämpften. „Wir werden das sozialistische System fortsetzen, um Unabhängigkeit und Wohlergehen zu garantieren“, betonte der Präsident.

Auf Kuba würden die Menschenrechtskonventionen „in vollem Umfang“ garantiert. Castro dankte daraufhin für die Vermittlung des Heiligen Stuhls in den Beziehungen zwischen dem Inselstaat und den Vereinigten Staaten. Er betonte in diesem Zusammenhang die wichtige Rolle der katholischen Kirche auf Kuba sowie die Bedeutung der Religionsfreiheit, die von der Verfassung garantiert werde. Noch im Juli hatte sich der Apostolische Nuntius auf Kuba mit Vertreterinnen der „Damen in Weiß“, der international wohl bekanntesten Gruppe von Regimegegnern, achtzig Minuten lang zu Gesprächen getroffen. Die Menschenrechtlerinnen hatten ihn bei dieser Gelegenheit ersucht, sich für eine Begegnung mit Papst Franziskus einzusetzen.

Papst Franziskus bat gleich zu Beginn seiner Ansprache auf dem Flughafen den Präsidenten um Übermittlung seiner speziellen Achtung und Ehrerbietung für seinen Amtsvorgänger und Bruder Fidel Castro. „Zugleich möchte ich, dass mein Gruß besonders all jene erreicht, die ich aus verschiedenen Gründen nicht werde treffen können, und alle in der ganzen Welt verstreuten Kubaner“, sagte der Pontifex mit Blick auf die zahlreichen Kubaner im Exil. Franziskus erinnerte an 80 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Kuba sowie an die Reisen seiner Vorgänger Johannes Paul II. 1998, der ersten Reise eines Papstes nach der Revolution von 1959, sowie von Benedikt XVI. vor mehr als drei Jahren.

„Diese apostolische Reise fällt außerdem mit dem hundertsten Jahrestag der Erklärung der Barmherzigen Jungfrau von Cobre zur Schutzpatronin Kubas durch Benedikt XV. zusammen“, fuhr er fort. Seither habe Maria die Geschichte des kubanischen Volkes begleitet, indem sie die Hoffnung unterstützte, welche die Würde der Menschen auch in den schwierigsten Situationen bewahrt und die Förderung all dessen voran getrieben habe, was dem Menschen Würde verleiht. „Ihre stets wachsende Verehrung ist das sichtbare Zeugnis für die Gegenwart der Jungfrau im Herzen des kubanischen Volkes“, sagte Franziskus. Auch betonte er die Bedeutung der Annäherung zwischen Kuba und den USA, die im Dezember erste Ergebnisse zeigte und betonte, vom Manuskript abweichend: „Die Welt braucht wirklich Versöhnung.“

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