Italiens Außenminister will weltweit für echte Religionsfreiheit eintreten

Oberrabbiner der Türkei pflichtet ihm bei:

Glaubens- und Gewissensfreiheit wichtige Grundlage des Zusammenlebens

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 14. September 2011 (Vaticanista).- Der italienische Außenminister Franco Frattini will Diktatoren künftig keine Toleranz entgegenbringen, nur um so mehr Sicherheit und Stabilität zu erreichen. „Europa soll ein Modell sein, nicht um dies zu exportieren, sondern um durch die Moralität unseres Handelns zu verstehen zu geben, dass unsere Botschaft eine Botschaft des Vertrauens ist“, sagte der Chef der italienischen Diplomatie am Montag in München beim Internationalen Friedenstreffen von Sant‘ Egidio auf die Frage hin, welche Selbstkritik er hinsichtlich des Zusammenlebens auf internationaler Ebene vorbringen könne.

Podium "Argumente für ein Zusammenleben"; Foto: Koller

Podium "Argumente für ein Zusammenleben"; Foto: Koller

Beim Forum unter dem Motto „Warum zusammen leben? Argumente und Perspektiven“ appellierte er: „Der Mensch sollte wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen.“ Das sei eine Pflicht der Zivilgesellschaft und der religiösen Oberhäupter, aber auch der Politik. Seine Sorge gelte deshalb den religiösen Minderheiten, besonders der christlichen, etwa im Irak, in Nigeria, aber auch in Pakistan. Die Religionsfreiheit sei nicht eine von vielen Freiheiten, sondern im Herzen des Systems der Menschenrechte. Diese dürfe nicht auf die private Sphäre beschränkt bleiben. „Europa muss sein christliche Identität bewahren“, sagte Frattini.

Mit ihm auf dem Podium saß CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, der mahnte, die Menschen in den reichen Ländern sollten ihre Identität positiv bestimmen und nicht durch Abgrenzung. Das Urteil, Religion sei Bestandteil der Problems gewaltsamer Auseinandersetzung sei ungerecht. Trotzdem sei jede Religionsgemeinschaft zu kritischer Selbstreflexion aufgerufen, wenn es in ihrer Kultur zu Gewalt gekommen sei.

Der Erzbischof von Mumbai, Oswald Kardinal Gracias, verwies darauf, dass es auch der Ethnozentrismus und nationalistische Bewegungen weiter zunähmen, während die Globalisierung die Völker einander näher bringe, auch im Wettbewerb. „Koexistenz muss als Potential erkannt werden“, appellierte der Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz. In 194 Nationen weltweit lebten rund 4.000 ethnisch-kulturelle Entitäten. Indien etwa sei sehr multikulturell geprägt. Die Einwohner unterschieden sich etwa in dem, was sie essen oder womit sie sich kleiden. „Trotzdem fühlen wir uns alle als Inder“, sagte er.

Isak Haleve, Oberrabbiner der Türkei, in der der Antisemitismus in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, mahnte: „Wir befassen uns schon mit dem Aufbau des Zusammenlebens, dabei: haben wir noch nicht über die Grundlagen gesprochen.“ Der jeweilige Glaube sei Quelle der Wertvorstellungen. Gesetze müssten auf Moral gründen, sonst seien sie unzulänglich. Ausdrücklich forderte Haleve die Gedanken- und Glaubensfreiheit: „Das bedeutet auch, den Glauben öffentlich leben zu können“, erläuterte er.

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