Dank an Kardinal Sarah für sein Lebenszeugnis

Festliche Präsentation des frischen Interviewbands in Regensburg

Von Michaela Koller

REGENSBURG, 4. Oktober 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Gottesdienstkongregation, war als Erzbischof von Conakry in Guinea Nachfolger des vom damaligen kommunistischen Regime unter dem Diktator Sékou Touré gefolterten Raymond-Maria Tchidimbo. An Heiligabend 1970 war dieser als erklärter Gegner der Kommunisten wegen angeblicher Spionage für das damalige Westdeutschland zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt worden. Fast neun Jahre schmachtete er in einem Lager unter grausamen Bedingungen. Dieses Lebenszeugnis seines Mitbruders im Orden der Spiritaner und im Bischofsamt mag Robert Sarah, der mit Anfang dreißig zum jüngsten Bischof der Weltkirche ernannt wurde, in seiner eigenen Amtsauffassung bestärkt haben.

„Die Märtyrer sind nicht nur die leibliche Gegenwart Jesu in einer Welt, die dem Evangelium feindlich und verschlossen gegenüber steht, sondern sie sind auch die radikalste Antwort des Menschen auf die Liebe Gottes“, sagt Sarah im Gespräch mit Nicolas Diat unter dem Titel „Gott oder nichts“. In einem Drittel der 198 Länder, in denen das Pew Research Center Erhebungen durchgeführt habe, seien schwere Christenverfolgungen zu beklagen, stellt Sarah, der zuvor Sonderbotschafter für den Nahen Osten war, fest. Die „schuldhafte Gleichgültigkeit“ der Welt gegenüber den Schicksalen hinter den Statistiken prangert er an.

Das Interview lag zunächst in französischer Sprache vor und ist in diesen Tagen frisch auf Deutsch herausgekommen (Fe-Medienverlag), nach der Übersetzung von Katrin Krips-Schmidt und Claudia Reimüller. In dem autobiographisch angeordneten Band schreibt denn auch Erzbischof Georg Gänswein in seinem Vorwort von der Radikalität des Evangeliums, ein Stichwort, das sich wie ein Leitfaden durch Sarahs Leben zieht und ihn feststellen lässt: „Während Christen für ihren Glauben und ihr treues Festhalten an Jesus sterben, versuchen im Westen Männer der Kirche die Anforderungen des Evangeliums auf ein Minimum zu reduzieren.“

Ein weiteres großes Thema Sarahs – neben der Religionsfreiheit – betrifft die Erhaltung der Ehe und Familie als von Gott gewollte Institutionen. Als „besonders stark“ nennt er die Worte von Papst Franziskus: „Es gibt ideologische Kolonisierungen, die versuchen, die Familie zu zerstören.“ Bei der Buchpräsentation im September in Regensburg mit anschließendem Diner auf Schloss Sankt Emmeram stellte Prälat Wilhelm Imkamp, der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, in seiner Einführung fest: „Das Handeln totalitärer Regime richtet sich immer zuerst gegen die Familie.“ Er zeichnete an dem Abend ein erstes Bild von Kardinal Sarah als einer, der sich weder von den an seinem Vorgänger verübten Verbrechen einschüchtern, noch sich durch Schmeicheleien auf die falsche Seite ziehen lasse: „Sarah bekam vom Staatspräsidenten den höchsten Orden seines Landes verliehen und nutzte die Gelegenheit, um seiner Regierung die Meinung zu sagen.“

In seinen anschließenden Gedanken zum Buch dankte Kardinalpräfekt Gerhard Ludwig Müller Sarah für sein Glaubenszeugnis. Die Verantwortung, die Kardinal Sarah von Papst Franziskus übertragen worden sei, könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Der geistige Horizont eines Kardinalpräfekten der Kongregation für den Gottesdienst muss die philosophischen, fundamentaltheologischen, dogmatischen, kulturellen und politischen Voraussetzungen und Bedingungen des Christseins in der Moderne und Postmoderne geistig durchdrungen haben.“ Nicht allein ausgezeichnete geistliche Vorbilder, sondern auch die Auseinandersetzung mit den Irrtümern der Zeit prägten Müller zufolge Sarahs christliche Identität.

Dazu zählt er die extreme Verletzung der Religionsfreiheit durch die Maxime „Religion ist Privatsache“. „Denn ebenso wie Agnostiker haben auch Menschen mit der Überzeugung, dass Gott die Liebe ist, das natürliche Menschenrecht, sich gerade auch im Bekenntnis ihrer Lehre und ihrer Lebensführung im öffentlichen Leben für das Gemeinwohl einzusetzen“, betonte der Kardinal. Der moderne demokratische Staat müsse naturrechtlich, aber eben nicht weltanschaulich säkularistisch-agnostisch begründet sein. Christliche Mission sei aber von Proselytismus klar abzugrenzen. „Proselytismus instrumentalisiert andere für die Bestätigung des Selbst. Mission bezeugt den Brüdern die Liebe Gottes jedem einzelnen Menschen.“

Zu diesem Zeugnis möchte Kardinal Sarah die Gläubigen (an)leiten. „Für einen Christen muss der Glaube die Form, die Gussform für sein gesamtes privates und öffentliches, persönliches und soziales Leben werden“, ist er überzeugt. Die Kirche baue auf der Grundlage der Familien auf, „die sakramental vereint seien und die große Bedeutung des Geheimnisses bezeugten, das Christi Geschenk sei. Um die Verbreitung dieser Worte in Afrika zu fördern, lud Fürstin Gloria von Thurn und Taxis neben Freunden Vertreter aus Kirche und katholischer Publizistik, darunter Schriftsteller Martin Mosebach, den äthiopische Prinzen Asfa Wossen-Asserate sowie Papstbruder Domkapellmeister Georg Ratzinger, zu einem unvergesslichen Abendessen ein, denn nicht nur das Kreuz, sondern auch die Festlichkeit gehört schließlich zum christlichen Leben.

[Spendenkonto: Bischöfliche Administration

IBAN DE99 7509 0300 1801 1002 03; GENODEF1M05.

Referenz: „Gott oder nichts“]

 

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Lebenszeugnisse, Nachrichten, Vatikan, Weltkirche - Ökumene veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.