„Dieser Papst wollte wirklich informiert sein“

Stellvertreter von Pater Lombardi erinnert sich an zwei Jahrzehnte Medienarbeit für den Nachfolger Petri

Von Michaela Koller

ROM, 11. März 2016 (Vaticanista/ZENIT.org).- Der Passionistenpater Ciro Benedettini ist bis vor wenigen Wochen Stellvertreter des Vatikansprechers Pater Federico Lombardi SJ gewesen. Alessandro Gisotti von Radio Vatikan gab er kürzlich ein Interview, in dem er auf zwei Jahrzehnte seines Dienstes unter drei Päpsten zurückblickte. „Und was für Päpste“, schwärmte der Geistliche. Er beschrieb in dem Gespräch einen dramatischen Wandel der Medienwelt, den er miterlebte und mitgestaltete, sowie seine persönlichen Eindrücke vom heiligen Papst Johannes Paul II., in dessen Nähe er zu Beginn seiner Tätigkeit arbeiten durfte.

Die ehemalige Nummer Zwei im vatikanischen Pressebüro beobachtete aufgrund der Digitalisierung eine „Explosion an Information“. Blogs und soziale Medien seien nicht zu ignorieren, auch wenn sie nicht so offiziell und bekannt seien, wie die großen Nachrichtenagenturen. „Vor etwa zwanzig Jahren war die Erstellung der Presseschau und Überwachung der Presse einfach: ein Dutzend Zeitungen und Zeitschriften, und es war erledigt“, erinnerte er sich. Er zählte zu denjenigen, die den Vatikan ins Zeitalter des Internets führten. Benedettini war gerade ein Jahr im Team, als der päpstliche Pressesaal um die Weihnachtszeit 1995 online ging. „Das gehört zu meinen Ehrenplaketten, Teil dieser Mannschaft gewesen zu sein, die das neue Kommunikationsmittel voranbrachte, das so wichtig für den Heiligen Stuhl ist“, sagte er.

Die Vatikanberichterstattung begreift er als Dienst an der Kirche, an den Anderen, und als Dienst an der Wahrheit. „Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass wir dadurch, dass wir Nachrichten herausgeben, anderen die Mittel in die Hand geben, die Welt um uns zu interpretieren.“ Daher müsste er und seine Kollegen Demut, Sorgfalt und großen Respekt zeigen. „Ich denke, dass eines der großen Probleme darin besteht, schnell handeln zu müssen, was einen dazu zwingt oberflächlich zu sein.“

Der mediale Wandel führte schließlich unter anderem dazu, dass die Zielgruppe, die „Vaticanisti“ (Vatikanberichterstatter), nur noch zu besonderen Anlässen zum Pressesaal kommen. Die Informationen über Papst und Kurie erreichten sie sonst überall dort, wo sie sich gerade aufhalten. Es lag wohl auch an den persönlichen Begegnungen, weshalb Benedettini mit einem lachenden und einem weinenden Auge ging. Er sprach im Interview von einer großartigen Beziehung zu den meisten Journalisten und von einer großen Zuneigung gegenüber den Mitarbeitern.

Bereits ein Jahr, bevor er seinen Posten im Pressesaal antrat, war er bei Papst Johannes Paul II. sogar zum Abendessen eingeladen. Er hielt sich anlässlich der damaligen Synode in Rom auf und durfte zusammen mit fünf Übersetzern bei dem Heiligen am Tisch sitzen: „Ich erinnere mich an den Heiligen Vater, der mir genau gegenüber saß, rein zufällig mir gegenüber, mit diesen fragenden Augen“, berichtete Benedettini. Im Gegensatz zu anderen Verantwortlichen „in höheren Positionen“, die im Elfenbeinturm lebten, wollte dieser Papst wirklich informiert sein. „Dieser Papst, es waren sechs von uns, ließ jeden erzählen, was er tat, was er über die Synode dachte, und all den Rest.“

Nicht jeder habe die Gelegenheit, einem Heiligen so nahe zu sein, erinnerte sich Benedettini in Dankbarkeit an diese Zeit: „Ihn nicht nur gesehen, sondern mit ihm gesprochen, mit ihm gemeinsam gegessen, ihm so viele Jahre gedient zu haben“. Den Tod Johannes Pauls II. behielt er als einen besonderen Moment der Einheit im Gedächtnis: „Ich nenne es episch, weil da so eine Osmose zwischen uns und der Menge war.“ Die Gefühle der Menschen auf dem Petersplatz und Gläubigen in aller Welt wie ihre gewesen und umgekehrt: „Unsere Gefühle waren die der Menge.“

 

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