Repressalien vor Papstbesuch verschleiert

Bewohner aus Häusern vertrieben – Regimekritiker gewaltsam inhaftiert

EL COBRE/FRANKFURT, 14. Februar 2012 (Vaticanista/IGFM).- Die kubanische Regierung versucht, vor dem für März 2012 geplanten Papstbesuch die offensichtlichen Probleme und Missstände im Land zu verschleiern. In der ostkubanischen Stadt El Cobre (Provinz Santiago de Cuba), die ein Ziel des anstehenden Papstbesuches sein soll, errichtete die kubanische Polizei Straßensperren und installierte Videokameras, um die Aktivitäten der Bewohner besser überwachen zu können. Einige Anwohner, deren Häuser direkt an der Straße stehen, durch die der Papst ziehen wird, wurden gewaltsam zum Verlassen ihrer Häuser genötigt, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte am Dienstag meldete.

Der Frankfurter Menschenrechtsorganisation zufolge gab es am vergangenen Wochenende erneut gewaltsame Verhaftungen von Menschen- und Bürgerrechtsaktivisten. Drei Mitglieder der oppositionellen Organisation UNPACU und mindestens sieben Mitglieder der Gefangenenhilfsorganisation „Damen in Weiß“ wurden festgenommen. Die IGFM kritisiert die erneuten Angriffe. „Im Vorfeld des Papstbesuches reagieren die kubanischen Behörden zunehmend nervös auf die Protestkundgebungen“, sagte ein Sprecher. „Glücklicherweise lassen sich die Regimekritiker davon nicht abschrecken.“ Dass diesen Sonntag 42 Mitglieder der „Damen in Weiß“ die Messe in der Wallfahrtskirche El Cobre besuchten und danach wie üblich einen Protestmarsch veranstalteten, zeige, dass Repressalien der falsche Weg seien, mit Kritik umzugehen. Außerdem sind in ganz Palma Soriano regimekritische Plakate aufgetaucht, was die Ängste des Castro-Regimes vor Protesten noch verstärke.

Wie die IGFM weiter berichtet, wurde am vergangenen Sonntag Caridad Caballero Batista, Mitglied der Gefangenenhilfsorganisation „Damen in Weiß“, gemeinsam mit ihrem Ehemann Esteban Sande in Holuín von einem Polizisten in einen Streifenwagen gezerrt und weggebracht. In der in Zentralkuba gelegenen Stadt Placetas wurden vier Anhängerinnen der Vereinigung verhaftet, als sie die Sonntagsmesse besuchen wollten. In der westkubanischen Provinz Pinar del Rio hinderte die kubanische Polizei einige „Damen in Weiß“ daran, ihre Häuser zu verlassen und die Messe zu besuchen. Am selben Tag wurden Mitglieder der UNPACU – Ruben Torres, Julio Cesar Salazar, und Yuselin Ferrer Espinosa – in Palmarito de Cauto verhaftet, weil sie gegen die andauernden Übergriffe der Sicherheitsbehörden auf die „Damen in Weiß“ protestierten.

In der vergangenen Woche trafen sich über ein Dutzend UNPACU-Mitglieder im Haus von „Damen in Weiß“-Aktivistin Mayelín The O Montero, um gemeinsam das Grab des Regimekritikers Wilman Villar Mendoza zu besuchen, der im Zuge seines über 50 Tage andauernden Hungerstreiks verstorben war. Videoaufnahmen hielten fest, wie Mayelín The O Montero verhaftet und von drei Männern brutal in einen Bus gezerrt wurde. Den Dissidenten wurde von der kubanischen Polizei der Zutritt zu dem Friedhof verweigert.

 

 

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