Marianisch und sozial

Erwartungen an den Weltjugendtag in Panama

MÜNCHEN, 14. Dezember 2018 (Vaticanista/pm).- Papst Franziskus hat die Jugend der Welt nach Mittelamerika eingeladen: Vom 22. bis 27. Januar 2019 wird in Panama der nächste Weltjugendtag stattfinden. Er steht unter dem Leitwort „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Rund 200.000 junge Menschen aus 155 Ländern, darunter rund 2.300 aus Deutschland, werden bei diesem Großereignis gemeinsam feiern, beten, ihren Glauben bezeugen und vertiefen sowie konkret die soziale Realität des Landes wahrnehmen.

Für Bischof Stefan Oster (Passau), Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, schließt dieser weitere jugendpastorale Höhepunkt thematisch unmittelbar an die Jugendsynode im Vatikan und die Frage nach der Berufung junger Menschen an. Vor Medienvertretern betonte der Bischof am Donnerstag, dass die Synode gezeigt habe, dass „Berufung“ nicht für Priester und Ordensleute reserviert sei, sondern „dass jeder Mensch, insbesondere jeder Getaufte, seinen einzigen, unvertauschbaren und unersetzlichen Lebensweg gehen kann und gehen soll – einen Weg vor und mit Gott, eben einen Berufungsweg. Und der Lebensweg wird umso mehr als Berufungsweg erfahren, je tiefer ein Mensch in die persönliche und gemeinschaftliche Beziehung mit dem lebendigen Gott, mit Jesus Christus findet“. Ein großes Vorbild und eine Fürsprecherin für den Berufungsweg ist dabei Maria, in deren Zeichen die Vorbereitung auf den Weltjugendtag stand, und die auch die Patronin Panamas ist.

Stephan Jentgens, Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, betonte den besonderen sozialen Aspekt dieses Weltjugendtags in Panama: „Wer Panama wirklich kennenlernen will, muss hinter die glitzernden Fassaden der Hochhäuser und Banken im Stadtteil Punta Paitilla blicken und in die Armenviertel gehen, in denen gerade auch die Indigenen und die Schwarzen leben“. Deshalb hat Adveniat auch seine diesjährige Weihnachtsaktion benachteiligten jungen Menschen gewidmet und bietet in Kooperation mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge 600 Pilgerinnen und Pilgern aus Deutschland die Möglichkeit, an die Ränder zu gehen und konkrete Projekte zu besuchen – wie zum Beispiel die Pastoral für Indigene oder für Obdachlose. Papst Franziskus selbst wird ein solches Adveniat-Projekt, die Aidspastoral Fundación Casa Hogar Buen Samaritano, besuchen.

Für Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), steht die Beteiligung und Dynamik junger Menschen im Vordergrund. Er betont: „Mit dem Weltjugendtag und den Begegnungen vor Ort, nicht zuletzt beim Youth Hearing von BDKJ und Adveniat, folgen wir dem Ansatz der Jugendverbände, zunächst auf die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen zu schauen. Von dort gehen wir gemeinsam mit ihnen die notwendigen Veränderungen im Sinne Jesu an. Jugendliche haben einen feinen Sensus für Ungerechtigkeiten und finden sich nicht damit ab. Sie sind solidarisch. Ich freue mich auf diese Dynamik.“

Viele der Pilgerinnen und Pilger aus Deutschland werden vor der Weltjugendtagswoche in Panama-Stadt auch die Tage der Begegnung verbringen. Eine zunächst geplante Reise nach Nicaragua steht nicht mehr auf dem Programm der jungen Pilger: Die dortige Bischofskonferenz von Nicaragua zog angesichts der blutigen Eskalation der politischen Krise in diesem Jahr ihre Einladung zu den  „Tagen in den Diözesen“ in Nicaragua ab. Diese werden ab Mitte Januar im Land Panama, in Costa Rica, Mexiko oder El Salvador stattfinden.

In Hinblick auf die Sicherheit von Pilgern und pastoralen Mitarbeitern könne dieses kirchliche Großereignis in Nicaragua nicht durchgeführt werden, schrieb Pater Jhader Hernandez für die nicaraguanische Bischofskonferenz in einem Brief an José Domingo Ulloa, den Präsidenten des Organisationskomitees des Weltjugendtages 2019. Dort werden sie bei Familien wohnen und in eine neue Lebens- und Glaubensrealität eintauchen können. Jede Pilgerin und jeder Pilger aus Deutschland erhält als Erkennungszeichen einen einheitlichen Pilgerhut. Dieser Hut ist nicht der als Panama-Hut bekannte, sondern der lokale Kopfschmuck Panamas, der traditionell in „La Pintada“ handgefertigte „Sombrero Pintao“. Er wird in der Regel seitlich getragen. Die Weltjugendtags-Pilgeredition wurde in einer Initiative von Adveniat in Lateinamerika gefertigt.

v.l.n.r.: Pfarrer Dirk Bingener, Bischof Stefan Oster, Pilgerin Julia Schwarzer, Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens

v.l.n.r.: Pfarrer Dirk Bingener, Bischof Stefan Oster, Pilgerin Julia Schwarzer, Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens; Foto: M. Koller

Die Berufungssuche junger Menschen wird durch eigene Abschnitte im bundesweiten Pilgerbuch zum Thema Treffen guter Entscheidungen unterstützt. Zudem werden mit Schwester Magdalena Morgenstern, Franziskanerin im Kloster Sießen, und Jesuitenpater Clemens Blattert, Leiter der Zukunftswerkstatt der Jesuiten in Frankfurt, zwei ausgewiesene Begleiter für junge Menschen in der deutschen Delegation vertreten sein, die für Gespräche über den eigenen Lebensweg oder die eigene Berufung zur Verfügung stehen werden. „Sie sind letztlich eine Freiraum-Schwester und ein Freiraum-Pater für junge Menschen, Sparring-Partner, bei denen junge Menschen in voller Freiheit einfach mal über ihre Fragen und ihre Suche im Leben sprechen können. Es freut mich sehr, dass wir dieses Angebot machen können“, sagte Paul Metzlaff von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz.

Vaticanista wird in Kooperation mit Bonifatius TV über den Weltjugendtag aus Panama berichten. Im Vorfeld erscheint noch ein Interview mit der Weltjugendtagspilgerin Julia Schwarzer aus dem Bistum Limburg.

 

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