„Missbrauch ist fast ein Sakrileg“

Fliegende Pressekonferenz mit Papst Franziskus auf dem Rückflug aus den USA

WASHINGTON, 4. Oktober 2015 (Vaticanista/ZENIT.org).- Papst Franziskus hat Missbrauch durch Priester als „fast ein Sakrileg“ bezeichnet. Überall komme Missbrauch vor: In Familien, Nachbarschaften, Schulen, Sporthallen, stellte das Oberhaupt der katholischen Kirche bei der „fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückflug aus den USA fest. „Aber wenn ein Priester Missbrauch betreibt, ist das sehr ernst, da es die Berufung des Priesters ist, diesen Jungen, dieses Mädchen, sich zur Liebe Gottes hin entwickeln zu lassen, zur Reife hin sowie zum Guten. Aber stattdessen wird das zerstört und dies ist fast ein Sakrileg und er hat seine Berufung verraten, den Ruf des Herrn“, erklärte der Papst.

Franziskus zeigte auch mit dem Finger auf diejenigen, die die Verbrechen vertuscht haben, in erster Linie die Bischöfe. „Sie sind auch schuldig“, sagte er. Sie könnten nicht trösten, indem sie die Taten herunterspielten. Priester, die sich nicht für das Üble, das sie getan haben, entschuldigten, würden sich der Vergebung verschließen und hätten die Tür zu Gott versperrt. Papst Franziskus hatte sich während seiner USA-Reise mit den Bischöfen, die zum Welttreffen der Familien angereist waren, in Philadelphia getroffen und dabei von einem Treffen mit Missbrauchsopfern berichtet. Im Anschluss an die Begegnung, bei der er mit Einzelschicksalen konfrontiert worden war, hatte er gesagt: „Gott weint. Die Geschichten, das Leiden und der Schmerz der Kinder, die von Priestern sexuell missbraucht wurden, belasten mein Herz schwer. Ich empfinde tiefe Scham, dass Menschen, die eigentlich Verantwortung übernehmen sollten, Vertrauen missbraucht und große Schmerzen verursacht haben.“

Papst Franziskus sparte auch weitere Themen nicht aus, die in der allgemeinen Öffentlichkeit als heiß eingestuft werden. Zu der Frage der Kommunion für die Geschiedenen in einer neuen Verbindung sagte er: „Es kommt mir ein wenig vereinfachend vor zu sagen, dass die Lösung für sie darin besteht, die Möglichkeit zu haben zur Kommunion zu gehen. Das ist nicht die einzige Lösung.“ Ein Problem wären auch neue Ehen in Bezug auf die Frage der emotionalen Reife. Priesteramtskandidaten müssten sich acht Jahre auf die Weihe vorbereiten. Für eine lebenslange Ehe reichten aber vier Treffen im Ehevorbereitungskurs. „Es ist schwer zu sagen, wie man sich die Vorbereitung vorstellen kann.“

Eine Möglichkeit für Frauen, Priester zu werden, sieht er nicht. Das liege jedoch nicht daran, dass Frauen nicht die Befähigung dazu hätten. „Schauen Sie, in der Kirche sind die Frauen wichtiger, denn die Kirche ist weiblich. Sie ist die Braut Christi und Unsere Liebe Frau ist wichtiger als Päpste, Bischöfe und Priester.“

Der Papst kam aber auch auf ein Tabuthema der modernen Gesellschaft zu sprechen: Die Freiheit des Gewissens. Es ging dabei vor allem um Gewissenseinwände staatlicher Angestellter, die keine gleichgeschlechtlichen Paare miteinander vermählen möchten. „Ein Gewissenseinwand ist ein Recht, das jedes Menschenrecht berührt“, betonte der Papst.

Auf die Frage, ob es gut für die Kirche sei, wenn der Papst ein Star ist, reagierte Franziskus ganz ruhig: „Der Papst muss der Diener der Diener Gottes sein.“ Wie viele Sterne habe man schon am Firmament gesehen, die verloschen und stürzten. Stattdessen sei es gut, Diener der Diener Gottes zu sein. „Und das vergeht nicht.“ (mk)

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