„Ein Signal für den Neubeginn“

Alojs Andritzki als erster Sorbe selig gesprochen

Von Michael Baudisch

DRESDEN, 14. Juni 2011 (Vaticanista/KPI).- In Dresden ist am Sonntag der sorbische Priester und Märtyrer Alojs Andritzki selig gesprochen worden. Der römische Kardinal Angelo Amato verlas am Morgen bei bestem Seligsprechungswetter im Auftrag des Papstes vor mehr als 11.000 Gläubigen im lateinischen Original auf dem Dresdner Schlossplatz den Text des Apostolischen Schreibens, das die Seligsprechung des ersten Sorben und gebürtigen Sachsen dokumentiert. Anschließend wurde unter dem Beifall der Gläubigen ein Porträtbild Andritzkis über dem Hauptportal der Kathedrale enthüllt.

In seiner Predigt erinnerte Bischof Reinelt daran, dass aus dem Bistum Dresden-Meißen bislang erst einmal ein Mann zur Ehre der Altäre erhoben wurde: der Diözesanpatron Bischof Benno. Andritzki könne „ein Signal für den Neubeginn“ sein, so der Bischof von Dresden-Meißen. Nach „dem Winter der menschenverachtenden Ideologien“ mit Millionen Opfern sei es an der Zeit, dass der Same dieses christlichen Märtyrers seine Frucht bringe, sagte Joachim Reinelt.

Zugleich erinnerte er an die besondere Grausamkeit der Konzentrationslager. Für 2.700 katholische Priester sei Dachau „ein für uns unvorstellbarer Ort der Quälereien, der brutalen Erniedrigung und der Rechtlosigkeit“ geworden. „Wie konnte Alojs mit seinen 28 Jahren diese härteste Zeit seines Lebens so gefasst und vorbildlich bewältigen, dass einer seiner Mitbrüder ihn als den Besten im Priesterblock bezeichnete?“, fragte der Bischof. Seine Erklärung: “Unbeirrt an die Liebe des himmlischen Vaters in dieser Situation glauben, das befähigt zum Martyrium.“ Gerade heute seien Vorbilder dieses Typs ohne „frömmlerisches Gehabe“ nötig, die über das Mittelmaß hinausreichten. Alojs Andritzki sei eine Herausforderung, „die Anker zu lichten und hinauszufahren ohne Furcht und auch gegen den Strom der Zeit.“

In einem Prozessionszug hatten Kinder in der vom Fernsehen live übertragenen Messe Symbole zum Altar getragen, die das Leben des neuen Seligen symbolisierten: Stacheldraht und Häftlingsnummer, aber auch Fußball, Trompete und ein aufblühender Setzling. An der Messe nahmen 15 Bischöfe, darunter zwei Kardinäle, hunderte Priester, Ordensleute und mehr als 300 Ministranten in ihren farbenprächtigen Gewändern teil. Besonders aus der sorbischen Region waren zahlreiche Gläubige nach Dresden gereist. Auch knapp 100 junge Frauen in der Druschka, der sorbischen Brautjungferntracht, waren bei der Seligsprechungsfeier zu sehen. Die Dresdner Kapellknaben, ein sorbischer Projektchor, eine Band und eine Bläsergruppe gestalteten die Messe musikalisch. Zahlreiche Fahnenabordnungen von Kolpingsfamilien und Studentengruppen begleiteten die Feier. Zu den anwesenden Ehrengästen zählten neben Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) weitere hochrangige Vertreter der Staatsregierung, aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Auch Prälat Hermann Scheipers, Ehrendomkapitular des Bistums Dresden-Meißen, war für den Gottesdienst angereist. Der 97-jährige war als junger Pfarrer selbst im KZ Dachau inhaftiert und war dabei auch Alojs Andritzki begegnet.

An die Eucharistiefeier schloss sich ein großes Fest der Begegnung mit Unterhaltungsprogramm auf zwei Bühnen und vielen Informations- und Mitmach-Angeboten rund um die Kathedrale an. Mit einer Festandacht endete am Nachmittag die Feier in der Kathedrale.

 

 

 

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