Unbezähmbarer Mut und unsterblicher Glaube

Don Bosco als Vorbild eines indischen Missionars

Von Michaela Koller

BONN, 29. Juli 2017 (Vaticanista/ZENIT.org).- Der einfache Lebensstil, die Nähe zur Jugend, das ist das, was den indischen Bischof George Palliparampil am Heiligen Giovanni Bosco, dem Apostel der Jugend, anhaltend fasziniert. Dieser nachhaltige Eindruck bestärkte ihn in seiner Berufung, die durch Missionare, insbesondere durch einen Salesianerpater während seiner Schulzeit entfacht wurde. Der 63-jährige Oberhirte kommt ursprünglich aus dem äußersten Südwesten Indiens, aus dem Bundesstaat Kerala. Sein Wunsch, missionarisch tätig zu sein, führte den Salesianer in die südliche Himalaya-Region. Sein Bistum Miao wurde erst durch Papst Benedikt XVI. errichtet, weil sich das Christentum zur relativ stärksten Religionsgemeinschaft im Bundesstaat Arunachal Pradesh entwickelt hat.

Bischof George Palliparampil; Foto: Bistum Miao

Bischof George Palliparampil; Foto: Bistum Miao

Dort, im äußersten Nordosten des Subkontinents, einer der ärmsten Gegenden Indiens, leitet Bischof George noch heute das Beispiel seines Ordensgründers mit seinem „unbezähmbaren Mut“ sowie „unsterblichen Glauben“. Demnächst wäre sein 202. Geburtstag: Am 16. August 1815 wurde Giovanni Bosco in Castelnuovo im italienischen Piemont Giovanni Bosco geboren. „Don Bosco lebte und arbeitete in den Jahren nach der industriellen Revolution, als die Gesellschaft im Wandel war“, sagte der Inder im Gespräch mit ZENIT.

Er habe auf Vernunft, Religion und liebende Freundlichkeit als Werteformel gesetzt, um den jungen Menschen seiner Zeit zu begegnen. Schon damals hätte man dies für tollkühn halten können. Jedoch gab der Erfolg dem Jugendseelsorger Recht. Erst recht heutzutage würden diese Werte als irrelevant betrachtet. Dabei könnte in frühester Jugend, wenn der Mensch noch formbar ist, damit ein starkes Fundament letztlich für Frieden und Gerechtigkeit gelegt werden.

„Unser Bildungssystem hat intellektuelle und technische Riesen hervorgebracht“, betonte der Bischof. Liebe, Menschlichkeit und Respekt voreinander fehlten hingegen. Er erkennt ein Versäumnis in der Erziehungsarbeit: „Es sind nicht die jungen Menschen, die Allergien gegen Werte zeigen, sondern die Erwachsenen“, stellte er mit Blick auf eine religiös vielfältige Gesellschaft fest. Was Hindunationalisten befürchten, ist in seinem Bundesstaat wahr geworden: Die Christen haben mit 30 Prozent den Anteil der Hindus von 29 Prozent in diesem geopolitisch sensiblen Gebiet überrundet, das einst zum Teil von Tibet regiert wurde und nun von China beansprucht wird. Zwölf Prozent, meist lamaistische, Buddhisten und 26 Prozent Anhänger traditioneller Religionen unter dem starken Anteil an Stammesbevölkerung leben mit ihnen, wie auch zwei Prozent Muslime.

Es waren vor allem Salesianer Don Boscos, darunter später auch George Palliparampil, die seit den zwanziger Jahren die Menschen in diesem Winkel mit Christus bekannt machten. „In dieser Welt von Fülle einerseits und Armut andererseits ist das erste und wirksamste Mittel zur Umkehr, zum Wandel, die liebende Freundlichkeit, die persönliche Nähe und die ausgestreckte Hand“, sagte der Bischof von Miao im Gespräch mit ZENIT. Vor vier Jahrzehnten war hier noch das Christentum verboten, nun leben 70.000 Katholiken in dem Gebiet. Rund 10.000 waren Anfang 2006 zur Amtseinführung von Bischof Palliparampil gekommen. Er war 1992 der erste katholische Priester, der sich in dem Bundesstaat ansiedeln durfte. „Ich habe als Missionar stets alles daran gesetzt, den Menschen in ihrem Leben nahe zu sein, besonders den jungen Leuten, und tu dies heute noch als Bischof und versuche auch, die anderen darum zu bitten“, verriet er. Genau das habe er von dem Heiligen aus Turin gelernt, seit er erstmals als Jugendlicher über sein Leben las.

 

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