Mit zweierlei Maß

Kommentar zu einer Gewalttat

Von Alexandra Maria Linder

DÜSSELDORF, 11. Oktober 2011 (Vaticanista).- Die Veranstalter wollten eigentlich nur einen zehnminütigen Aufklärungsfilm zeigen, der darstellt, wie sich ein Kind von der Zeugung bis zur Geburt im Mutterleib entwickelt. (Vaticanista berichtete.) An einem normalen Samstag, auf einem öffentlichen Platz, ordnungsgemäß bei den Behörden angemeldet. Die Veranstalter, der Regionalverband Düsseldorf der Aktion Lebensrecht für Alle, freuten sich auf gute Gespräche und interessante Diskussionen. Doch es kam anders. Eine Truppe von etwa 100 gewaltbereiten „Autonomen“ zerstörte die technischen Aufbauten und kappte die Leitungen. Als endlich die alarmierten Sicherheitskräfte eintrafen, waren die Randalierer schon verschwunden. Den Veranstaltern wurde daraufhin dringend geraten, die Sache abzubrechen. Die Professionalität der Täter ließ sich unschwer nachvollziehen: Im Internet, in diesem Fall vor allem auf Facebook, war auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht worden, verbunden mit der Anstachelung zur Gewalt.

Man stelle sich vor, eine Gruppe von Homosexuellen möchte an derselben Stelle einen kurzen Film darüber zeigen, wie man als Homosexueller lebt, und hierüber aufklären. Der Gegenaufruf zu dieser Absicht nebst angekündigter Randale würde von Rechtsextremisten organisiert. Würden Sicherheitskräfte dann auch raten, die Veranstaltung lieber nicht mehr durchzuführen? Oder würden sie das Recht auf freie Meinungsäußerung der Homosexuellen durch ihre Präsenz und ihren Schutz verteidigen, wie es sich für eine Demokratie gehört? Warum schützten und verteidigten sie dann nicht dasselbe Recht der Lebensrechtler auf diese freie Meinungsäußerung?

Was wäre das für ein öffentlicher Aufschrei, wenn Homosexuelle in der Öffentlichkeit bedrängt würden? Homophobie wäre das allgegenwärtige Stichwort. Alle Zeitungen schrieben darüber und empörten sich über die Diskriminierung der betroffenen Schwulen und Lesben. Die Presse würde vor den Gefahren des wieder aufkeimenden Nazismus in Deutschland warnen. Möglicherweise käme es international zu Reisewarnungen für Homosexuelle in Richtung Deutschland. Und hier? Schweigen. Keine Meldung. Kein öffentliches Bedauern. Praktisch kein Artikel darüber, wie offensichtlich und bedenklich die Demokratie an dieser Stelle versagt hat.

Die Gewalt der linken und sogenannten autonomen Kreise gegen einfach alles, was ihnen nicht passt, ist salonfähig und wird öffentlich häufig noch honoriert, egal, ob man Geländewagen in Brand steckt oder Lebensrechtler platt macht. Berlin ist ein symptomatisches Beispiel: Dort sind diese Truppen am besten organisiert und vernetzt. Stetig gibt es Aufrufe zu Demonstrationen und Gewalt „gegen rechts“, wozu übrigens, wie im Internet auf einschlägigen Foren unschwer nachzulesen ist, jede christliche und jede Lebensrechtsveranstaltung zählt.

Ungestraft darf man dort und auch sonst in der Öffentlichkeit Christen und Lebensrechtler mit Faschisten, Rechtsextremisten oder Nazis gleichsetzen. In Berlin benötigt man seit Jahren mehrere Hundertschaften, um friedliche Veranstaltungen der Lebensrechtler vor der Gewalt der Linken zu schützen, was übrigens deutlich professioneller funktioniert als in Düsseldorf. Organisierte Schlägertruppen und bestellte Demonstranten sorgen immer für die richtige Stimmung und für Gewalt. Dies wäre in der Tat einen Vergleich wert mit früheren Schlägertruppen, zum Beispiel in den dreißiger Jahren.

Gerade Christen und Lebensrechtler sind das absolute Gegenteil von Faschisten oder Rassisten, denn sie treten für das Lebensrecht aller Menschen ein, unabhängig von Hautfarbe, politischer Ansicht oder Religion, übrigens auch für das Lebensrecht von Linken und Autonomen. Das kann man von der anderen Seite nicht gerade sagen. Wer also wäre korrekterweise als intoleranter Extremist zu bezeichnen?

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