Bloggersolidarität im Vatikan

Katholische Blogosphäre kontrolliert Medienmacht

Von Michaela Koller

ROM, 5. Mai 2011 (Vaticanista).- Im Anschluss an die Feierlichkeiten rund um die Seligsprechung Papst Johannes Paul II. sind am Montag in Rom 150 Blogger zu einer internationalen Begegnung auf Einladung des Vatikans zusammengekommen. Die Einladung der Päpstlichen Räte für die Kultur und die sozialen Kommunikationsmittel richtete sich nicht nur an katholische Gläubige in der Blogosphäre: Auch Vertreter anderer Konfessionen, Religionen oder Nichtgläubige konnten an dem Treffen teilnehmen.

Für die Teilnahme gab es mehr Bewerbungen als Plätze: Letztlich entschied nach einer Vorauswahl das Los. Dabei kam ein breites Spektrum an Bloggern zusammen: Sowohl prominente Blogger wie etwa der Vatikanist Sandro Magister als auch Neulinge in der Blogosphäre waren dabei. Einige vertraten Institutionen, andere unterhalten persönliche Blogs, in dem sie etwa über ihre Berufungsgeschichte berichten oder internationale oder lokale Nachrichten kommentieren. Einige Blogs sind gut finanziert, andere werden mit einem niedrigen Budget geführt.

„Die Teilnehmer packten gleich i-Pads, Notebooks und Fotoapparate aus. Wie hatten WLAN und konnten die gesamte Zeit über Mittwittern. So konnte jeder das Treffen global mitverfolgen“, berichtet Barbara Wenz im Gespräch mit YOUCAT-News, eine der Teilnehmerinnen über die technischen Möglichkeiten während der Nachmittagsveranstaltung. Über eine große Videoleinwand habe jeder das Geschehen auf dem Podium genau mitverfolgen können. Unter den Bloggern fielen Wenz zahlreiche Ordensleute auf, unter denen auch viele, die schon älter waren, sehr geübt mit der modernen Technik umgingen.

„Es war eine große Verbundenheit untereinander zu spüren“, erzählt sie weiter. „Es wird und es muss eine nächste Begegnung geben“. Eine Bloggerin habe gesagt: „Die Kirche braucht uns, und wir wollen ihr helfen.“ Seit vier, fünf Jahren habe sich der Wind gedreht und die Medien könnten nicht mehr die öffentliche Meinung ungehindert manipulieren. „Es stehen rund um den Globus ein paar Tausend Blogger bereit, die sehr viel gelesen werden, um Falschbehauptungen wie etwa ‚Papst rehabilitiert Holocaustleugner‘ richtigzustellen.“ In den USA etwa würden die Blogs wegen ihrer korrigierenden Funktion hoch geschätzt.

Während einer Podiumsdiskussion sprachen zunächst bekannte Blogger, die sehr stark frequentiert werden, über ihr Selbstverständnis. Pater Federico Lombardi, Leiter des Presseamtes des Heiligen Stuhls bekannte, sich allmorgendlich nach der heiligen Messe eine Zusammenstellung von Blogs anzusehen. Erzbischof Celli, Präsident des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel hielt die Ansprachen zur Eröffnung und zum Abschluss.

Ziel des Veranstaltung war es seitens der Kurie, die Sprache und die Bedürfnisse der Blogger besser verstehen zu lernen. Auch wird eine bessere Vernetzung der Blogger untereinander und zu Kirchenvertretern angestrebt. Zudem sollte ein Überblick vermittelt werden, wie die konkrete Situation in den einzelnen Sprachzonen aussieht.

Blogger aus dem deutschsprachigen Raum, die teilnahmen waren unter anderem Georg Schimmerl, http://gfsch.blogspot.com/ und Johannes R. Hanses, http://www.vita-in-deum.de/blogs/johannes/, die Buchautorin Barbara Wenz, http://elsalaska.twoday.net/, der evangelische Religionswissenschaftler Michael Blume, http://www.chronologs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens, Christoph Gstaltmeyr, http://www.religion.schule.at/ sowie Manuela und Stefan Ehrhardt http://zeitzubeten.org/.

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