Das Papstfoto ganz oben im Koffer

Prominente Glaubensbekenntnisse aus Benedikts Heimat vorgestellt

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 16. März 2012 (Vaticanista).- Umzingelt von einer Phalanx von Fotografen hat am Donnerstagabend Papst Benedikts engster Mitarbeiter, Prälat Georg Gänswein, in München ein erstes Geschenk zum 85. Geburtstag des Pontifex im April präsentiert: „Benedikt XVI. – Prominente über den Papst“ heißt der Sammelband mit 20 Essays, den der kleine katholische Verlag Media Maria aus Illertissen im Allgäu dem Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken zum Festtag widmet. „Ich möchte mit dem Gruß des Heiligen Vaters anfangen“, ertönte nach dem Blitzlichtgewitter erstmals die Stimme des römischen Gastes. „Wenn Sie nach München kommen, grüßen Sie alle, die ich kenne und die mich kennen“, habe ihm der Papst aufgetragen.

Selbst in dem altehrwürdigen Presseclub der bayerischen Landeshauptstadt findet sich selten soviel Weltkirche und Prominenz auf einmal ein. Der Co-Autor, der das Opus mit präsentierte, war der ehemalige Ministerpräsident der Papstheimat, Edmund Stoiber. Schweigend unter den Zuhörern saß der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler. Mit lebhafter Mimik folgte er den Zitaten aus seinem Glückwunsch-Beitrag, in dem der Protestant das katholische Oberhaupt zu seinem persönlichen Kirchenvater erklärt. Vielleicht wird an diesem Abend Verlagsleiterin Gisela Geirhos erst aufgegangen sein, in welche Liga sie sich katapultierte, als sie die Exklusivrechte für den Vorabdruck von Passagen aus dem Band an das Klatsch-Magazin „Bunte“ vergab.

Dabei hat sie nur eine einfache Mission: „Die Rede des Papstes vor dem Bundestag war von wenigen Abgeordneten boykottiert worden. Dieser negativen Demonstration wollten wir ein positives Zeichen entgegensetzen.“ Mit entwaffnender Ehrlichkeit räumte sie ein, dass es sogar anfangs schwierig war, berühmte Gratulanten zu finden. Viele hätten abgewunken, wenn sie denn überhaupt geantwortet haben. Gerade aus dem Bereich des Fernsehens, so glaubt sie, zögerten die Protagonisten sich zu ihrem Glauben zu bekennen.

Als einzige Vorgabe des Verlags für die Autoren sei es gewesen, dem im nächsten Monat 85-Jährigen einen Vorschuss an Sympathie entgegenzubringen. „Das ist keine Auftragsarbeit“, pflichtete Papstsekretär Gänswein bei, der als Herausgeber des Buchs fungiert. Es sollte keine „positive Musik“ aus Deutschland bestellt werden. „Ich wollte mich aktiv beteiligen und das ist die Frucht“, fuhr er fort. Ihm ging es darum, „großen Lügen und Verzeichnungen“, falschen Bildern unbelegten Behauptungen über diesen Papst entgegen zu treten. Manche Schlagzeilen und Inhalte seien so verletzend, dass sie dem Heiligen Vater „das Herz schwer machen“, sagt er. Oftmals glaube er bei der Lektüre von Schlagzeilen und Artikeln, „im falschen Film“ zu sitzen. Darum sei er nun gekommen, „Zeugnis abzulegen“.

Als Menschen kennzeichne Benedikt XVI. Sanftmut und eine entwaffnende Milde. „Das ist eine Milde, die härter ist als harter Marmor.“ Scharfe Kritik beim Ratzinger-Papst bedeute schon, vorzuschlagen, etwas künftig so oder so zu machen. Dem ungläubigen Moderator und langjährigen Presseclub-Präsidenten Norbert Matern sagte er, ihn dabei breit anlächelnd: „Ich lade Sie ein, diese Erfahrung auch zu machen.“ Und da kommt der sonst diskrete Privatsekretär ins Plaudern: Nach seiner Wahl zum Nachfolger Petri habe sich der Papst beinah von einem langgehegten Wunsch verabschiedet – ein Buch über den Herrn Jesus Christus zu verfassen. „Wahrscheinlich ist der Traum ausgeträumt“, habe sein Chef gedacht. „Der Papst ist jemand, der sich frei schreibt“, verriet er auf die Frage, wie sich Benedikt neben der Verantwortung für die Weltkirche mit seinen Jesus-Bänden noch als theologischer Autor betätigen kann. Zu „Wir hoffen, dass der dritte Band nun zum Abschluss kommt“.

Und mit Blick auf die zwei Reisen nächste Woche, nach Mexiko, wo die Ortskirche durch den Skandal um den Gründer der Legionäre Christi erschüttert ist, sowie ins kommunistische Kuba, kündigt Gänswein eine klare Positionierung an: „Es wird schwierig. Er wird aber sagen, was er an Ort und Stelle sagen muss.“ Dass dieser Papst eine herausragende Gabe hat, zur rechten Zeit die richtigen Worte zu finden, erlebte auch schon Edmund Stoiber bereits in dessen Zeit als Professor in Regensburg, während er dort selbst noch als Assistent wirkte.

„Er ist eine außergewöhnlich gescheite Persönlichkeit, von solcher Brillianz. Er hielt seine Vorlesung ohne jegliches Manuskript“, erinnerte er sich. Besonders bewegt habe ihn, dass dieser Papst seine bayerische Heimat nie vergesse. „Ich gehöre der Weltkirche, aber mein Herz schlägt bayerisch“ zitierte er den Pontifex. Und „sehr bayerisch“ werde es auch im Apostolischen Palast am eigentlichen Geburtstag, den 16. April, versprach Prälat Gänswein und lächelte dabei spitzbübisch. Mehr wolle er noch nicht verraten.

Wie Verlagsleiterin Geirhos offen bekannte, war Stoiber „Türöffner“ für weitere Prominenz, darunter für seinen Freund Franz Beckenbauer, der wiederum in dem Band die Tür zu seinem Herzen öffnet: „Die Begegnung mit Benedikt XVI. hat in meinem Leben etwas verändert. Ich gehe seitdem wieder häufiger in die Kirche.“ Seit er in der Jugend den Fußball für sich entdeckte, habe er „mit den Kirchgängen ein bisschen geschludert“. Das Bild von der Begegnung mit dem Landsmann im Jahr 2005 auf dem Stuhl Petri habe er auf Reisen immer bei sich. „Es liegt in meinem Koffer ganz oben“, bekennt der Ehrenpräsident des FC Bayern München.

Neben dem „Kaiser“ bekennt sich Skirennläuferin Maria Hölf-Riesch im Band zum Papst und zum Glauben, ebenso wie Vertreter der Politik, darunter außer Peter Gauweiler die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der Babybrei-Hersteller Claus Hipp als Repräsentant der Wirtschaft und Kleriker wie Pater Karl Josef Wallner, Rektor der Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz sowie als engagierter katholischer Laie Professor Hubert Gindert.

[Georg Gänswein (Hg.) Benedikt XVI. – Prominente über den Papst, Media Maria Verlag, Illertissen, 2012, 19,95 Euro]

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