Deutschland sucht den Superdialog

Teilnehmer an der Auftaktveranstaltung zum Dialogprozess

Von Michaela Koller

MANNHEIM, 9. Juli 2011 (Vaticanista/Die Tagespost).- Bei der Einladung zum Dialogprozess in Mannheim wird ein breites Spektrum an kirchlichen Positionen und Strömungen vertreten sein. Bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im März hatten die deutschen Bischöfe beschlossen, zu einem Dialogprozess über die Zukunft der Kirche einzuladen. Sinn der über einen Zeitraum von vier Jahren angesetzten Beratungen soll eine Zusammenschau der künftigen Herausforderungen in der Kirche und als Gläubige in der Gesellschaft sein und ein Nachdenken darüber, wie diesen zu begegnen ist. Zunächst werden dabei grundsätzliche Themen in einer Art Brainstorming benannt, die nach einem geistlichen Gespräch schließlich nach und nach abgehandelt werden. Es sollten dabei Probleme weit über den wiederholt thematisierten Priestermangel hinaus auf den Tisch kommen.

Zum Auftakt der Gespräche an diesem Samstag haben sich gut 300 Gläubige für die Teilnahme in Mannheim unter dem Titel „Im Heute glauben. Wo stehen wir?“ angemeldet. „In ihm wirken Haupt- und Ehrenamtliche aus den Bistümern, Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der katholischen Verbände, von Ordensgemeinschaften und kirchlichen Bewegungen, Vertreter des Deutschen Caritasverbandes und Angehörige der Katholisch-Theologischen Fakultäten mit“, schrieb Gastgeber Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, in einer Bestätigung an die Angemeldeten.

Wie Tagespost-Recherchen ergaben, gaben die Diözesen ihre Einladung bevorzugt an Vertreter altbewährter Institutionen weiter. Die Zusammenstellung einiger Delegationen zeigt dabei zumindest das Bemühen, einen repräsentativen Querschnitt der katholischen Bevölkerung zu entsenden, „aus Priestern, Laien, Räten und Verbänden, Männern und Frauen, Senioren und Jungen, Stadt- und Landbevölkerung“, wie es etwa das Bistum Augsburg ankündigte. Die Diözese in Bayerisch-Schwaben entsendet deshalb die Dogmatikprofessorin Gerda Riedl, Hauptabteilungsleiterin im Ordinariat, und Domkapitular Prälat Bertram Meier als die beiden Vertreter des Bischofs, zusammen mit neun weiteren Repräsentanten. Vier der Vertreter sind aus dem Diözesanrat, eine Repräsentantin ist vom BDKJ, eine vom Frauenbund, dazu kommt eine Gemeindereferentin und ein Priesterrats-Vertreter, insgesamt sechs Frauen und fünf Männer. Freiburg, Bamberg, Eichstätt, Passau, Regensburg, Dresden-Meißen, Magdeburg, Aachen, Essen, Paderborn, Limburg, Mainz, Erfurt, Osnabrück, Hamburg achteten darauf, dass die Delegation paritätisch aus engagierten Laien, tätig etwa im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Diözesan- oder Pfarrgemeinderat oder bei Caritas, Katholischer Studentengemeinde, BDKJ, KAB, Katholischem Deutschen Frauenbund, Kolping und Klerikern besetzt ist, das Diözesanteam auch ein gewisses Spektrum an Berufs- und Altersgruppen aufweist sowie beide Geschlechter gleichermaßen vertreten sind. Um möglichst viele Gremien und Verbände in einer Delegation vertreten zu wissen, kommen Mehrfachengagements unter den Teilnehmern häufig vor. Teilweise achteten die Diözesen auch darauf, die Berufsgruppe der Gemeindereferenten zu berücksichtigen.

Aus Aachen reist noch Weihbischof Johannes Bündgens zur Auftaktveranstaltung. Würzburg wartet neben anderen Laien und Priestern auch noch mit Weihbischof Ulrich Boom auf, sowie mit Susanne Bühl von der Gemeinschaft Sant’Egidio. Aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart nehmen Bischof Gebhard Fürst und Weihbischof Thomas Maria Renz neben neun Diözesanratsvertretern teil und aus Fulda ist Bischof Heinz Josef Algermissen mit zwei Priester- und drei Diözesanratsmitgliedern dabei.

Aus Trier kommt außerdem noch der Chefredakteur des Bistumsblattes Paulinus, Bruno Sonnen. Hildesheim entsendet neben zwei Hauptamtlichen, darunter einem Priester, und drei Ehrenamtlichen noch einen Vertreter der Gemeinschaft Christlichen Lebens. Aus Berlin kommt zusätzlich Schwester Michaela Bank von den Missionsärztlichen Schwestern, die in einem glaubensfernen Umfeld konkrete Hilfe und Apostolat leisten. Köln ist außer durch Diözesan- und Priesterratsmitglieder durch einen Repräsentanten der Katholischen Jungen Gemeinde vertreten, sowie durch drei Einzelpersönlichkeiten, darunter der Publizist Andreas Püttmann sowie – als Vertreter von Deutschland pro Papa – deren Vorstandsmitglied Bernhard Luthe.

