„Weil Jesu Herz daran hängt“

Reflexion über den Hintergrund der Initiative „Stay and Pray“

Von Angela Reddemann

MÜNCHEN, 20. Mai 2011 (Vaticanista).- Die Initiative „Stay and pray“ hat am vergangenen Samstag den Welttag für Geistliche Berufungen in der Heilig-Geist-Kirche am Münchner Viktualienmarkt gefeiert. Seit mehr als vier Jahren nun finden sich unter dem Motto „Bleib und bete“ junge Christen regelmäßig zusammen, um gemeinsam etwas für ihre Stadt zu tun. Die Initiatoren, zusammengeschlossen im katholischen Netzwerk für die Neu-Evangelisierung in München, eint das Anliegen, miteinander ein Projekt durchzuziehen, das der bayerischen Landeshauptstadt eine Herzmitte schenkt, die aus seinen christlichen Wurzeln genährt wird.

Was sich als ein buntes Netzwerkprojekt präsentiert, mitgetragen von der katholischen Jugendstelle Innenstadt, geistlicher Gemeinschaften und der Arbeitsstelle Berufe der Kirche, offenbart beim näheren Hinsehen ein viel tieferes Wurzelgeflecht. „Wer steckt eigentlich hinter Stay and Pray“, fragen Passanten die jungen Mitwirkenden, die zu Zeiten des allwöchentlichen „Saturday night fevers“ zwischen 19 und 24 Uhr rund um die Heilig-Geist-Kirche die Vorbeiziehenden ansprechen.

„Stay and pray“ – „Bleibet hier, wachet mit mir – wachet und betet“. Es ist der fast flehendlich bittende Ruf Jesu an seine engsten Freunde, der über den monatlichen Aktionstag steht. Jesus selbst ist es, der durch diese Evangelisationsinitiative zum Gebet in der City und für die City einlädt. Für die Beteiligten ist es eindeutig seine Stimme, die sie mit diesen Worten hören. Das motiviert und treibt sie an: „Mehr noch. Er ist es, der durch uns einlädt, der sich unserer Bereitschaft, unserer Gaben und Talente bedient“, meint Sandra-Maria Lernbecher, die mit der Gemeinschaft Emmanuel verbunden ist.

„Jesus will Mitbeter, die sein Gebet zum Vater teilen“, erklärt die Theologin Katharina Karl, die Mitglied der Gemeinschaft Verbum Dei ist. Das drücke auch ein Plakat der Initiative aus, das in der Nacht angestrahlt in der Fußgängerzone leuchte, so ein Vertreter der Jugend 2000. Dort prangt: „Wo ist Gott?“ und daneben steht „Komm und sieh!“ Wieder sei es Jesus, der einlädt, dessen wirksames und machtvolles Wort auch heute Menschen ansporne.

Papst Benedikt XVI. hat in einer seiner Katechesen im Rahmen der Generalaudienzen an jedem Mittwoch über Gregor den Großen gesagt, dass es diesem nie darum gegangen sei, etwas Eigenes oder die eigene Originalität darzustellen. Er habe vielmehr die Botschaft des Evangeliums vermitteln, gleichsam zum „Mund Christi“ werden wollen.

Die jungen Leute, die in den Nächten der Stadt Menschen zu “Stay und Pray” einladen, zum Eintreten in Jesu Nähe, und ihnen das Beten schmackhaft machen wollen, setzen in der heutigen Zeit die Arbeit der Jünger und Propheten fort. Sie hat Gott schon immer, ob sie wollten oder nicht, in die großen Metropolen ihrer Zeit gesandt. Jeder im offenen Team von “Stay und Pray” bestätigt durch seine Mitwirkung, dass er diesen Ruf Gottes nach City-Missionaren empfangen und verstanden hat. Mit ganz unterschiedlichen Charismen, die von der Fokolar-Bewegung bis zur Schönstattfamilie reichen, wollen sie Gottes geliebte „Stadtmenschen“ erreichen.

