Vergebung in Afrika als Beispiel für die Weltkirche

Afrika-Experte beleuchtet heikle Situation in Zentralafrikanischer Republik

Von Michaela Koller

BANGUI, 10. Januar 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Während die Weltkirche am heutigen Hochfest Mariä Empfängnis nach Rom schaut, öffnen überall auf der Welt Heilige Pforten. Nur eine Heilige Pforte dürfen Pilger bereits seit dem ersten Adventssonntag durchschreiten: Zur Kathedrale in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik: „Möge Bangui die spirituelle Hauptstadt der Welt werden“, hatte Papst Franziskus bei seinem Besuch dort gesagt. Während der ersten Generalaudienz nach seiner Rückkehr betonte er, dass es sich um ein Zeichen des Glaubens und der Hoffnung handelte, symbolisch für das Volk der Zentralafrikanischen Republik und für ganz Afrika, das am meisten der Rettung und des Trostes bedürfe. In welchem Maße die Öffnung der Heiligen Pforte dort auf Barmherzigkeit, Vergebung und Versöhnung verwies, wird bei einem Blick auf die politische Realität der ehemaligen französischen Kolonie deutlich.

„Seit die Franzosen 1958 das Land verließen, ist es nicht zur Ruhe gekommen“, berichtet Emmanuel Ogbunwezeh, Referent für Subsahara-Afrika bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Im Jahr 2012 hat Séléka, eine Allianz mehrerer muslimischer Rebellengruppen, die Regierung gestürzt und die Macht übernommen. Sie brachten damit die christliche Bevölkerung gegen sich auf. Es bildete sich die Gruppe Anti-Balaka, christlich dominierte Milizen, die gegen die Séléka rebellierten. „Die UNO hat später beiden Gruppierungen, die nach der Macht greifen, Menschenrechtsverletzungen auf höchster Ebene vorgeworfen“, ruft Ogbunwezeh in Erinnerung.

Zentralafrika wartet darauf, dass endgültig die Waffen niedergelegt werden; Copyright: Kirche in Not

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„Christliche Kämpfer haben die muslimische Minderheitenbevölkerung angegriffen und viele von ihnen ermordet. Das ist leider so gewesen“, fährt er fort. Es habe viele Bemühungen gegeben, Frieden in dem Land wieder herzustellen, seitens der UNO, von der Europäischen Union. „Diese waren letztlich alle erfolglos“. Offenbar fehlt es noch an flächendeckenden und nachhaltigen Friedensinitiativen: „Die Unterströmung von Hass und Wut ist immer noch da. Es bedarf nur eines Funkens, um das Feuer neu zu entfachen“, sagt der Afrika-Referent weiter. Es handele sich um keinen rein religiösen Konflikt, vielmehr gehe es um Macht und auch um Ressourcen.

Die bewaffnete Auseinandersetzung ist Quell einer erheblichen Not: „Die Mehrheit der Bevölkerung sind Flüchtlinge, was erhebliche Folgen hat, wie Armut, Hunger gar und grassierende Krankheiten“, stellt Ogbunwezeh fest. Europa sei im Moment sehr mit sich selbst und der Flüchtlingskrise angesichts der Situation in Syrien beschäftigt, mit dem Terror und der Gefahr durch den Islamischen Staat. „Es gibt auch die Angst in Deutschland, dass so etwas wie in Paris auch hier passieren könnte. Aber wir dürfen Afrika nicht vergessen und weiter den Chinesen überlassen, sonst bekommt Europa dafür die Quittung: Denen geht es nur um Geschäfte und Ressourcen, nicht um Menschenrechte“, warnt er.

Papst Franziskus ging es, wie er selbst verriet, bei seiner Afrikareise vor allem um die Menschen in diesem krisengeschüttelten Land, das er unter eigener Gefahr bereiste. Er wollte die Christen des Landes an das Gebot der Feindesliebe erinnern, das „gegen die Versuchung zur Rache und die Spirale endloser Vergeltungsmaßnahmen wappne“. Für die Zentralafrikanische Republik bedeutet das, sich in Vergebung und Versöhnung zu üben, als ein Beispiel für die Welt.

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