Peter Seewald: „Papst Benedikt ist ein spiritueller Meister“

Zweite Deutschland-pro-Papa-Kundgebung in München mit Marienweihe und noch mehr Zulauf

Foto: Michael Hesemann

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Von Michaela Koller

ROM, 9. Mai 2011 (Vaticanista).- Bei einer Heiligen Messe im Rahmen einer Solidaritätskundgebung ist am Samstag die Initiative „Deutschland pro Papa“ in München der Muttergottes geweiht worden. Bei der von Jugend 2000 musikalisch umrahmten Festmesse in der Kirche St. Ludwig der Münchner Universität rief der Hauptzelebrant und Prediger, der Benediktinerpater Professor Stephan Haering, zu „aufbauender Zusammenarbeit“ in der Kirche auf. „In der Vielfalt der heutigen Kirche möchte Deutschland pro Papa die Liebe zur Geltung bringen“, sagte er über die katholische Initiative.

Der Verein war im vorigen September gegründet worden, nach zwei kurzfristig organisierten Großdemonstrationen mit mehreren Tausend Teilnehmern am 11. Juli in Köln und München. Erst am 1. Juni vorigen Jahres hatten die Initiatorinnen Sabine Beschmann und Regina Steinert eine Facebook-Gruppe eröffnet, um Gleichgesinnte dazu zu bewegen, ihre Solidarität mit Papst Benedikt XVI. in schwieriger Zeit zu zeigen. In Deutschland war wenige Monate zuvor der Skandal um Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester und Angestellte der katholischen Kirche entbrannt. Einige Medien hatten sich dabei aufgrund ihrer Arbeitsweise dem Vorwurf ausgesetzt, eher an einer Kampagne als an ehrlicher Aufklärung zu arbeiten.

Pater Haering sprach wohl in Anspielung darauf von Zeiten nervöser Gereiztheit, in denen Deutschland pro Papa zu einem guten Miteinander in einer vielfältigen und bunten katholischen Kirche anrege. „Viele können Papst Benedikt nicht kennen, weil sie nicht informiert werden“, sagte bei der anschließenden Kundgebung am Odeonsplatz der Autor Peter Seewald, der im vorigen November ein exklusives Interview mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche herausbrachte. Er bezeichnete den Papst, den er bereits als Kardinal für zwei Bücher interviewte, als spirituellen Meister. Einerseits sei er aufgrund seiner bayerischen Herkunft doch „sehr geerdet“. Seine Theologie erreiche zugleich jedoch „höchste Höhen“. „Die katholische Kirche ist heute die größte Oppositionsbewegung der Welt, weil sie quer zum Zeitgeist steht“, schätzte Seewald. Profitmaximierung, Konsum und Lustgewinn gelten zwar als vorrangige Ziele in unserer Gesellschaft. Papst Benedikt erinnere daran, dass die Menschheit nicht auf diesem Weg überleben könne.

Er habe erkannt, woran unsere Gegenwart kranke, pflichtete der Historiker Michael Hesemann Seewald bei. „An der Aufgabe der Wahrheit, an einer Fehlorientierung, die er Beliebigkeit, ‚Relativismus‘ nennt.“ Sie sei die wahre Krise unserer Zeit, die Ursache aller Krisen unserer Gesellschaft, mahnte Hesemann. Die Gläubigen könnten Gott dankbar sein für Papst Benedikt. Während viele Theologen verlernt hätten, mit dem Herzen zu schreiben gelinge es dem katholischen Oberhaupt, die Botschaft des Evangeliums, die Botschaft Christi, in die Sprache der Gegenwart zu übertragen, in einer Klarheit und Schönheit, die beeindrucke.

Im Laizismus, aber auch im Fundamentalismus, sehe der Papst die Ursachen für die Unterdrückung und Verfolgung von Christen, die gegenwärtig die meisten Verfolgungen aufgrund ihres Glaubens erlitten, schilderte Berthold Pelster von Kirche in Not. In streng laizistischen und kommunistischen Gesellschaften glaubten die herrschenden Eliten, dass Religion nicht mehr zeitgemäß sei, dass Religion nicht mehr mit den modernen Erkenntnissen der Naturwissenschaften zusammenpasse, dass Religion purer Aberglaube sei. Religion als Aberglaube müsse deshalb im Interesse eines fortschrittlichen Staates und zum Wohl der Menschen abgeschafft und beseitigt werden.

Als Beispiele nannte Pelster unter anderem Venezuela, Kuba und China. Der religiöse Fundamentalismus hingegen breite sich nicht nur in vielen islamischen Ländern, sondern auch in Indien aus. „Im Bundesstaat Orissa kam es in den letzten Jahren zu einigen schweren Anschlägen auf christliche Siedlungen. Dabei wurden im Dezember 2007 und besonders im August 2008 mehr als hundert Christen getötet und Tausende verletzt“, berichtete der Repräsentant von Kirche in Not.

Als markantes Problem in islamischen Gesellschaften nannte Pelster die Blasphemiegesetzgebung in Pakistan, bei der es oft zu falschen Anschuldigungen komme sowie das Verbot des Religionswechsels. „Das ist aus Sicht der Muslime keine Privatangelegenheit, sondern ein politischer Akt“, erklärte er. Der Konvertit entscheide sich aus islamischer Sicht gegen die muslimische Gemeinschaft, er lehnt die islamische Gesellschaft, den islamischen Staat ab: Aus Sicht der Muslime sei das als Hochverrat zu bewerten und gelte als große Schande. Weil es um Hochverrat gehe, stehe auf den Abfall vom Islam die Todesstrafe, die glücklicherweise in der Praxis nur selten verhängt und noch seltener vollstreckt werde.

Papst Benedikts Überzeugung zufolge sei wahre Religionsfreiheit die Voraussetzung dafür, dass die Menschen ein ganzheitliches Leben führen könnten, das ihrer göttlichen Berufung gerecht wird, ohne Einschränkungen durch einen überzogenen Laizismus und Säkularismus. Nur so können sich geistliche und ethische Werte entfalten und Einfluss nehmen auf die Gestaltung einer friedlichen und gerechten Gesellschaft. „Deswegen bezeichnet Papst Benedikt die Religionsfreiheit als „Weg des Friedens“.

Die Veranstaltung, musikalisch umrahmt von Tobias Neumann, Bariton an der Münchner Oper, zog in diesem Jahr noch mehr Zuhörer an als im vorigen Juli am selben Ort. Veranstalterangaben zufolge waren diesmal rund 3.500 Menschen bei der Kundgebung. Dabei hatte der prominenteste Redner, Peter Seewald, als Überraschungsgast die Bühne betreten. „Ich kenne eine Reihe von Menschen, die aufgrund seiner Bücher zur katholischen Kirche gekommen sind“, sagte Deutschland-pro-Papa-Vorsitzende Sabine Beschmann im Gespräch mit YOUCAT-News. „Daher auch der frenetische Jubel während seines Auftritts“. Ausser München und Köln kämen künftig auch andere Standorte für die Kundgebungen der Initiative in Frage. „Wir möchten auch in die neuen Bundesländer gehen“, kündigte sie mit Blick auf den im September bevorstehenden Papstbesuch in Erfurt. „Ich wünschte, die Menschen würden entdecken, was für ein Jahrhundert-Theologe er ist“, sagte Beschmann.

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