Requiem für einen „Giganten der europäischen Einigung“

Otto von Habsburg im Europaparlament gewürdigt

STRASSBURG, 6. Juli 2011 (Vaticanista).- An drei Straßburger Sitzungstagen hintereinander wurde im Europaparlament des verstorbenen Otto von Habsburg gedacht, der der europäischen Volksvertretung zwanzig Jahre lang angehört hatte, in den neunziger Jahren ihr Alterspräsident war und quer durch alle politischen Lager großes Ansehen genoss.

Am Montag würdigte ihn bei der Eröffnung des Plenums Parlamentspräsident Jerzy Buzek, Mitbegründer der Freiheitsbewegung Solidarnosc und langjähriger polnischer Ministerpräsident, als „einen Giganten der europäischen Einigung und maßgeblichen Kämpfer für die Beseitigung des Eisernen Vorhanges“. Am Dienstag Abend veranstaltete die stärkste Fraktion, die der Europäischen Volkspartei, deren einziges Ehrenmitglied Otto von Habsburg war, einen Trauerakt im mit Blumen geschmückten Robert-Schuman-Saal.

Der EVP-Fraktionsvorsitzende, der elsässische Paneuropäer Joseph Daul, nannte Otto von Habsburg „einen vielsprachigen und glühenden Europäer, der sich in der Opposition gegen Hitler wie auch gegen die Kommunisten bewährte und aus seinem christlichen Glauben heraus fähig war, Europa über seine historischen Brüche hinweg zusammenzuführen.“ Er sei nicht nur einer der herausragendsten Europaabgeordneten gewesen, sondern habe als Präsident und Ehrenpräsident der Paneuropa-Union sein ganzes Leben der Europaarbeit gewidmet, „mit dem Paneuropa-Picknick vom 19. August 1989 an der österreichisch-ungarischen Grenze, bei dem erstmals der Eiserne Vorhang geöffnet wurde, als einem der Höhepunkte.“

Der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt, fast 20 Jahre lang der engste Mitarbeiter von Otto von Habsburg und Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, bezeichnete den Verstorbenen in seiner Ansprache vor der Fraktion als unabhängigen Geist, der die Grenzen der politischen Lager gesprengt und mit allen „die Freundschaft, den Dialog und auch den Streit“ gesucht habe. Als europäischer Föderalist und Paneuropäer habe er „ein starkes supranationales Europa angestrebt, die Beseitigung des Eisernen Vorhanges und die Osterweiterung vorangetrieben, die Abschaffung der Grenzkontrollen an den EU-Binnengrenzen führend mit durchgesetzt und sich als überzeugter Christ im interreligiösen Dialog mit Juden und Muslimen engagiert.“ In seinem Sinne gelte es „sich energisch allen Renationalisierungstendenzen zu widersetzen“.

Am Mittwoch zelebrierten der Ständige Vertreter des Heiligen Stuhles in Straßburg, Monsignore Aldo Giordano, der Parlamentsgeistliche und Prior der elsässischen Dominikaner P. Bernard Senelle OP und der syrisch-katholische Erzbischof aus dem Libanon Joseph-Flavien Melki im Europaparlament ein Requiem für Otto von Habsburg, an dem zahlreiche Abgeordnete fast aller Fraktionen und Nationen teilnahmen. Pater Senelle erinnerte in seiner Predigt daran, daß der Verstorbene gemeinsam mit dem damaligen Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano die Tradition der Straßburger Parlamentsgottesdienste begründet habe, die seitdem am Mittwoch jeder Plenarsitzung stattfinden.

 

 

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