Berliner Gericht erlaubt Schmähung von Katholiken

Von Felizitas Küble

BERLIN, 14. Februar 2012 (Vaticanista).- Wie der “Atheist Media Blog” berichtet, darf die katholische Kirche laut Gerichtsbeschluß des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten als “Kinderficker-Sekte” beleidigt werden. Katholische Christen sind demzufolge Mitglieder einer Kinderficker-Sekte.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte nach entsprechender Schmähkritik Anklage gegen Jörg Kantel, den Betreiber der Webseite “Schockwellenreiter”, erhoben. Dabei berief sich die Staatsanwaltschaft auf Paragraph 166 des Strafgesetzbuches, der sich gegen Religionsbeschimpfung richtet. Doch die Richterin verweigerte die Eröffnung eines Hauptverfahrens. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht begründete den De-facto-Freispruch damit, es gäbe “in der Tat heftige Diskussionen in der Öffentlichkeit zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche”. Der Gerichtsentscheid sei “bedingt durch die in den letzten beiden Jahren bekannt gewordenen, zahlreichen Fälle von Mißbrauchshandlungen von katholischen Geistlichen und anderen Mitarbeitern der katholischen Kirche.”

Daher sei der Ausdruck “Kinderficker-Sekte” nicht geeignet, den “öffentlichen Frieden zu stören”, verkündete die Richterin – und insoweit gäbe es auch keinen Straftatbestand nach Paragraph 166. Die Staatsanwaltschaft kann bis eine Woche nach der Beschlussfassung noch Einspruch dagegen erheben.

Der Betreiber der Webseite ‘Schockwellenreiter’ hatte unter dem Titel “Neues vom Ayatollah aus Köln” am 29.Juni vorigen Jahres Folgendes veröffentlicht: „Das Kölner Oberhaupt der Kinderficker-Sekte hat sich mal wieder zu Wort gemeldet: Kardinal Joachim Meisner hat die Abtreibung als ‚täglichen Super-GAU‘ verurteilt.”

Vor der Anklage der Staatsanwaltschaft gab es einen Briefwechsel zwischen Kantel und dem Berliner Polizeipräsidenten, der ihn über den Vorwurf, Religionsgemeinschaften beleidigt zu haben, informierte. Kantel veröffentlichte diesen Brief und behauptete sodann, er habe keine Religionsgemeinschaft beleidigt, weil Religionen ohnehin “eine Beleidigung jeglichen gesunden Menschenverstandes” seien.

Es gibt allerdings auch unter Atheisten und Kirchenfernen anständige Leute. Schon vor dem jetzigen Gerichtsbeschluß kritisierten glaubensfremde, atheistische Blogger, die auf gute Sitten, Toleranz und Fairneß Wert legen, diese massive Beleidigung der katholischen Kirche, darunter der Betreiber des Weblogs „Rock’n Roll“, der bereits am 17. November unter dem Titel “Kinderficker-Sekte ist ein böses Wort” Folgendes klarstellte:

“Wie kann ein gebildeter Mensch sich solcher Stammtischparolen bedienen, alle Mitglieder der katholischen Kirche unter Generalverdacht stellen und so primitiv seine Abneigung gegenüber der katholischen Kirche zum Ausdruck bringen?“, fragt der Blogger. Kantel berufe sich auf Meinungs -und Pressefreiheit. „Schön und gut – doch auch wenn ich meine Meinung frei vertrete, muss ich die Rechte der Anderen achten, die allgemein bekannten guten Sitten einhalten und darf nicht beleidigen. Und mit Pressefreiheit hat solch ein Ausdruck in meinen Augen nichts zu tun, höchstens mit schlechtem Benehmen. Ich selber halte von Glaubensgemeinschaften überhaupt nichts, schon gar nicht von den christlichen.“ Weiter heißt es dort: „Auch wenn man selber kein gläubiger Mensch ist (so wie ich), sollte man trotzdem die respektieren, die an irgendeinen Gott glauben und die Kirche anerkennen.“

 

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