Das Bistum Görlitz entsendet ausschließlich fünf Laien, die mehrfach in Gremien und Verbänden engagiert sind. Das Bistum Speyer wird mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Weihbischof Otto Georgens sowie weiteren sieben Mitgliedern diözesaner Räte und Verbände vertreten sein. Auch aus Münster ist Bischof Felix Genn selbst mit dabei, begleitet durch Weihbischof Wilfried Theising. Außer ihnen wird der Leiter der Seelsorgeabteilung Pater Manfred Kollig, Vertreter der Laien, wie aus der Christlichen Arbeiterjugend, der Katholischen Landfrauenbewegung, dem BDKJ und dem KAB mit von der Partie sein. Die Erzdiözese München und Freising berief außerdem noch eine Ordensfrau, die frühere bayerische Provinzoberin der Armen Schulschwestern, Schwester Salome Strasser wie auch Elisabeth Rutzmoser vom Schönstatt-Familienbund auf regionaler Ebene.

Auch wenn sie selten auf den Diözesanlisten auftauchen, kommen die geistlichen Gemeinschaften nicht zu kurz. Einige von ihnen, die bundesweit gut vertreten sind, können auf eine langjährige Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz zurückblicken oder sind sonst stark etwa beim Katholikentag oder in der Jugendarbeit engagiert. Sie sind deshalb auch eingeladen: So ist etwa die Sprecherin der Fokolar-Bewegung für Deutschland, Renata Simon, ebenso mit dabei wie die Apostolatsbewegung Regnum Christi, vertreten durch Christine Reimer aus der Diözese Regensburg. Die Schönstattbewegung in Deutschland repräsentiert ihr Leiter, Pater Lothar Penners.

Andere wurden auch schon in den Zukunftsforen auf diözesaner Ebene angehört, eine Beteiligungsmöglichkeit gerade für die, die nicht bundesweit stark aufgestellt sind. Oder sie trafen sich bereits am 11. April in Würzburg mit Erzbischof Robert Zollitsch, eine Begegnung, die die Stärkung der geistlichen Gemeinschaften versprach. Dort nahm etwa Jugend 2000 teil, während in deren Deutschland-Kontaktbüro keine Einladung nach Mannheim eintraf. Oftmals sind einzelne geistliche Gemeinschaften deswegen nicht vertreten, da sich mehrere kleine auf einen gemeinsamen Repräsentanten einigen müssten. „Da diese neuen Charismen ja erst dabei sind, sich in der katholischen Kirche zu konsolidieren, ist es sehr schwierig, aus diesem Kreis Vertreter für all diese verschiedenen Charismen zu bestellen“, erklärt Angela Reddemann von der Missionarischen Fraternität Verbum Dei, deren Gemeinschaft nicht nach Mannheim eingeladen ist. Bei den Orden ist dies leichter, da die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) von der DBK wegen der Vertreterauswahl angeschrieben werden konnte. Es werden sowohl kontemplative als auch tätige Ordensgemeinschaften repräsentiert sein, darunter eine Reihe von Oberinnen und Oberen.

Außer dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken wurde als bundesweit relevante Laienvertretung das Forum Deutscher Katholiken eingeladen. Vom 9. bis 11. September findet bereits deren elfter Kongress „Freude am Glauben“ statt. Allerdings durften nur zwei Vertreter kommen. Gerhard Braun vom Vorstand und FDK-Mitglied Gerhard Stumpf nehmen die Einladung wahr. Das Thema Neuevangelisierung ist ihnen ein großes Anliegen: „Diese braucht neben Organisation und der Koordinierung der Kräfte das Gebet und die Opferbereitschaft aller. Das kann geschehen, wenn etwa in den Gottesdiensten ein ständiges Gebet dafür vorgesehen wird, oder auch Formen der eucharistischen Anbetung, die auch die Jugend ansprechen, gepflegt werden“, sagte Professor Hubert Gindert, Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken.

Außen vor blieben aber Vertreter der Petition Pro Ecclesia. In der Antwort auf das Memorandum von 200 katholischen Theologieprofessoren appellierten die Unterzeichner an die Bischöfe, dem von den Theologen gezeichneten „verzerrten Bild von der Kirche“ öffentlich entgegenzutreten und traditionelle Glaubensinhalte und das christliche Bild von Ehe und Familie zu verteidigen. Zudem riefen sie dazu auf, ein deutliches Zeichen für den Erhalt des Zölibat, zu setzen. Sprecher Peter Winnemöller zeigt sich enttäuscht, weil er gegenüber der DBK Bereitschaft signalisiert hatte: „Gerne hätten wir unsere Position, die durch inzwischen mehr als 15.000 Katholiken unterzeichnet wurde, in den kirchlichen Dialogprozess mit eingebracht.“

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation bleibt trotz der Breite des Spektrums der Eingeladenen dennoch eine Lücke: Sie betrifft die Lebensrechtler. Der Bundesverband Lebensrecht, in dem große Lebensrechtsorganisationen wie die ALfA organisiert sind, ist nicht eingeladen, wie der Vorsitzende Martin Lohmann bestätigte. Auch die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben, Mechthild Löhr, bekanntermaßen gut vernetzt, weiß nichts von einem Vertreter, der in Mannheim explizit für ein stärkeres Engagement zum Schutz der Kleinsten, Wehrlosesten und Schwächsten eintreten könnte. Bleibt zu hoffen, dass angesichts der Sorgen wegen PID solche großen gesellschaftlichen Herausforderungen trotzdem noch in die engere Themenauswahl gelangen.

[Erstveröffentlichung: © Die Tagespost, 9. Juli 2011]

 

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