Zulassung der PID – Dammbruch mit schwerwiegenden Folgen

Perfektionierte Produktion von Menschen in der Zukunft

Von Alexandra Maria Linder

ROM, 13. Juli 2011 (Vaticanista).- Im Mittelpunkt der Debatte und Gesetzesentwürfe zum Thema PID im deutschen Bundestag haben Eltern und deren Recht auf möglichst gesunden Nachwuchs gestanden. Die Kinder dagegen, die zu Zigtausenden produziert, auf Qualität getestet und bei Nichtgefallen getötet werden, spielten höchstens eine untergeordnete Rolle. Wer die Debatten verfolgte, konnte feststellen: PID-Befürworter setzten vor allem auf emotionale Betroffenheit und weniger auf logische Argumente. Sie fragten rhetorisch, auf welchen Schultern ein Verbot lasten würde, was man einer Frau sagen solle, die ein taubes und blindes Kind in ihren Armen ersticken sähe. Sie verschwiegen aber, dass das Embryonenschutzgesetz, das weltweit als großes humanes Vorbild galt, geändert und faktisch aufgegeben werden muss.

Foto: ALfA

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Denn an höchstens drei produzierten Embryonen eine PID vorzunehmen, verringert die ohnehin geringen Chancen auf ein Minimum. Genau das aber ist gesetzlich dort verankert, ebenso wie die Aussage, dass ein Embryo nur zu seinem Wohl produziert werden darf, also um geboren zu werden. Auch das hat sich mit der PID erledigt. Ein Kind wird nunmehr auf Probe hergestellt, also vorrangig zum Wohl der Eltern und derjenigen, die mit Produktion und Test Geld verdienen. Von solchen Konflikten mit dem Embryonenschutzgesetz war weder im verabschiedeten Flach/Hintze-Entwurf noch in den Debattenbeiträgen von deren Verfechtern die Rede.

Ebenso wenig zu verwirklichen ist die strenge Reglementierung, die den Politikern vorschwebt. Kann man Eltern das Wissen um ein genetisches Problem eines Kindes verweigern? Nein. Kann man also die Untersuchung der Zellen auf bestimmte genetische Gefährdungen beschränken oder nebenbei gemachte Entdeckungen den Eltern gegenüber verheimlichen? Nein. Kann man Eltern ohne genetische Belastung letztendlich das Recht verweigern, ihre Kinder aus künstlicher Befruchtung untersuchen zu lassen, damit auch sie diese Chance auf ein gesundes Kind bekommen? Nein. Das alles ist aus anderen Staaten bekannt, ebenso wie die Produktion von Rettungskindern (hier werden auch gesunde Embryonen getötet, weil sie bestimmte Eigenschaften zur Rettung eines geborenen Geschwisterkindes nicht aufweisen) und von Kindern mit einem gewünschten Geschlecht.

Haben bestimmte Eltern erst einmal das Recht, ihre Kinder auf Tauglichkeit testen zu lassen, kann man es anderen Eltern nicht verweigern. Denn wenn Eltern zugemutet wird, sich einer teuren, wenig erfolgversprechenden und sehr belastenden In-vitro-Fertilisation zu unterziehen, muss man ihnen auch die größtmögliche Garantie geben, ein gesundes Kind zu bekommen – die Produktion muss folglich auf allen Ebenen perfektioniert werden. Wer kann schon jetzt die Folgen dieses Dammbruchs absehen: Angesichts der zusammenbrechenden Gesundheitssysteme drohen möglicherweise Zwangsmaßnahmen in der Zukunft: Dürfen Eltern mit Mukoviszidose in 20 Jahren vielleicht nur noch Kinder durch künstliche Befruchtung inklusive PID bekommen?

Kinder, die durch PID gesund zur Welt gekommen sind, leben in dem Bewusstsein, nur aufgrund ihres Zustandes erwünscht zu sein. Dabei stellt sich die Frage, was passiert, wenn diese Kinder schwer krank werden oder einen Unfall haben. Kinder, die mit durch PID vermeidbaren Behinderungen und Krankheiten auf die Welt kamen, leben in dem Bewusstsein, eigentlich nicht gewollt zu sein und nur zu leben, weil ihre Eltern es nicht wussten oder nicht haben testen lassen. Eine emotionale Komponente, die in den politischen Debatten durchaus ihre Berechtigung gehabt hätte.

Mit der Bundestagsentscheidung vom 7. Juli hat Deutschland einen hohen ethischen Standard ohne Not und mit schwerwiegenden Folgen aufgegeben.

 

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