Die Bekennerin Amira und das Wunder von München

Kopten in Deutschland halfen Attentatsopfer

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 5. November 2011 (Vaticanista).-Beinah hätte das ägyptische Anschlagsopfer Amira nicht allein seine große Liebe, sondern auch noch ein Bein verloren. Nach erfolgreicher Operation sprach die koptische Christin in der vorigen Woche in München bei der Domspatz-Soirée mit dem langjährigen Pressesprecher von Kirche in Not, Michael Ragg. Vorgestellt wurde sie vom koptisch-orthodoxen Generalbischof Anba Damian, der an dem Abend als Gesprächsgast eingeladen war.

v.l.n.r. Bischof Anba Damian, Koptin Amira, Michael Ragg; Foto: A. v. Mackensen

v.l.n.r. Bischof Anba Damian, Koptin Amira, Michael Ragg; Foto: A. v. Mackensen

„Kommen Sie, ich möchte Ihnen ein Wunder zeigen“, sagte der Bischof. Der ausgestreckte Arm der kräftigen, schwarz gekleideten Eminenz zeigte auf eine junge Frau, die sitzend am rechten Arm rote Gehhilfen festklammerte. Ihr linker Fuß lag in einer roten Schiene. „Amira!“ Sie drehte sich zum Bischof um. Ihre großen dunkelbraunen Augen strahlten in einem rosigen, flächigen Gesicht. „Sie hat das Bombenattentat in der Kirche der Heiligen überlebt“, erklärte Bischof Damian. „Ihr Verlobter wurde dabei aber getötet.“

Die in Deutschland lebenden Kopten waren so von ihrem Schicksal berührt, dass sie alles daran setzten, um Amira eine rettende Operation in München zu ermöglichen. Sie sammelten Geld und organisierten alles für sie und ihre Mutter, die sie begleitete. Die Ärzte, die schließlich ihr Bein retteten, haben sich mit diesem Eingriff im Fach Chirurgie habilitiert. „Aber das, was mir am meisten gefällt, ist der Umstand, dass sie sich ihre Fröhlichkeit bewahrt hat“, sagt Bischof Anba Damian. Amiras Lächeln weicht erst wieder, als sie der Moderator nach ihren Erinnerungen an die Schicksalsnacht befragt. „Wir waren in der Stadt, weil wir vorher unsere Eheringe ausgesucht haben“, berichtet sie. Sie sei so dankbar für ihre Rettung und vorübergehende Aufnahme in Deutschland. Von Zorn und Rache ist nicht die Rede. Der Bischof sagt: „Amira ist eine Bekennerin.“

Bei dem Anschlag auf die Kathedrale in Alexandria in der Nacht zum 1. Januar dieses Jahres waren 24 Kopten getötet und 170 Personen verletzt worden. Augenzeugen des Blutbades hatten sich darüber verwundert gezeigt, dass trotz Gewaltdrohungen bis auf vier Polizisten und einen Vorgesetzten alle Überwachungskräfte unmittelbar vor dem Anschlag von der mit 2.000 Gläubigen besetzten Kirche abgezogen worden waren. Gegen den früheren ägyptischen Innenminister Habib el-Adly wird inzwischen wegen des Verdachts auf Verstrickung in den Terroranschlag ermittelt.

Auffallend war im Anschluss an die Bluttat auch die aggressive Rhetorik regierungsnaher ägyptischer Repräsentanten als Reaktion auf einen Appell aus Rom: Nachdem Papst Benedikt XVI. Anfang Januar mehrfach an die Regierungen islamischer Staaten appelliert hatte, „sich dafür einzusetzen, dass ihre christlichen Mitbürger in Frieden leben können“, zeigt sich die ägyptische Diplomatie entrüstet und wertete den Aufruf die Stellungnahme als Einmischung in innere Angelegenheiten. Zudem wurde der Vorwurf erhoben, der Papst habe zu einem regelrechten Kreuzzug europäischer Mächte aufgerufen. Die Arabische Republik Ägypten rief ihre Botschafterin beim Heiligen Stuhl nach Kairo zu Konsultationen mit dem ägyptischen Außenministerium zurück und wenig später brach die staatliche Universität Al Azhar den Dialog mit dem Vatikan ab.

Der Großscheich der Universität Al-Azhar, Ahmed Al-Tayyeb, der der Regierung Mubarak treu ergeben war, warf dem katholischen Oberhaupt vor, sich nur für die Religionsfreiheit von Christen einzusetzen, und behauptete, hinter dem Anschlag steckten fremde Mächte, wobei er ausdrücklich Israel nannte.

Artikel drucken

Dieser Beitrag wurde unter Religionsfreiheit - Menschenwürde veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.