Regensburgs romantische Weihnacht Teil 1

Von Domspatzen, Weihnachtsmärkten und einer wahren Geschichte im Zentrum

Von Andreas Breitkopf

REGENSBURG, 24. Dezember 2011 (Vaticanista).- „In Regensburg bin ich wirklich daheim.“ Mit diesen Worten bekannte sich Papst Benedikt XVI. vor seiner Wahl zum Nachfolger Petri zu seiner Wahlheimat. Das ist einer guter Grund, gerade der Anziehungskraft dieser bayerischen Stadt nachzuspüren. Besonders in der Advents- und Weihnachtszeit strömen zahlreiche Touristen in die Stadt, um zum Beispiel die Weihnachtsmärkte im Fürstlichen Schloss Thurn und Taxis oder den Lucrezia-Markt am Haidplatz zu besuchen, die zahlreichen Weihnachtskrippen anzuschauen oder sich durch ein Konzert der weltberühmten Regensburger Domspatzen auf das Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus einzustimmen.

 

Dem Himmel ganz nah: Der Hohe Dom St. Peter in Regensburg; Foto: F. Seizmair

Dem Himmel ganz nah: Der Hohe Dom St. Peter in Regensburg; Foto: F. Seizmair

Die im Krieg völlig unzerstört gebliebene Altstadt gilt als „Mittelalterliches Wunder“ und wurde 2006 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt: Höhepunkte sind der Hohe Dom St. Peter, der Steinernen Brücke und der Basilika „Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle“. Sehenswert ist auch der Romantische Weihnachtsmarkt mit traditionellem Handwerkstreiben auf Schloss Thurn und Taxis. Dieser Weihnachtsmarkt zählt inzwischen längst zu den schönsten Weihnachtsmärkten der Welt.

Immer am Donnerstag vor dem 1. Adventssonntag eröffnet Fürstin Gloria von Thurn und Taxis den Christkindlmarkt vor der malerischen Kulisse des Fürstlichen Schlosses St. Emmeram, des Stammsitzes der Thurn und Taxis Dynastie. Es ist sogar größer als der Buckingham Palace in London und bietet mit seinem weitläufigen Park und Innenhof, und seiner prächtigen Architektur eine einzigartige Atmosphäre. Im Schutze der imposanten Schlossfassade erstrahlt der Innenhof durch Tausende von Lichtern, Kerzen, Laternen und Fackeln in einem weichen, stimmungsvollen Licht. Inmitten des eigens errichteten Dorfes aus weihnachtlich dekorierten Holzhäuschen ragt alljährlich ein mächtiger, üppig geschmückter Weihnachtsbaum hervor. Es kommt auch immer wieder, besonders am Tag der Eröffnung des Christkindlmarktes vor, dass sich die Hausherrin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis zusammen mit ihren Kindern unter die Gäste mischt.

Foto: F. Seizmair

Foto: F. Seizmair

Beim bunten Markttreiben können Auswärtige mittelalterlich-bayerische Schmankerl kennenlernen, von denen selbst Bayern sonst selten essen, wie „Wildschwein vom Spieß“ oder „Altoberpfälzer Weihnachtszwiebel“. Traditionelle Handwerker – vom Drechsler und Schmied bis hin zum Kerzenzieher, Krippenbauer, Wollefilzer, Glasbläser, Korbflechter, Töpfer oder Bürsten- und Besenbinder – produzieren hier ihre Waren und Unikate und verkaufen sie vor Ort.

Foto: M. Koller

Foto: M. Koller

An den offenen Feuerstellen sitzen Besucher um auszuruhen. An jedem Abend wird beispielsweise ein großer Kessel Feuerzangenbowle nach geheimer Rezeptur gebraut. Und Glühwein ist nicht Glühwein: Hier trägt der gewürzte Wein Namen wie „Feuerkelch“, „Blaublut“, „Feenzauber“ oder „Prinzentrunk“. Orchester, Chöre und Ensembles sorgen täglich für das kulturelle Rahmenprogramm. Am Ende eines jeden Markttages erklingt dann vom Schlossbalkon aus der Weihnachtsklassiker „Stille Nacht“ als ein live-vorgetragenes Trompetensolo mit anschließender Schlussfanfare.

Natürlich darf auch das wesentlichste bei einem Christkindlmarkt nicht fehlen: Regelmäßig stattet das „Christkind“ dem „Romantischen Weihnachtsmarkt“ Besuche ab und trägt heiter-besinnliche Gedichte vor. Die Bewerberinnen müssen ein Foto- und Videocasting durchlaufen und danach entscheiden die Leser der Mittelbayerischen Zeitung, wer als Christkind auftreten darf. Die Voraussetzungen für dieses Casting sind: Die Mädchen müssen zwischen 16 und 22 Jahre alt sein, sprachsicher, ausdrucksstark, anmutig und blond sein.

