Studien ergeben: 85 Prozent aller Hassdelikte richten sich gegen Christen

WIEN, 21. März 2012 (Vaticanista).- Hass auf Christen ist extrem stark verbreitet: Studien zufolge sind 85 Prozent aller sogenannten Hassedelikte gegen Christen gerichtet. Die Leiterin des Dokumentationsarchivs für Intoleranz gegen und Diskriminierung von Christen in Europa, Gudrun Kugler, erklärt: “Diese Tatsache darf in der öffentlichen Debatte nicht totgeschwiegen werden.“

Kugler und Kollegen dokumentieren auch eine Reihe beruflicher Einschränkungen von Christen: Die restriktive Auslegung von Gewissensfreiheit führt allmählich dazu, dass Berufe wie Standesbeamter, Arzt, Krankenschwester und Hebamme oder Apotheker für Christen nicht mehr ausübbar werden. Lehrer und Eltern geraten in Schwierigkeiten, wenn sie mit staatlich festgelegter Sexualmoral nicht einverstanden sind. Unsere Recherchen zeigen, dass Europa nur durch einen fairen Umgang mit Religionen, und insbesondere mit dem Christentum, seiner Ausrichtung auf Freiheit gerecht werden kann.“

Das Dokumentationsarchiv in Wien veröffentlicht einen umfassenden Bericht über das Jahr 2011. Dieser Bericht porträtiert die wichtigsten Entwicklungen im Bereich Religionsfreiheit und schildert eine Vielzahl von Fällen. Der Bericht enthält Statistiken sowie eine Analyse der Diskussion über die Bedeutung von Religionsfreiheit in Europa.

Im Jahr 2011 war das Thema Religion aus verschiedenen Anlässen in der Öffentlichkeit präsent. So zum Beispiel durch den norwegischen Mörder Andres Breivik, den man sogleich als „christlichen Fundamentalisten“ bezeichnet hatte: eine leichtfertig geäußerte und falsche Behauptung, die weltweit von den Medien übernommen wurde. Anti-christliche Vorurteile fühlten sich offenbar durch ein postuliertes christliches Äquivalent zum muslimischen Terrorismus endlich bestätigt.

Ein positiver Akzent war eine Resolution der Parlamentarischen Versammlung der OSZE: Die OSZE hatte schon mehrfach einen größeren Schutz von Christen in Europa eingefordert. Im Juli 2011 erklärte die Parlamentarische Versammlung, dass die Staaten ihre Gesetze auf mögliche negative Auswirkungen für Christen untersuchen sollten.

Ein großer Erfolg des Jahres 2011 war der Fall „Lautsi“ am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Die Große Kammer des Gerichtshofs revidierte das ursprüngliche Urteil der ersten Instanz gegen die Präsenz des Kreuzes in der Öffentlichkeit mit folgender Begründung: Kreuze in den Klassenräumen staatlicher italienischer Schulen haben als Symbol der Mehrheitsreligion auch im schulischen Bereich eine visuelle Berechtigung. Die Präsenz des Kreuzes verletze nicht die Religionsfreiheit der laizistischen Eltern.

Zusammenfassung des Berichts 2011

1. Das in der westlichen Welt verbreitete Phänomen der sozialen Ausgrenzung von Christen und die Verletzung ihrer Rechte lässt sich am treffendsten als Intoleranz und Diskriminierung von Christen bezeichnen. Obwohl es im eigentlichen Sinne eine Form der Verfolgung darstellt, bezeichnen wir sie nicht als solche, um Verwechslungen mit anderen, gewalttätigeren Ausprägungen des Phänomens zu vermeiden.

2. Statistiken zeigen die Tragweite des Problems: 74% der in Großbritannien befragten Kirchgänger meinen, dass Christen häufiger als Anhänger anderer Religionen diskriminiert werden. 84 Prozent des Vandalismus in Frankreich richtet sich gegen christliche Gebetsstätten. In Schottland wurden 95 Prozent aller anti-religiös motivierten Gewalttaten gegen Christen verübt.

3. Die Parlamentarische Versammlung der OSZE fordert einen öffentlichen Dialog über Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa und empfiehlt die Überarbeitung von Gesetzen mit möglichen negativen Auswirkungen für Christen.

4. Im Jahr 2011 meldeten sich zahlreiche Institutionen zu Wort, um auf die zunehmende Intoleranz gegenüber Christen aufmerksam zu machen und eine positive Veränderung einzumahnen.

5. Das Dokumentationsarchiv recherchierte und dokumentierte im Jahr 2011 180 Vorfälle von Intoleranz und Diskriminierung von Christen. Diese Fälle werden im Bericht 2011 unter den folgenden Kategorien aufgeführt: Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Gewissensfreiheit, diskriminierende Gleichstellungspolitik, Ausgrenzung von Christen aus dem sozialen und politischen Leben, Repressalien gegen christliche Symbole, Diffamierung, negative Stereotypisierung, Hate crimes (Hassdelikte), Vandalismus und Schändung.

[Der Bericht ist auf Englisch erhältlich: http://www.intoleranceagainstchristians.eu/fileadmin/user_upload/Report_2011_on_Intolerance_and_Discrimination_against_Christians_in_Europe_Webversion.pdf]

 

 

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