Die Angst der Kommunisten vor der Botschaft von Fatima

Begegnungstag von Kirche in Not in Kevelaer

Von Michaela Koller

KEVELAER, 18. Mai 2017 (Vaticanista/Die Tagespost).- „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich“, sagte 2010 Papst Benedikt XVI. auf seiner Fatima-Reise. Die Frage der Aktualität der Botschaft von Fatima hat folgerichtig beim Begegnungstag des Hilfswerks „Kirche in Not“ Deutschland in Kevelaer aus Anlass des 100. Jahrestags der ersten Marienerscheinung in Fatima im Vordergrund gestanden.

Die Veranstalter spannten den Bogen von der Situation im bevölkerungsreichsten kommunistischen Land, in China, mit Hongkongs Altbischof Kardinal Joseph Zen Ze-kiun als Zeugen zurück zur historischen und geistlich-geschichtlichen Dimension der Ereignisse vor 100 Jahren bei der natürlichen Mulde Cova da Iria in Zentralportugal, die der Historiker Michael Hesemann darlegte.

Die chinesische Regierung hat Angst vor der Gottesmutter von Fatima, weil sie anti-kommunistisch sei”, sagte Kardinal Zen vor mehreren Hundert Zuhörern im Bühnenhaus im größten Marienwallfahrtsort Nordwest-Europas. Die Muttergottes habe recht, bemerkte der Salesianer Don Boscos, der Kommunismus sei etwas furchtbares, das den Menschen die Freiheit raubt. Es werde nicht erlaubt, eine Darstellung der Muttergottes von Fatima in die Volksrepublik einzuführen. „Probieren Sie es selbst aus“, fuhr er fort. Trotz der Bewegung, die in die Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit der kommunistischen Führung gekommen sei, wollte der Purpurträger hinsichtlich der Situation in China keine Entwarnung geben. „Echter Fortschritt kann sich nicht ohne Freiheit vollziehen“, gab er zu bedenken. Es handele sich um ein Land, in dem hauptsächlich Geld und Macht zählten, wobei die Kommunistische Partei noch immer alle Macht in Händen halte. „Die Regierung in Peking macht diejenigen reich, die ihr folgen“, sagte er weiter. „Sie haben keinen Respekt vor den Bischöfen, sie werden an der Nase herumgeführt“, so ist seine Beobachtung. Viele Jahre lang seien die Bischöfe der offiziell anerkannten Kirche, die Schätzungen zufolge ungefähr die Hälfte der zehn Millionen Katholiken ausmacht, mit Erlaubnis von Rom ernannt worden, „um Peking nicht zu verärgern“. Die Kommunisten suchten jedoch, alles unter ihre Kontrolle zu bringen. Zudem gebe es viele Opportunisten, auch unter den Katholiken, und so sei die Untergrundkirche jetzt geschwächt. Er habe den Eindruck gewonnen, dass der Vatikan deutlich zu optimistisch sei.

Der Chinese aus Hongkong machte seine eigenen Erfahrungen mit Peking. Die Geschäftsführerin von Kirche in Not Deutschland, Karin Fenbert, verdeutlichte dies in einer kurzen Vorstellung seines Lebenslaufs. Der 1932 in Schanghai geborene Sohn von Konvertiten, der sein Noviziat in Hongkong verbrachte, durfte nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 nicht wieder zurück zu seiner Familie. Erst 26 Jahre später durfte er sie wieder besuchen. In den Jahren 1989 bis 1996 unterrichtete jeweils sechs Monate im Jahr an Seminaren in Festlandchina und lernte so die Situation der Kirche dort und die Haltung der Menschen kennen. Er betonte selbst, dass die Führung ihm verhältnismäßig viel Freiheit einräumte und er sogar im Philosophieunterricht den Marxismus-Leninismus kritisch kommentierte. Dabei habe er auch viele gute Gläubige getroffen, die zwar formal zur offiziellen Kirche, jedoch im Herzen zum Papst gehörten.

Der Historiker Michael Hesemann betonte in seinem engagierten Vortrag, dass nicht nur die Inhalte für sich sprächen, sondern bereits Ort und Zeitpunkt der Marienerscheinungen von Fatima „die Handschrift der göttlichen Vorsehung“ zeigten: Den Hirtenkindern Lucia dos Santos sowie Jacinta und Francisco Marto zeigte sich die Muttergottes ausgerechnet im Jahr der Oktoberrevolution 1917, in dem auch der 400. Jahrestag der Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen und damit der Spaltung der Kirche des Westens begangen wurde und zudem auch eines zentralen Tag in der Geschichte der Freimauerei, des 200. Jahrestags der Gründung der Großloge von London mit ihrem anti-klerikalen Programm, das sich zum Beispiel in Italien und auch in Portugal damals entfaltete. Als „eindrucksvollsten Eingriff Gottes in die Geschichte seit der Zeit der Apostel“ stufte der Historiker die Ereignisse vor einem Jahrhundert ein.

Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden“, so die überlieferten Worte der Muttergottes von Fatima. Papst Johannes Paul II., der am 64. Jahrestag der ersten Erscheinung wie durch ein Wunder das Attentat auf ihn überlebt hatte, vollzog am Festtag Mariä Verkündigung 1984 die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens, im Vertrauen darauf, dass Gott sein Wort halte. Der Anfang vom Ende des Sowjetimperiums trat schließlich nicht einmal ein Jahr später ein, mit der Wahl Michail Gorbatschows als Generalsekretär der KP der Sowjetunion. Russland habe in der Folge eine beispiellose Renaissance des Glaubens erfahren, während der Glaube im Westen weiter abnimmt.

Den Begegnungstag rundete Kirche in Not folgerichtig mit Rosenkranzgebet, heiliger Messe und einer Lichterprozession um die Gnadenkapelle ab, die auch das innige Gebet für die bedrängte Kirche miteinschloss.

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