„Verstehen, was dem Anderen Schmerzen bereitet“

Begegnung zwischen israelischem Minister und Religionsminister der Palästinenser bei Sant‘ Egidio

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 14. September 2011 (Vaticanista).- Der orthodoxe Rabbiner David Rosen, Träger des Ritterkreuz des päpstlichen Gregoriusordens, hat am Dienstag an Israel und die Palästinenser appelliert, nach jahrzehntelangem Konflikt sich endlich in die Leiden des jeweils Anderen hineinzuversetzen. „Wir dürfen nicht immer dem Anderen die Schuld geben, sondern müssen verstehen, was dem Anderen Schmerzen bereitet“, sagte der ehemalige Oberrabbiner von Irland auf dem Podium zum Thema „Israelis und Palästinenser: Ist Frieden möglich?“ beim Internationalen Friedenstreffen von Sant‘ Egidio. Rosen, Ehrenpräsident des Internationalen Rates für Christen und Juden ist der Gemeinschaft Sant‘ Egidio seit mehr als 20 Jahren im interreligiösen Dialog verbunden. Seiner Erfahrung nach spielten diese Begegnungen zwischen Juden, Muslimen und Christen eine entscheidende Rolle, um dem Frieden eine Chance zu geben. Der Rabbiner war in der Ständigen Bilateralen Kommission zwischen Israel und den Vatikan. Mitglied der Delegation des israelischen Großrabbinats beim Heiligen Stuhl und zugleich im Dialog mit den Muslimen stark engagiert.

Nahost-Podium beim Friedenstreffen; Foto: Koller

Nahost-Podium beim Friedenstreffen; Foto: Koller

Der Nahostexperte des Corriere della Sera, Antonio Ferrari, fasste zuvor den Nahostkonflikt zusammen: „Beide haben recht: Israel hat ein Recht auf Sicherheit und die Palästinenser auf einen Staat in festen Grenzen.“ Die angekündigte Ausrufung eines Palästinenser-Staates, wegen der sich in zwei Wochen beide Seiten vor der UNO treffen würden, werde noch keinen Frieden bringen. „Ich fürchte, es wird erst die nächste Generation sein, die den Frieden erlebt.“

Der griechisch-katholische Erzbischof von Akko, Haifa, Nazareth und ganz Galiläa, Elias Chacour, selbst arabischer Israeli, sagte, die Vergangenheit der palästinensischen Araber habe er extrem schmerzhaft in Erinnerung. Er wolle aber in die Zukunft gehen. Ein friedliches Zusammenleben sei möglich. Erzbischof Elias Chacour steht 76. 000 Melkiten vor, die ihre Gottesdienste im byzantinischen Ritus feiern und den Papst als Oberhaupt anerkennen. Das Dorf, in dem Chacour aufgewachsen ist, wurde bereits kurz nach Gründung des Staates Israel zerstört. Im Gründungsjahr Israels 1948 waren seine Familie und er als Flüchtlinge unterwegs. Diese Erfahrung hat in Chacour keineswegs Hass aufkommen lassen. Auf dem Podium äußerte der melkitische Christ aber deutliche Kritik: „Es wäre mir lieber gewesen, wenn unser israelischer Minister nicht nur von Frieden, sondern vom Problem der Gerechtigkeit gesprochen hätte.“

Daniel Hershkowitz, israelischer Wissenschaftsminister, hatte zuvor betont, dass Frieden für ihn eine Ende des Konflikts bedeute. Er hatte damit auf den Religionsminister der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Al Habash reagiert, der die vollständige Wiederherstellung der Grenzen von 1967 forderte, einschließlich des Osten Jerusalems als palästinensische Hauptstadt.

 

 

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