„Unser Leben ist Antwort auf die Taufe: Zustimmung oder Ablehnung“

Aufruf zu deutlichem Glaubenszeugnis

Von Michaela Koller

FRANKFURT, 17. Januar 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Der Frankfurter Jesuitenpater und emeritierte Professor Christian Troll hat zu einem deutlicheren Glaubenszeugnis, gerade auch gegenüber Flüchtlingen, aufgerufen. Es gehöre zur Entscheidung für Christus dazu, „den Glauben, die Barmherzigkeit wirksam weiterzugeben, hier und heute, in unserem Land, in unserer Stadt“. Er forderte in seiner Predigt am vorigen Sonntag zum Fest der Taufe des Herrn dazu auf, einzelne Christen, christliche Paare und Familien, Gemeinschaften und Gemeinden mögen sich fragen, ob sie sich „betend als Zeugen, als Einladende verstehen“. „Verlangen wir im Herzen, treibt uns der Wunsch, die uns ganz unverdient geschenkte Gabe weiterzugeben: Jesus unseren Herrn?“, fragte der Jesuit in der Seminarkirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

Er denke dabei nicht nur an die „alteingesessenen Deutschen“, die den Glauben aufgegeben oder „nie recht in diese Wirklichkeit eingeführt wurden“, sondern zugleich auch an die Mehrzahl der mehr als eine Million Flüchtlinge, die allein im zurückliegenden Jahr nach Deutschland gekommen sind. Sicher sei die Mühe in der Flüchtlingshilfe „ein wirkkräftiges Zeugnis“. „Jedenfalls sind wir, wenn wir uns als Christen verstehen, aufgerufen, wo immer möglich zu begegnen, ins Gespräch zu kommen und, ja, da auch unseren Glauben explizit zu bezeugen und dazu einzuladen.“

Der Theologe und Islamwissenschaftler betonte, dass die Entscheidung für Christus die Gläubigen erst zu Christen mache. Den antiken christlichen Theologen Tertullian aus Karthago (2. Jahrhundert) zitierend, sagte er: „Wir sind nicht als Christen geboren, wie jemand als Muslim geboren wird […]. Wir werden es erst durch unsere Entscheidung für Christus und durch das entschiedene Leben mit, durch und für ihn im Heiligen Geist, der uns in der Taufe in besonderer Weise geschenkt wurde.“ Die Taufe sei Nahtstelle und Bruchstelle zugleich: Nahtstelle, weil Gott die Menschen zum ewigen Leben führen wolle und Bruchstelle, durch die von Gott erwirkte Neuschöpfung. Das Leben sei wiederum die Antwort auf die Taufe, entweder als Zustimmung oder Ablehnung.

Der in Tübingen, Bonn, London und Beirut ausgebildete Experte ist Mitglied der Unterkommission der Deutschen Bischofskonferenz für den Interreligiösen Dialog und beriet lange Jahre den Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog. Der international renommierte Islamwissenschaftler hielt etwa die zentrale Ansprache in Frankfurt anlässlich der 50-Jahr-Feier der Konzilserklärung „Nostra aetate“ am vergangenen 28. Oktober unter dem Motto „Erbe und Auftrag“, die die Deutsche Bischofskonferenz in Kooperation als interreligiöses Gespräch veranstaltete.

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