Das unverdienbare Geschenk der Erwählung

Die drei Jubiläen des Bischof Schraml

Von Michaela Koller

PASSAU, 1. Juli 2011 (Vaticanista/Die Tagespost).- Mit der Musik, die schon seine Primizfeier umrahmte, hat der Passauer Bischof Wilhelm Schraml am Sonntag für 50 Jahre als Priester und 25 Jahre als Bischof gedankt. Zudem liegt es knapp zehn Jahre zurück, seit er zum Bischof in der Dreiflüsse-Stadt ernannt wurde. Und als wäre dies nicht schon genug, fiel die Feier auch noch mit dem 76. Geburtstag des leidenschaftlichen Musikliebhabers zusammen. So erklang zum Mehrfachjubiläum im barocken Dom St. Stephan die Orchestermesse in C-Dur opus 169 von Josef Gabriel Rheinberger, neben feierlichen Liedern aus dem Gotteslob, eindrücklich unterstützt von der größten Domorgel der Welt. Schraml, der in seiner Jugend eine Zeit lang bis zu zwei Stunden pro Tag die Zither spielte, dankte dann auch Domchor und Domkapellmeister Gerhard Merkl dafür, dass sie ihn und die anderen Gläubigen erfahren ließen, „wie die Kirchenmusik uns die Freude an Gott ins Herz hineinsenkt und hineinspielt.“ Vor allem aber dankte er Gott für seine Erwählung zum Priester, was er als ein unverdienbares Geschenk bezeichnete.

Über die leidenschaftliche Liebe der Priester zum himmlischen Vater bei gleichzeitiger Sorge um die Menschen machte sich Festprediger Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, in seiner Homilie Gedanken. Priester und Bischöfe sollten daher auf der horizontalen Weltlinie die vertikale Gotteslinie einprägen. Aus dem Minus für alle solle das Plus Gottes werden, mahnte der Kardinal mit Verweis auf das Kreuz Christi. Dieses Zeichen sei „das große Pluszeichen Gottes über unserer armseligen Welt geworden, das immer Minus zum Plus umqualifiziert, Verzweiflung in Hoffnung, Tod in Leben.“ Priester und Bischöfe sollten daher Plustypen sein.

Festprediger Kardinal Meisner; Foto: Pressestelle Bistum Passau

Festprediger Kardinal Meisner; Foto: Pressestelle Bistum Passau

Als Vorbild nannte er Papst Johannes Paul II., mit dem ihm eine persönliche Freundschaft verband. Nach Heiligkeit zu streben, was im Falle des Priesters kein privates, individuelles Streben bedeute, hieße Christus immer gleichförmiger zu werden. Die persönliche verborgene Heiligkeit des Seligen habe die Welt grundlegend verändert. „Das wurde besonders in den letzten Jahren seines Lebens immer deutlicher, wenn er sich auf seinen Kreuzesstab gestützt, mit seinem ganzen Körper daran anlehnte, so dass Kreuz und Person eine Figur, eine Einheit wurden“, sagte er.

Kardinal Meisner, als Vorsitzender der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz zuständig für das Thema Verehrung von Glaubensvorbildern, erinnerte in seiner Predigt auch an die Märtyrerpriester. Aktueller Anlass dafür gab die Seligsprechung der Lübecker Märtyrer Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange am Tag zuvor. In diesem und im vorigen Jahr seien insgesamt sechs deutsche Priester seliggesprochen worden, betonte er. Alle wären in jungen Jahren in der Zeit des Nationalsozialismus für Christus gestorben. Er sei zutiefst überzeugt, „dass wir unter unseren Priestern auch heute in anderen, aber ebenso schweren Situationen Selige und Heilige haben.“.

Die Priester benötigten aber das Gebet und den Glauben des Volkes Gottes, mahnte Kardinal Meisner. Und kräftig mahnend rief er den im Kirchenschiff vor ihm versammelten Gläubigen zu: „Sie wissen gar nicht, wie wichtig Sie für unseren apostolischen Dienst sind.“ Dieser und das Festhalten an der Weihe sei andererseits für diejenigen, zu denen die Priester gesandt würden, heilsnotwendig. „Manche werden Christus nur kennen lernen, wenn wir uns ungeteilt dazu hergeben“, mahnte der Kardinal. Dabei ginge es konkret darum, die Menschen zur Verantwortung für die Gegenwart zu befähigen. „Menschen auf eine gute Sterbestunde vorzubereiten, ist die Garantie für eine wirkmächtige Seelsorge in der gegenwärtigen Zeit.“

Es gäbe für die Kirche in dieser Zeit keine andere Kraft, „soziale Gettos in unserer Gesellschaft aufzubrechen, um sie auf Christus hin zu verändern, als die Nachahmung Christi“. Anfänglich habe der Apostel Paulus mit der frohen Botschaft alle religiösen, kulturellen und nationalen Gettos aufgebrochen. „Solche Kettenreaktionen des Glaubens wären für die Diözese Passau, für Bayern und für ganz Deutschland sehr notwendig“, betonte er.

