„Smiling five“ wird Kardinal

Zur Kardinalserhebung von Karl Josef Becker SJ

Von Pfarrer Theo Hipp

ROM, 7. Januar 2012 (Vaticanista/kath.de).- Pater Karl Josef Becker SJ, emeritierter Dogmatik-Professor, wird von Papst Benedikt XVI. zur Kardinalswürde erhoben werden. Der bislang weitgehend Unbekannte suchte nicht die Öffentlichkeit. Er wird damit geehrt für sein theologisches Lebenswerk, wie dies bei einigen anderen seiner Ordensbrüder der Fall war, so Avery Dulles, Alois Grillmeier und Henry de Lubac.

Während die letztgenannten literarisch-theologische Werke beachtlichen Umfangs hinterließen, ist das literarische Erbe Pater Beckers recht überschaubar. Etwa drei Jahrzehnte lang dozierte der Dogmatik-Professor den Gnadentraktat an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Man darf vermuten, dass der gebürtige Kölner auch durch diese Ehrung nicht aus der Fassung geraten wird. Nicht nur, weil er als Jesuit versprochen hat, niemals nach kirchlichen Ämtern und Ehrungen zu streben. Die Gründe gehen tiefer.

Pater Becker ist ein Mann der vornehmen Fassung. Als Professor war er immer freundlich, klar in seinen Aussagen und Antworten, stets mit einem offenen Ohr für Studenten, hart aber fair als Prüfer. Seine Fassung verlor er auch nicht ob des eigenartigen Brauchs, den manche Studenten des Nordamerikanischen Kollegs in Rom pflegten. Vor der Prüfung bei Pater Becker besuchten sie das Grab von Papst Clemens XIV. in der Zwölf-Apostel-Kirche, unweit der Gregoriana. Der Franziskaner-Pontifex hob 1773 den Jesuitenorden auf und gab damit dem Drängen des französischen, spanischen und portugiesischen Königs nach. Der gegenüber den Jesuiten gnadenlose Papst sollte seine Fürsprache am himmlischen Thron geltend machen und bei der Prüfung über das Gnadentraktat bei Pater Becker eine besondere Gnade vermitteln, die helfe, die gefürchtete Prüfung zu bestehen.

Pater Becker verlor auch als Prüfer seine Fassung nicht, wenn ihm Studenten in der Prüfung einen gnadenlosen Unsinn erzählten. Freundlich und gefasst verabschiedete er den Prüfling, wünschte ihm Erfolg und Gutes und weckte so durchaus Hoffnungen, dass das Examen bestanden sein könnte. Diese Hoffnung konnte sich aber als gnadenlos trügerisch erweisen und entsprechend groß war die Enttäuschung, wenn auf dem Prüfungsschein die Note „Fünf“ erschien mit dem Vermerk: Nicht bestanden. Die Noten „zehn“ bis „sechs“ bedeuteten „Prüfung bestanden“.

Diese ihm eigene gnadenlose und konsequente Freundlichkeit trug ihm das Attribut „smiling five“ ein. Wenn normalerweise bei einem Professor der Fall war, dass man an der Art und Weise des Grußes nach der Prüfung Rückschlüsse auf deren Verlauf ziehen konnte, so war dies bei Pater Becker nicht der Fall. „Smiling five“ behielt immer die Fassung.

Er war Mitglied in der vatikanischen Kommission, die mit den Pius-Brüdern die Verhandlungen führte. Diese waren optimistisch während der Verhandlungen, danach brauchten sie eine ganze Weile, bis sie verstanden, was in der lehrmäßigen Erklärung wirklich stand und wie sie zu deuten sei. Schließlich weiß bislang niemand genau, was sie dem Vatikan für eine Antwort gegeben haben. Das spricht dafür, dass Pater Karl Josef Becker auch in diesen Verhandlungen seine Fassung bewahrt, die er schon als Professor hatte und dass dies von Papst Benedikt XVI. geschätzt wird: Smiling five.

[Erstveröffentlichung: © kath.de, 6. Januar 2012]

 

 

 

Theo Hipp

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