Ideologie statt Hilfe

Abtreibungsorganisationen benutzen die AIDS-Bekämpfung

Von Alexandra Maria Linder

ACCRA, 2. Dezember 2011 (Vaticanista).- Im Bereich der AIDS-Prävention gibt es zwei grundlegend verschiedene Ansätze. Der erste wird vor allem von der katholischen Kirche konsequent und zum Beispiel in Uganda konsequent verfolgt und erfolgreich umgesetzt. Er legt den Schwerpunkt auf verantwortungsvolle Sexualität. Andere Organisationen setzen nach wie vor fast ausschließlich auf die statistisch nachweisbar schlechtere Alternative: Kondome. So zum Beispiel in Südafrika, wo die Ansteckungszahlen im Gegensatz zu Uganda nach wie vor immens hoch sind und bleiben.

Eine neue Taktik fahren inzwischen einige internationale Organisationen. Beobachter konnten die Vorboten dieses Ansatzes bereits auf einer Aids-Konferenz in Mexiko vor einigen Jahren sehen, als zum ersten Mal eine Allianz von Initiativen zur Familienplanung und AIDS-Bekämpfung erkennbar war. Eine der größten, weltweiten Verfechterorganisationen von künstlicher Verhütung und Abtreibung setzt dies jetzt in Ghana in die Tat um: Marie Stopes International. Die britische Organisation wurde 1921 in London in Form einer ersten „Klinik“ von Stopes gegründet, deren Ideen in denselben eugenischen Vorstellungen wurzeln wie die von Margret Sanger, der Gründerin der International Planned Parenthood Federation (der Muttergesellschaft der deutschen Pro Familia).

Vor allem in den Staaten der sogenannten Dritten Welt ist MSI aktiv. Vorgeblich geht es der Organisation um die Durchsetzung der „reproduktiven Gesundheit“. Dieser Begriff ist mittlerweile zum mehr oder weniger versteckten Tarnwort für den „Zugang zu sicherer und legaler Abtreibung“ geworden. In Ghana kümmert sich Marie Stopes International laut aktueller Kampagnen-Mitteilung um junge Frauen, die in der Hauptstadt Accra als Kayayei arbeiten, als Warenträgerinnen, die ihre Last auf dem Kopf tragen und meistens Migrantinnen sind. Laut MSI sind sie häufig Opfer von Vergewaltigung und Frauenhandel. Den ersten und wichtigsten Kampagnenpunkt formuliert Marie Stopes International so: „Nun helfen wir ihnen beim Zugang zu Bildung, damit sie lernen können, wie man HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten vermeiden kann, und auch dabei, welche Wahlmöglichkeiten sie im Bereich der Familienplanung und reproduktiven Gesundheit haben…“

Als zweiten Punkt nennen sie die Hilfe für diese Frauen nach sexueller Gewalt. In einer Nebenbemerkung erfährt man, dass sie auch mit einer lokalen Organisation zusammenarbeiten, die ein sicheres Haus für diese Frauen anbietet, falls dies notwendig sein sollte. Hier wäre zunächst zu fragen, ob künstliche Verhütung und Abtreibung das ist, was diese jungen, in jeder Beziehung ausgebeuteten Frauen als erstes und unbedingt brauchen. Dem unbedarften Leser könnte in den Sinn kommen, dass man diesen Frauen als Erstes eine sichere, bewachte Unterkunft beschaffen müsste, um sie vor der Ausbeutung zu schützen. Dann würden sich manche Dinge vielleicht erübrigen und das Geld wäre sinnvoll eingesetzt. So aber klingt es zumindest so, als ob die sexuelle Ausbeutung als solches für MSI zweitrangig wäre.

Unabhängig davon ist allgemein bekannt, dass künstliche Verhütungsmittel nicht sicher sind und Kondome nicht dauerhaft vor Aids schützen. Auch hier stellt sich also die Frage, inwieweit MSI Interesse daran hat, den Frauen wirklich zu helfen. Und wie immer versteckt sich hinter der Formulierung „reproduktive Gesundheit“ die Abtreibung und damit verbundene Forderung nach weltweiter Legalisierung.

Diese Art der Prävention zäumt das Pferd von hinten auf. Anstatt die jungen Frauen zu schützen und vor allem beim männlichen Sexualverhalten dieser Region ein Umdenken anzugehen, das die Gleichwertigkeit der Geschlechter, ein gewisses Maß an gesunder sexueller Enthaltsamkeit und Treue fördert und die Lage tatsächlich zum Guten hin ändern könnte, bieten internationale Organisationen künstliche Mittel zur nicht einmal sicheren Verhinderung von Schwangerschaften und Abtreibung an. Das hilft den Frauen nicht.

Warum diese Organisationen trotz sichtbarer und nachweisbarer Erfolglosigkeit in den Staaten, in denen sie zum Teil seit vielen Jahren tätig sind, immer noch Unterstützung für solche Programme bekommen, ist eine Frage, die sich jeder Geldgeber stellen sollte, von Bill Gates bis Hewlett Packard. Wieder einmal könnte man darüber nachdenken, ob es MSI, IPPF, dem Bevölkerungsfonds der UNO und einigen anderen international arbeitenden Organisationen überhaupt um Hilfe geht und nicht eher um die Durchsetzung einer Ideologie.

 

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