Auf das persönliche priesterliche Zeugnis Bischof Wilhelm Schramls gingen im Anschluss an das feierliche Pontifikalamt der Passauer Generalvikar Klaus Metzl im Namen der Gläubigen der Diözese sowie Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, im Namen der Freisinger und der Deutschen Bischofskonferenz ein. „Auch wenn heute in Deutschland keiner mehr wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus um sein Leben fürchten muss, so bleibt es dem aufmerksamen Beobachter doch nicht verborgen, dass das beherzte und offene Bekenntnis zu Jesus Christus und seiner Kirche gerade auch heute Mut und Überzeugungskraft bedarf“, sagte Metzl. Innerhalb der Kirche machte er eine Verunsicherung und Verzagtheit im Bekenntnis zum katholischen Glauben und in der Freude an der Kirche aus. Bischof Schraml jedoch sei ein Hirte der wider den Zeitgeist treu zu seinem Glauben stehe und eine tiefe Liebe zur katholischen Kirche vorlebe. „Für diese Treue im Bekenntnis, für diese martyria, sagen wir heute Ihnen und unserem Hergott Dank“. Die Gläubigen hielten ihn wegen seiner kompromisslosen Option für den gekreuzigten und auferstandenen Christus als Hirten für glaubwürdig. Die Menschen, die ihm begegneten, mache er neugierig, nach dem Grund der Hoffnung zu fragen, die ihn erfülle.

Der Generalvikar erinnerte daran, dass es Bischof Schraml, seit 1991 Vorsitzender der bischöflichen Kommission für Liturgie und Kirchenmusik, vor allem um die würdige Feier der Eucharistie ginge „als unaufgebbares Lebens- und Strukturprinzip“ der Kirche. Zudem sorge er sich um die Weitergabe des gelebten Glaubens in der Familie als Keimzelle der Gesellschaft, durch einander treu verbundene Eltern. Fast 6.000 Firmlingen in der Diözese Passau überreiche der Bischof in diesem Jahr der Jugendkatechismus Youcat.

Als symbolische Geschenke erhielt der Bischof ein Gebetbuch, eine Dokumentation von Stätten gelebten Glaubens in seinem Bistum und eine DVD, auf der sein Wirken filmisch dokumentiert ist. Beim anschließenden Blasmusikempfang auf dem Domhof konnte jeder Besucher diese drei Aufmerksamkeiten mit nach Hause nehmen.

Gratulation an Bischof Schraml; Foto: Pressestelle Bistum Passau

Gratulation an Bischof Schraml; Foto: Pressestelle Bistum Passau

Der Passauer Hirte wirkt als Stellvertretender Vorsitzende in der Kommission für Ehe und Familie in der Deutschen Bischofskonferenz mit, wofür ihm Kardinal Marx auch noch einmal ausdrücklich dankte. In seinen spontan und sehr persönlich formulierten Worten schilderte er den Jubilar als Mann mit einem versöhnlichen Gespür. Er habe sich bereits als junger Weihbischof von Schramls altbayerischer Art in der Bischofskonferenz angezogen gefühlt, dem es gelinge durch ein Wort eine verzwickte Situation aufzulösen. Soziale Belange lägen ihm ebenso am Herzen wie eine authentische Feier der Heiligen Messe. Damit verbinden sich Kardinal Marx zufolge bei Bischof Schraml Gottesliebe mit Nächstenliebe. Der Kardinal bekannte, dass er überhaupt erst durch seinen Passauer Mitbruder im Bischofsamt die Musik Anton Bruckners für sich entdeckt habe.

Und beim Hören dessen Symphonien schöpft Bischof Schraml eigenem Bekunden zufolge immer wieder neu Kraft, während seines jahrzehntelangen priesterlichen Zeugnisses. Und am Ende der Messe verriet er noch etwas, was ihn trägt: „Wenn ich heute zurückschaue auf 50 Priesterjahre, davon 25 als Bischof, dann bewegt mich besonders, dass ich im Segen das zu den Menschen bringen durfte, was ich selber nicht geben konnte, was mir aber an Vollmacht durch das Sakrament der Priesterweihe zuteil wurde.“

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 30. Juni 2011]

 

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