Die meisten tun dies mit Liebe und Begeisterung. Mancher hat auch vorher mit sich gerungen, bevor er sich auf “Stay and Pray” eingelassen hat. Nicht jedem wurde gleich in die Wiege gelegt, in der Fußgängerzone Menschen anzuhalten und sie zum Gebet einzuladen. Da befindet sich das Kernteam um “Stay und Pray”, das lange Jahre vom jetzigen Diözesanjugendseelsorger der Erzdiözese München und Freising, Pfarrer Daniel Lerch, begleitet wurde, eigentlich in bester Gesellschaft: Jonas war einst ziemlich niedergeschlagen, wenn er nur an Stadtseelsorge dachte; damals war Ninive die City, in die ihn seine Berufung führte.

Auch die persönliche Entwicklung des Propheten Jeremias ist für die Gruppe eine Inspiration. Man vermutet nach den jüngsten exegetischen Befunden, dass auch Jeremias lieber am Abend mit Freunden getrunken hätte, als wie ein Sonderling in der Innenstadt mitten im Gewühle mit Kerzen umher zu ziehen. “Denn du hast deine Hand auf mich gelegt und mich einsam gemacht” (Jeremia 1; 6-8, 12). Alle sie kamen von diesem Anruf des Herzens nicht los, Gott lies nicht locker, denn, es ist Gottes Wille, dass alle Menschen in den Genuss seiner Freundschaft kommen sollen, um tiefe Befreiung zu erleben.

Es gibt so Vieles, was man Menschen im Namen Gottes angetragen hat: Vorschriften, Verbote, leere und gewohnheitsmäßige Rituale, herzlose Verurteilungen… . Im Propheten Hosea -. Hos 6, 3-6 meldet sich Gott persönlich und distanziert sich von seinen Vertretern. Er macht sich im Propheten, seine menschliche Stimme unter seinem Volk vernehmlich: „Lasst uns streben nach Erkenntnis, nach der Erkenntnis des Herrn. Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühlingsregen, der die Erde tränkt“.

Da ist Gott, der den Menschen in der Stadt nah sein will und der ihre Nähe einfordert, um sie wirbt. Der warme und offene Herzen liebt und kein gefühlloses Handeln abverlangt. „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer“. „Stay and Pray” erschließt Menschen Kirche ganz neuartig, als ein einladendes, wohltuendes Zuhause. Liebevoll wurde alles vorbereitet, um etwas von Gottes anheimelnder Liebe auszudrücken. Dies in der Gewissheit, das Gott heute wie damals in einer Stadt wie München und anderswo sein Volk sammelt.

Die Herzmitte unserer Städte waren einst die Kirchen. Voller Optimismus entfaltete sich der Glaube als Basiskultur in den Regionen Kleinasiens, Nordafrikas und Europas. Warum sollte es nicht auch heute möglich sein, dass Stadtmenschen, die sich ihre Sinnmodelle wie mit Legosteinen zusammenbasteln und wie die Kinder diese wiederholt verwerfen, Jesus Christus wieder als Basis für ihr Leben entdecken.

München wird „Weltstadt mit Herz“ genannt. Jesus ist der Beweis dafür, dass Gott ein Herz hat. „Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten (Mt 9, 9-13)“ , erklärt er den Jüngern, nachdem er, Matthäus zugerufen hatte: „Folge mir nach!“ – Der Zöllner – es könnte heutzutage ein Mitarbeiter der großen Versicherungen und Konzerne in dieser großen Stadt sein – fasst sich ein Herz und geht mit, um bei ihm zu sein, um zu beten und zu predigen, ein Apostel zu werden. Die Stadt und Jesus passen also gut zusammen. Den City-Menschen zeigen, das Gott ein Herz für sie hat: “Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“, steht für eine Pastoral der Barmherzigkeit. Citypastoral ist ein Lernort und ein Lernfeld, weil Jesu Herz daran hängt.

 

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