Suche nach dem inneren Zusammenhalt des Kosmos

Abt Maximilian Heim zu Gast in der Regensburger Philosophischen Soirée

Von Michaela Koller

REGENSBURG, 8. Dezember 2011 (Vaticanista).- Abt Maximilian Heim vom Zisterzienserstift Heiligenkreuz hat gläubige Menschen zum Dialog mit der Wissenschaft ermuntert. Die wissenschaftliche Vernunft müsse wiederum keine Angst vor dem Glauben haben. „Der christliche Glaube ist nicht ohne Vernunft zu denken“, sagte der 50-jährige Ratzinger-Preisträger am vergangenen Wochenende bei der Philosophischen Soirée in Regensburg zum Thema „Glaube und Vernunft – Der Platz der Theologie in der Universität nach Benedikt XVI.“.

Der Referent gilt als einer der führenden Kenner dessen Ekklesiologie, bezeichnete sich aber selbst als „einfachen Handwerker in der Theologie“ und Seelsorger. Heim lehrte nicht nur an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI., sondern war zeitweise Novizenmeister und später Prior in Heiligenkreuz nahe Wien. Im Februar dieses Jahres folgte er Gregor Henckel-Donnersmarck als Abt nach.

v.r.n.l. Abt Maximilian Heim, Bischof Gerhard Ludwig Müller, Pastoraltheologe Veit Neumann, Förderer Martin Schmack; Foto: S. Ley

v.r.n.l. Abt Maximilian Heim, Bischof Gerhard Ludwig Müller, Pastoraltheologe Veit Neumann, Förderer Martin Schmack; Foto: S. Ley

Das Kernproblem von Fides et Ratio (lateinisch Glaube und Vernunft) sei im Grunde die Frage nach der Wahrheit. Die Christen glaubten, dass sie auch mittels der Ratio eine Gotteserkenntnis haben dürfen. Es ginge gerade auch darum, die Wahrheitsfrage in der Universität der Wissenschaften zu stellen. Dies sei auch ein Grundanliegen Papst Benedikts.

„Wenn Sie seine Apostolischen Reisen betrachten, dann hat er immer auch versucht, Kontakt mit den Professoren aufzunehmen, um zu sagen, dass sie gemeinsam suchen müssten, wie sie den Menschen die Wahrheit näher bringen.“ Umgekehrt sei die monastische Theologie dazu aufgefordert, mit der universitären Lehre in Kontakt zu treten. Der Papst sei davon überzeugt, dass der gelebte Glaube nicht von dem Nachdenken der Theologie getrennt werden solle.

Er selbst sei in Treue zu dieser Weisung des Papstes als Mönch nach Regensburg gekommen, um zu den Versammelten zu sprechen, und somit die monastische Theologie zu vertreten. „Auch wenn derzeit vielfach zum Ungehorsam gegenüber der Kirche aufgerufen wird. Diesen Aufrufen gegenüber sollte man ungehorsam sein“, sagte Heim schmunzelnd.

Eine theologische Fakultät habe gerade deshalb ihren Platz an der Universität, weil in dieser Disziplin seit jeher Glaube und Vernunft aufeinander bezogen werde. „Die Universität ist der Ort, an dem mit der Vernunft nach dem inneren Zusammenhalt des Kosmos gesucht wird.“ Da es der Vernunft und dem Glauben um die Wahrheit gingen, ergänze sich ihr Anliegen gegenseitig.

Gott habe sich dem vernunftbegabten Menschen zu erkennen gegeben. Den christlichen Glauben kennzeichne die Verbindung von griechischem Denken, auch Hellenismus genannt, und dem Heilsgeschehen von Jerusalem. Jegliche Enthellenisierung habe zu einem verengten Vernunftbegriff ohne metaphysische Weite geführt. „Die Begegnung von griechischer Philosophie und Christentum ist etwas, das Gott gewollt hat“, sagte der Abt.

Papst Benedikt sehe drei Wellen der Enthellenisierung: Die erste beginnt durch die reformatorischen Theologen, die ihren Glauben durch die Philosophie einer Fremdbestimmung ausgesetzt sahen. Bei Kant habe dieses Denken einen Höhepunkt gefunden. Er habe dem Glauben einen Zugang zur Wirklichkeit abgesprochen. Eine weitere Welle sei mit dem Namen Adolf von Harnack verbunden, der überzeugt war, Jesus habe den Kult zugunsten der Moral abgelöst.

Die Vernunft bedürfe jedoch ihrerseits stets einer inneren Reinigung, um gefährliche Pathologien zu vermeiden. „Metaphysische Fragen können so nicht aus der Universität hinaus verbannt werden.“ Vielleicht werde Papst Benedikt dazu beitragen, dass eine relativistische Philosophie, die nichts Wahres mehr gelten lasse, in sich zusammenbreche, analog zum Zusammenbruch der totalitären Regime unter seinem Vorgänger, die die objektive Wahrheit des Menschen ignoriert hatten. „Und hier liegt die Chance in der Universität“, hofft Abt Maximilian Heim.

Die Regensburger Philosophische Soirée führt zweimal im Jahr Gäste aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kirche, Gesellschaft und Medien zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion zusammen. Sie ist als Bürgerinitiative im Sommer 2006 unter der Federführung des Pastoraltheologen Veit Neumann entstanden. Bereits wenige Monate vor der Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. stand die Beschäftigung mit dem Thema Glaube und Vernunft fest.

Der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) in Regensburg, Martin Schmack, unterstützt das Symposium. Die Soirée selbst findet derzeit im Kaisersaal am Regensburger Haidplatz statt, wo Kaiser Karl V. während seiner Aufenthalte in der Reichsstadt im 16. Jahrhundert stets Quartier bezog, immer aber in einem der zahlreichen historischen Gebäude der Weltkulturerbe-Stadt. Die Dominikanerin Schwester Lydia la Dous, die habilitierte Astrophysikerin ist, trug zum Beispiel erkenntnisphilosophische Überlegungen zum Werk Galileo Galileis vor, und der Trierer Philosoph Ernst-Wolfgang Orth sprach über die Kulturbedeutung der Religion.

 

 

 

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