„Starkes Schild und Bastion des Christentums“

Kroatienreise des Papstes: Interview mit dem kroatischen Aussenminister

ZAGREB, 4. Juni 2011 (Vaticanista/KNA).- Papst Benedikt XVI. kommt am Samstag in Zagreb, der Haupstadt des EU-Beitrittskandidaten Kroatien an – in einem entscheidenden Moment. Er wird am Samstag im Zagreber Nationaltheater zu Intellektuellen, Unternehmern und Diplomaten sprechen, bevor er der Jugend des Landes bei einer Vigilfeier auf dem zentralen Platz begegnen wird. Am Sonntag steht eine heilige Messe aus Anlass des nationalen Tages katholischer Familien Kroatiens auf dem Programm. Michaela Koller befragte im Auftrag der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) den kroatischen Aussenminister Gordan Jandroković über die Symbolik der Reise, die Beziehungen seiner Heimat zum Vatikan und die Stellung der Familie in der Gesellschaft Kroatiens.

Herr Minister, wird Kroatien am 1. Januar 2013 Mitglied der Europäischen Union sein?

Aussenminister Jandroković: Unter der Prämisse, dass die technischen Fragen der Verhandlungen bis Ende Juni abgeschlossen sind und im September die Entscheidungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments folgen, sowie die Entscheidung über die Zulassung durch den Rat, erwarten wir während des polnischen Ratspräsidentschaft den Vertrag zu unterzeichnen. Ich bin optimistisch, dass die nationalen Parlamente aller EU-Mitgliedsstaaten den Vertrag zu Beginn des Jahres 2013 ratifiziert haben werden.

Aber einige Beobachter sehen noch echte Hindernisse wie eine zunehmende Skepsis in der kroatischen Öffentlichkeit hinsichtlich des EU-Beitritts.Was ist der tiefere Grund dafür?

Aussenminister Jandroković: Es ist ziemlich schwierig, von einer zunehmenden Skepsis zu sprechen, wenn über einen langen Zeitraum Meinungsumfragen eine kontinuierliche Mehrheit der Bürger ergeben, die für Kroatiens Mitgliedschaft in der Europäischen Union stimmen würden.

Die Ergebnisse der Meinungsumfrage vom Mai 2011 zeigen, dass von den Befragten, 56 Prozent bei einer Volksabstimmung für den Beitritt Kroatiens zur EU votieren würden, 39 Prozent der Befragten stimmten dagegen, während sechs Prozent unentschieden blieben. Die erwartete Wahlbeteiligung läge bei 81 Pozent, 16 Prozent der Befragten würden nicht wählen, während drei Prozent darüber unentschlossen sind.

Vor einigen Wochen haben Sie gesagt, dass Papst Benedikt in einem sehr entscheidenden Augenblick in Zagreb eintreffen wird. Was meinten Sie mit dieser Aussage?

Aussenminister Jandroković: Ich könnte auch sagen, dass die Apostolische Reise des Heiligen Vaters ist einem entscheidenden und symbolischen Moment kommt, da Kroatien sich in der Endphase der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union befindet. Wir haben erfolgreich alle Kriterien für die Mitgliedschaft erfüllt und erwarten, dass die Mitgliedstaaten das Erreichte, unsere Bemühungen sowie die Umsetzung der Reformen anerkennen und bestätigen. Der Heilige Vater, der weltweit eine hohe moralische Autorität genießt, unterstützt Kroatiens Mitgliedschaft in der Europäischen Union, schätzt Kroatiens Position in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas.

Im Laufe seiner Geschichte blieb Kroatien seinen christlichen Wurzeln treu, was durch die Nähe und Solidarität des Heiligen Vaters mit den kroatischen Volkes vergolten wurde. Die Die Pastoralreise von Papst Benedikt XVI. ist in der Tat symbolisch, da sie mit dem 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Kroatiens zusammen fällt, die nur durch große Opfer erlangt wurde.

Was erwarten Sie konkret von diesem Besuch?

Aussenminister Jandroković: Die Reise von Papst Benedikt XVI. nach Kroatien ist in erster Linie pastoral. Wir erwarten vom Nachfolger des Apostels Petrus, die christliche Hoffnung der religiösen Menschen in Kroatien und der Region zu stärken. Der Besuch des Papstes wird erneut von der Ergebenheit des kroatischen Volkes gegenüber dem Heiligen Stuhl und dem Heiligen Vater Zeugnis geben, die seit 14 Jahrhunderten andauert.

