Jahresgedächtnis für Bischof in der Türkei

Literarisch-musikalischer Abend unter dem Motto „Wie ein Weizenkorn“

Von Michaela Koller

ROM, ISKENDERUN, BAMBERG, 4. Juni 2011 (Vaticanista).- In der Türkei, in Italien und Deutschland ist am Freitag des am 3. Juni vor einem Jahr ermordeten Apostolischen Vikar von Anatolien, Bischof Luigi Padovese, gedacht worden. Padovese, war von seinem 26-jährigen muslimischen Fahrer Murat Altun in seinem Haus in Iskenderun niedergestochen worden und darauf seinen schweren Verletzungen am Hals erlegen.

Am Sonntag wird zudem Erzbischof Ruggero Franceschini von Smyrna (Izmir) und nunmehr Apostolischer Administrator für Anatolien das Jahresamt für Padovese zusammen mit dem zuständigen Nuntius, Erzbischof Antonio Lucibello, und weiteren Vertretern des Heiligen Stuhls in der Kathedrale von Iskenderun zelebrieren. An der heiligen Messe werden auch Vertreter anderer Konfessionen sowie der örtlichen Behörden teilnehmen, wie AsiaNews am Freitag berichtete. Die Christen vor Ort begehen das Jahresgedächtnis in aller Stille, um Irritationen auf Seiten fundamentalistischer und nationalistischer Kräfte im Vorfeld der Parlamentswahlen am 12. Juni zu vermeiden.

Im Erzbistum Bamberg in der Gemeinde Stegaurach wurde am Donnerstag ein bislang namenloser Dorfplatz neben der Kirche Platz nach ihm benannt und ein Gedenkstein zur Erinnerung enthüllt und von Erzbischof Ludwig Schick gesegnet. Padovese pflegte über Jahrzehnte enge Kontakte zu der Gemeinde, in die er erstmals 1974 als junger Kapuzinerpater zur Urlaubsvertretung des Pfarrers gekommen war. „Es ist wichtig, dass wir das eigentliche Motiv und die Hintergründe kennen“, sagte Erzbischof Schick laut Fränkischer Tag, der Bischof Padovese selbst gut kannte. „Und wir warten auch darauf!“ Der Erzbischof appellierte, den Dialog mit dem Islam ebenso wie das Mordopfer zu pflegen, das als Kapuzinerpater im franziskanischen Sinne wirkte.

An den ersten Jahrestag des Todes Padoveses denken auch Gläubige aus Venedig, Como, Mailand und Rom. Zudem fand am Freitag in Concordia Sagittaria in Venetien ein literarisch-musikalischer Abend unter dem Motto „Wie ein Weizenkorn“ statt, das auch das Leitthema in der Predigt Dionigi Kardinal Tettamanzis bei der Beisetzungsfeier am 11. Juni vorigen Jahres in Mailand war. Padovese war selbst ein begabter Tenor, der vor seiner Berufung zum priesterlichen Dienst Musik studieren wollte.

Luigi Padovese wurde am 31. März 1947 in Mailand geboren und trat 1965 dem Orden der Kapuziner bei, wo er 1968 die ewige Profess ablegte. Im Jahr 1973 wurde er zum Priester geweiht. Er hatte in Rom Theologie, Religionsgeschichte und Patristik studiert. Deutsch beherrschte er fließend nach einem Studienaufenthalt in Würzburg Mitte der siebziger Jahre. Seit 1977 lehrte er Patristik und Theologiegeschichte, 1995 wurde er ordentlicher Professor an der Päpstlichen Universität Antonianum. Seit 2004 war er Apostolischer Vikar von Anatolien und seit 2008 Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz.

Am Tag vor seiner Ermordung hatte Padovese noch ein Treffen mit den türkischen Obrigkeiten, um über die mit der christlichen Minderheit verbundenen Probleme zu sprechen. Am Tag darauf plante er, zur Vorstellung des Instrumentum Laboris der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten nach Zypern zu reisen und dort mit Papst Benedikt XVI. zusammen zu treffen. Ein Termin für den Prozess gegen den angeklagten Chauffeur steht nach einem Jahr noch nicht fest. Am Freitag ergab ein psychiatrisches Gutachten des gerichtsmedizinischen Instituts in Istanbul, dass Altun, entgegen erster Angaben, voll zurechnungs- und prozessfähig ist. Die Verteidigung hatte zuvor vorgebracht, der Geständige habe die Tat im Zustand einer psychischen Störung begangen.

 

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