Ägyptische Frauen fordern mehr politische Beteiligung

Offene Proteste für Gleichberechtigung trotz Islamisten-Parlament

KAIRO, FRANKFURT, 8. März 2012 (Vaticanista).- An diesem Donnerstagnachmittag findet in Kairo anlässlich des Weltfrauentags ein Protestmarsch für mehr politische Beteiligung von ägyptischen Frauen statt. Der Protestmarsch endet vor dem ägyptischen Parlament, wo eine Vorschlagsliste für die Verfassungsgebende Versammlung mit 100 Namen von Vertreterinnen des öffentlichen Lebens an führende Parlamentarier übergeben werden soll. Damit fordern die Veranstalter eine angemessene Repräsentation der Frauen in Ägyptens verfassungsgebendem Rat und die Garantie der Gleichstellung der Frau in der neuen Verfassung.

Organisiert wird der Protestzug unter anderem von Ausschüssen politischer Parteien und Nichtregierungsorganisationen, darunter die „Ägyptische Frauenunion“ von Ägyptens wohl bekanntester Frauenrechtlerin, Nawal al-Saadawi. Unter den 100 genannten prominenten Frauen, von denen einige nach dem Willen der Demonstranten in den Verfassungsgebenden Rat einziehen sollen, befinden sich Akademikerinnen, Menschenrechtsaktivistinnen, Gewerkschafterinnen und Künstlerinnen, meldet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt (IGFM).

Die IGFM unterstreicht, dass ägyptische Frauen im vergangenen Jahr kaum politische Anerkennung erringen konnten, obwohl sie maßgeblich an der Revolution beteiligt waren und ihre Teilnahme an Protesten oft mit einem hohen Preis bezahlten. So genannte „Jungfrauen-Tests“ in Militärgefängnissen, die nichts anderes sind als Vergewaltigung, oder sexuelle Belästigung durch das Militär auf offener Straße sind nur die Spitze des Eisbergs.

Die Abschaffung der im vorletzten Jahr unter Mubarak eingeführten Frauenquote im Parlament hat die Marginalisierung der Frau in Ägypten weiter verstärkt, kritisiert die IGFM. Die Befürchtung, dass Frauen in der Verfassungsgebenden Versammlung ebenso unterrepräsentiert sein werden, wie im Parlament, sei daher mehr als nur gerechtfertigt. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM, fordert daher den Obersten Militärrat dringend dazu auf, geeignete Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Gleichberechtigung von Frauen in der ägyptischen Gesellschaft nicht noch weiter unter dem Mantel der Religion zurückgedrängt wird.

Diskriminierende Aussagen islamistischer Parteien, die bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr gemeinsam rund drei Viertel aller Stimmen in der Volksversammlung, dem ägyptischen Unterhaus, erzielen konnten, nährten die Sorge um die Zukunft der rechtlichen Stellung von Frauen. So weigerte sich etwa die ultra-fundamentalistische Nour-Partei der Salafisten, die Gesichter ihrer weiblichen Kandidatinnen auf Wahlplakaten zu zeigen mit der Begründung, dass der Islam angeblich die politische Partizipation von Frauen verbiete.

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