Neben dem Romantischen Weihnachtsmarkt mit traditionellem Handwerkstreiben findet auch noch der Weihnachtsmarkt der Regensburger Kunsthandwerker statt. Der Lucrezia-Markt, wie er genannt wird, öffnet seine Pforten im Herzen der Altstadt, auf Haidplatz und Kohlenmarkt und bietet Silber, Gold, Edelsteine, Kunsthandwerk aus Ton, Glas, Holz, Metall, Papier, Leder und Wachs, Skulpturen, Ikonen und Musikinstrumente.

Seinen Namen bekam er von der heiligen Lucia, die 286 in Sizilien geboren wurde und 304 als Märtyrerin für den christlichen Glauben starb. Sie verschenkte all ihre Reichtümer, all ihr Hab und Gut an die Armen. Sie trug einen Kranz mit Kerzen auf dem Haupt, damit sie die Hände für ihre Gaben frei hatte und trotzdem den Weg in der Dunkelheit finden konnte. Auf sie gehen daher alle Lucrezia-Bräuche zurück. Sie war also eine jungfräuliche Märtyrerin in Syrakus zur Zeit der Verfolgung unter Kaiser Diokletian 303, deren Grablege in der Luziakatakombe zu Syrakus wiederentdeckt wurde.

Zu den adventlichen Bräuchen und Traditionen in Regensburg gehören nicht nur die Weihnachtsmärkte, sondern auch die musikalischen Darbietungen, die auf die Geburt des Erlösers der Welt einstimmen wollen. Dabei ist das Weihnachtskonzert der Regensburger Domspatzen nun schon zu einer festen Tradition geworden.

Die Regensburger Domspatzen, jahrzehntelang geleitet vom Bruder des Papstes, Prälat Georg Ratzinger, stimmen im Audimax der Universität Regensburg fünfmal mit ihrem traditionellen Weihnachtskonzert ein und fünfmal heißt es für die, die nicht schnell genug nach Karten gefragt haben: „Ausverkauft“. Beinahe schon als „Pflichtprogramm“ zu bezeichnende Werke wie beispielsweise Bachs „Vom Himmel hoch“, „Es wird scho glei dumpa“ oder die „Fröhliche Weihnacht“ wechseln sich angenehm mit neueren oder unbekannteren Stücken ab, tiefe Lagen mischen sich dabei mit hellen Sopranstimmen.

Domkapellmeister Roland Büchner, der Leiter des weltberühmten Knabenchores, stellt jedes Jahr ein höchst hinsichtlich des Musikstils abwechslungsreiches Programm zusammen. Der Gesangsvortrag der 90 Sänger ist berühmt für den dichten, transparenten Klang bei homogener, stimmlicher Geschlossenheit, eine klare Diktion und eine kluge Artikulation. Des Weiteren ist als Stärke des Chores noch der Wille und der Drang zu nennen, zur Ehre Gottes und zur Verherrlichung seines Namens zu singen, gemäß dem Ausspruch des Heiligen Augustinus: „Wer singt, betet doppelt“.

Was wäre aber all die vorweihnachtliche Zeit, die Musik und die Weihnachtsmärkte ohne die Besinnung auf das Geschehen der Heiligen Nacht: Jesus Christus, der Sohn der Jungfrau Maria, wird als Kind im Stall zu Betlehem geboren. Dieser Erinnerungscharakter und diese Hinwendung zu Christus wird bei der nächsten adventlichen Tradition deutlich, nämlich den Christkindlandachten in der Karmeliterkirche St. Josef zu Regensburg.

Die Christkindlandachten wurden 1697 vom „allergnädigsten Prinz von Lobkowitz“ für die Karmeliterkirche St. Josef gestiftet. Sie sind die bekannteste adventliche Tradition in Regensburg. Vom 16. bis 24. Dezember werden diese täglich um 16:30 Uhr von verschiedenen Geistlichen gefeiert und von unterschiedlichen Chören gestaltet. Am Nachmittag des 24. Dezember steht der Diözesanbischof persönlich der Christkindlandacht vor. Am letzten Tag der Novene, am Heiligen Abend, wird das Christkind in einem feierlichen Zug zum Hochaltar getragen. Dabei erklingt ein eigens dafür komponierter Christkindlmarsch. Im Mittelpunkt dieser Novene, der neun Tage, an denen die Christkindlandachten gefeiert werden, steht das Gnadenbild des Prager Jesulein.

Ende Teil 1. Teil 2 erscheint am Sonntag.

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