Regensburgs romantische Weihnacht Teil 2

Krippenkultur in der Heimat des Papst Benedikts XVI.

Von Andreas Breitkopf

REGENSBURG, 25. Dezember 2011 (Vaticanista).- Ein Blick in die Geschichte gibt interessante Einblicke in die Kind-Jesu-Verehrung: Sie besitzt in der katholischen Kirche eine tausendjährige Tradition. Die individuelle Nachahmung des Kindes Jesu begann im 14. Jahrhundert. Es hält meist verschiedene Objekte in der Hand: Mit der rechten Hand macht es meistens eine Segensgeste und in der linken Hand hält es zum Beispiel ein Vögelchen, einen Apfel, ein Buch, ein Kreuz oder eine Weintraube, die in Anspielung auf Johannesevangelium 15,1-11 Hinweis auf die Eucharistie ist. Im Mittelalter wurden die Figuren meist aus Holz geschnitzt. In der Barockzeit hingegen sind sie aus verschiedenen Materialien hergestellt worden: Wachs, Elfenbein und Bronze dienten zum Beispiel zur Herstellung. Ebenfalls in der Barockzeit wurden die gnadenreichen Statuen in den Werkstätten auch angekleidet.

Die Verehrung des Jesuleins setzte sich dann auch noch weiter über die Jahrhunderte fort: Im 19. Jahrhundert reichte die Verehrung sogar bis in die spanisch-sprechenden Länder von Südamerika und bis nach Italien. Und nicht nur dorthin: Auch viele weitentfernte, asiatische Länder danken dem Kinde Jesu für Wunder, wie beispielsweise die Philippinen, China und Vietnam.

Nun stellt sich, nach dem kurzen geschichtlichen Abriss, die Frage: Wie sah die Statue überhaupt aus? Die Wachsfigur ist 47 cm groß. Die Skulptur hat wahrscheinlich einen hölzernen Kern, der mit Stoff belegt ist, welches durch das Wachs sichtbar ist. Das Jesulein trägt ein weißes Hemdchen, darüber ein Hemd mit Spitzen am unteren Teil und ein seidenes Jäckchen mit Spitzenkräuseln um den Hals und die Händchen. Am Kopf trägt es eine von mehreren Kronen. Insgesamt hat das Jesulein eine Garderobe von über 70 geschenkten Kleidchen.

Was wäre aber ein Weihnachtsfest ohne die Krippe, mit Hilfe derer wir uns erinnern an das Geschehen in Bethlehem. Die Stadt Regensburg bietet auch hierfür zahlreiche Möglichkeiten, Krippen, eine schöner als die andere, zu betrachten. Die erste bewundernswerte Krippe ist die Jahreskrippe in der Kirche St. Emmeram. Die Basilika St. Emmeram besitzt die historisch wohl bedeutendste Krippe Regensburgs. Der heute noch erhaltene Krippenfundus umfasst rund 140 Figuren mit unterschiedlicher Herkunft, zudem etliche, größtenteils hervorragend ausgearbeitete Tierplastiken. Einzelne Figuren der Emmeramer Krippe sind der Barockzeit zuzuordnen, so z.B. Höflinge oder ein Kamel.

Ein weiterer überaus bedeutender und künstlerisch hochwertiger Anteil des Figurenfundus ist dem Oberammergauer Schnitzer Anton Schauer zuzuordnen, so einige Aktfiguren, eine Kreuzigungsgruppe und ein Hirte, der ein Schaf auf seinen Schultern trägt.

Viele bekannte Regensburger Krippenbauer bemühten sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts um die Betreuung und fortschreitende künstlerische Aufwertung der Krippe, die auch heute noch als Jahreskrippe besichtigt werden kann. Die erste Darstellung war „Johannes der Täufer“ im Jahre 1911. Ursprünglich in der Krypta aufbewahrt, wurde die Aufstellung 1914 in die Rupertkirche der Basilika weiterverlagert. Später erhielt sie ihren jetzigen Platz am südlichen Emporenaufgang, wo sie als Bühnenkrippe präsentiert wird.

Weihnachtsbaum im Innenhof von Schloss St. Emmeram; Foto: F. Seizmair

Weihnachtsbaum im Innenhof von Schloss St. Emmeram; Foto: F. Seizmair

Emmeramer Tradition ist zudem die Aufstellung einer Verkündigungsgruppe in der Adventszeit: Die knapp 50 Zentimeter großen polychrom gefassten Figuren schuf der Thurn- und Tax’sche Hofbildhauer Simon Sorg (1719-1792). Die Komposition aus Maria, dem Verkündigungsengel und dem Heiligen Geist ist ähnlich den Krippenaltären der Jesuiten konzipiert und stellt aufgrund ihrer ausdrucksstarken Gestik einen weiteren Anziehungspunkt der Basilika St. Emmeram dar.

Eine zweite durchaus zu erwähnende Krippe in der Stadt Regensburg steht im Hohen Dom St. Peter. Seit Weihnachten 2008 ist im prägnantesten sakralen Gebäude Regensburgs eine neue Krippe zu bewundern: Eine spätbarocke Komposition aus Heiliger Familie und den Heiligen Drei Königen ist im gotischen Baldachin des Ursula-Altares untergebracht und passend in die Domarchitektur integriert. Die Figuren wirken durch ihre Größe von ungefähr einem Meter sowie ihre höfisch-elegante und ausdrucksstarke Gestik. Um diese besondere Aufstellungsart zu komplettieren, fertigte Franz Karl aus Alburg nach einem barocken Vorbild den Stern an, der hoch über der Figurengruppe schwebt und dessen Aufhängevorrichtung durch die genau bedachte Beleuchtung nicht erkennbar ist. Der strengen Liturgie des Domes entsprechend ist die Krippe leider nur vom 24. Dezember bis Epiphanie (6. Januar) zu bewundern.

Weitere bewundernswerte Krippen in Regensburg sind beispielsweise die Jahreskrippe in der Karmeliterkirche St. Josef, die Krippe in der Neupfarrkirche (dies ist die evangelische Pfarrgemeinde in Regensburg, die Kirche steht genau auf dem Neupfarrplatz, dem zentralen Platz in der Altstadt), oder die Krippe der Kirche von St. Andreas/St. Mang, ganz in der Nähe der Regensburger Hochschule für Kirchenmusik gelegen.

Nach diesem weiten Blick über die Bräuche und Traditionen in der Stadt Regensburg soll Papst Benedikt XVI. mit seinen weihnachtlichen Wünschen dieses Jahres beim Segen Urbi et Orbi nochmals zu Wort kommen: „Liebe Brüder und Schwestern, richten wir unseren Blick auf die Grotte von Bethlehem: Das Kind, das wir betrachten, ist unser Heil! Er hat der Welt eine allumfassende Botschaft der Versöhnung und des Friedens gebracht. Öffnen wir ihm unser Herz, nehmen wir ihn in unser Leben auf. “

Ende Teil 2. Teil 1 erschien am Samstag.

 

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