Ich muss darauf hinweisen, dass der Heilige Vater nicht „auf fremdem Boden“ ankommt. Kardinal Ratzinger besuchte Zagreb zweimal. Das erste Mal im Jahre 1981 bei der Beerdigung von Kardinal Franjo Seper, früherer Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, dem er nachfolgte, und das zweite Mal 2001, als er an einem wissenschaftlichen Symposium anlässlich des 20. Jahrestages von Kardinal Sepers Tod teilnahm.

Dieser Papst, der in der Vergangenheit mehrfach über die Zukunft Europas gesprochen und geschrieben hat, sagte einmal, es komme bei der Rückbesinnung auf die christliche Seele dieses Kontinents auf schöpferische Minderheiten an. Wie könnte Kroatien dazu beitragen?

Aussenminister Jandroković: Kroatien als das einzige Land mit einer katholischen Mehrheit vor der Tür der Europäischen Union, wird durch seinen Beitritt zur Stärkung der christlichen Identität Europas beitragen. Im Jahr 2014 feiern wir den 500. Jahrestag der Verleihung des Titels „Starkes Schild und Bastion des Christentums“ durch Papst Leo X. an Kroatien. Dieses Erbe ist eine Verpflichtung und dieses Jubiläum verdient es, in einer angemessenen Art und Weise gefeiert zu werden.

Am Sonntag wird der Papst im Hippodrom von Zagreb eine heilige Messe anlässlich des nationalen Tages der katholischen Familien in Kroatien feiern. Was tut denn die kroatische Regierung, um Familien zu unterstützen?

Aussenminister Jandroković: Ich bin wirklich dankbar dafür, dass das zentrale Ereignis während des Papstbesuchs sich auf den Grundbaustein der Gesellschaft und die Garantie für ihre Stärke bezieht, nämlich die Familie, insbesondere der kroatischen katholischen Familie. Im Hinblick auf die Politik der kroatischen Regierung, muss doch hervorgehoben werden, dass der Schutz der Familie hier eine verfassungsmäßige Pflicht ist.

Weil sie sich über die Bedeutung einer demographischen Verjüngung bewußt ist, unterstützt die kroatische Regierung eine Politik zur Steigerung der Geburtenrate und befürwortet kontinuierlich Befürworter konkrete Maßnahmen zum Mutterschaftsschutz. Wir haben auch günstige Wohnungsbaudarlehen ermöglicht, sowie Kindergeld und höhere Leistungen bei Mutterschaft für erwerbstätige und arbeitslose Mütter sowie die Möglichkeit eines dreijährigen Mutterschaftsurlaubs für Mütter von Zwillingen, drei oder mehr Kindern. Wie Sie sehen können, glauben wir an die Familie und setzen wir große Hoffnung auf sie, besonders auf die Kinder.

Papst Benedikt sagte vor einigen Wochen – mit Blick auf das Verhältnis zu Bosnien-Herzegowina – zu Ihrem Botschafter beim Heiligen Stuhl, Filip Vučak, dass Kroatien eine Menge zum Dialog und zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Völkern tun könnte. Wie wollen sie konkret dieser Anfrage nachkommen?

Aussenminister Jandroković: Der Heilige Vater würdigt die Bedeutung der konstruktiven Rolle, die Kroatien in der Nachbarschaft zu Bosnien und Herzegowina spielt. Aufgrund seines spezifischen Verhältnisses zu diesem Land trägt Kroatien zur Vertiefung des Dialogs zwischen den drei konstitutiven Völker, Bosniaken, Serben und Kroaten bei. Die Förderung eines Dialogs von Vertrauen und gegenseitigem Verständnis ist für dieses Land auf dem Weg in die EU, in die es seinen kulturellen und religiösen Reichtum einbringen wird, und für seine Völker unerlässlich. Als einer der führenden Kräfte in der Region und mehr noch aufgrund der Tatsache, dass die Kroaten eine der konstitutiven Völker Bosnien-Herzegowinas sind, unternimmt Kroatien große Anstrengungen, um zur Achtung jedes Volkes zu ermuntern, besonders da die Kroaten des Kleinste unter ihnen ist.

[Erstveröffentlichung: © KNA, 3. Juni 2011]

 

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