Ein Tag der Vorfreude auf Rio

Diözesaner Weltjugendtag im Erzbistum München-Freising

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 5. April 2012 (Vaticanista/ Die Tagespost).- Beim diözesanen Weltjugendtag am vergangenen Sonntag in München sind mehrere Hundert Jugendliche zusammengekommen. Viele von ihnen waren schon beim Treffen der Jugend mit Papst Benedikt XVI. voriges Jahr in Madrid mit dabei. Zum Auftakt des diözesanen Weltjugendtags trugen junge Gläubige bei der Palmprozession im Münchner Liebfrauendom das Weltjugendtagskreuz voran, das Alterzbischof Friedrich Kardinal Wetter anlässlich des Weltjugendtags 2005 in Köln der Jugend des Erzbistums München-Freising gestiftet hatte. Die Turnhalle des Edith-Stein-Gymnasiums der Erzdiözese war im Anschluss vollbesetzt, als der Vatikan-Journalist Andreas Englisch ein zugleich lebhaftes wie humorvolles Zeugnis seines Glaubens ablegte. Seit er Ende der 80er Jahre einen Italienisch-Sprachkurs in Rom absolvierte, lebt der gebürtige Westfale in der Ewigen Stadt, arbeitet dort als Vatikan-Korrespondent und Buchautor. Er sei zunächst nicht gläubig gewesen und habe als junger rebellischer Journalist sehr kritisch über die Kirche und ihr Oberhaupt geschrieben. „Es war nur mein Job, über den Papst zu berichten“, erzählte er.

Bei dem enormen Andrang beim Weltjugendtag im Januar 1995 in Manila, zu dem 4,7 Millionen junger begeisterte Leute strömten, dämmerte es ihm aber allmählich: „Irgendetwas ist dran an der Kirche“. Ich erinnerte sich daran, dass damals alle Zufahrtswege zum Abschlussgottesdienst mit Teilnehmern verstopft waren. Papst Johannes II. habe angesichts der Lage darauf bestanden, in einem winzigen Hubschrauber, der eigentlich nur zum Versprühen von Insektiziden genutzt wurde, zur Altar-Tribüne geflogen zu werden, er und sämtliche Konzelebranten, einer nach dem anderen. „Die Päpste sind immer groß, wenn sie sich klein machen“, habe Englisch aus dieser und anderen Begebenheiten gelernt. Und vor allem nahm er als Erfahrung mit: „Die Kirche ist überhaupt kein Verein von depressiven Menschen, die sich traurige Geschichten erzählen.“ Im Gegenteil: Sie mache Spaß.

Englischs Beitrag führte in das Motto des diözesanen Weltjugendtags aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“ ein, das in anschließenden Workshops noch vertieft wurde. Diözesanjugendpfarrer Daniel Lerch verwies eingangs auf die Botschaft Papst Benedikts XVI. zu dieser Zusammenkunft. Darin lud er die Jugendlichen dazu ein, nach der wahren Freude zu suchen, die er von unmittelbaren und illusorischen Genüssen unterschied. In München boten die Veranstalter unter Titeln wie „Wohin führt mich Gott? Berufung entdecken“, „Warum noch glauben?“ oder „Sexualität – Wie damit umgehen?“ katholische Anleitungen für ein erfülltes Leben.

Michael Cech, Chefredakteur des katholischen Jugendmagazins You, brachte einen humorvollen Vergleich zwischen Sexualität und einem iPad. Das flache Gerät könnte ein völlig Unbedarfter auch als Schneidebrett verwenden, wenn er keinerlei Betriebsanleitung dafür erhalte. In seinem Workshop erklärte er: „Das Gegenteil von Liebe ist Benutzen“. Liebe bedeute Offenheit für Gott, Kinder und Gemeinschaft, demnach gemeinsam für andere da zu sein, „gemeinsam in dieselbe Richtung zu schauen“. Es komme nicht so sehr darauf an, wie oft die Menschen fallen, sondern vielmehr wie oft sie aufstehen. „Gott ist kein beleidigter Freund. ER repariert unseren iPad immer wieder“, gab er den jugendlichen Zuhörern mit auf den Weg.

Höhepunkt des Tages war die Jugendvigil mit dem Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx in der Jugendkirche „Vom Guten Hirten“, die in einer eucharistischen Anbetung gipfelte. Das Gotteshaus ist ganz auf die Bedürfnisse junger Gläubiger zugeschnitten: Es gibt keine Bankreihen, sondern nur kleine schwarze Sitzmatten, die die Besucher auch unter die Knie legen. Über weißen Wänden prangt eine Leinwand, auf die als einziger Schmuck Meditationsbilder mit einem Beamer projiziert werden, zusammen mit Liedtexten. An der Decke fallen die zahlreichen Scheinwerfer auf, die den Altarraum mal in kaltes, mal in warmes Licht eintauchen, oder nur einen kleinen strahlenden Spot auf einen Punkt richten. Bei der Anbetung überstrahlte so eine prächtige goldene Monstranz mit dem Allerheiligsten alles in der Kirche.

Kardinal Marx gab den Teilnehmern zehn Punkte mit auf den Weg, die ihnen helfen sollten zu verstehen, was Freude ist. Er nannte die Freude als Begleiterscheinung der Liebe, der Erkenntnis von Gott geliebt zu sein. Sie sollten daher die Nähe zum Herrn suchen, im Gebet und in der Liturgie. Freude entspringe auch aus der Begegnung mit den Armen, mit Weggefährten im Glauben, aus der Hoffnung, die man in ein positives Projekt setze und überhaupt bei der Entdeckung des Glaubens, der gleichsam eines großen Gartens nicht gleich zu überschauen sei. Zum Reichtum des Glaubenslebens zähle etwa das Sakrament der Beichte. Der Kardinal ermunterte die Jugendlichen, auch Interessen zu pflegen, um das Leben selbst als Quell der Freude erfahren zu können. „Es gibt selbst Freude im Leid, wenn wir mit Christus verbunden sind“, sagte er. Die jungen Leute sollten zudem die Feinde der Freude meiden, „Fanatiker und Rechthaber, die anderen die Wahrheit wie Waschlappen um die Ohren hauen wollen“. Alle genannten Punkte seien besonders am Sonntag möglich, dem Tag des Herrn. „Ich freue mich selbst immer auf diesen besonderen Tag“, bekannte der Kardinal.

Zum Ausklang führten Studenten der Emmanuel School of Mission aus Altötting ein Musical über den Heiligen Johannes Bosco auf – mit dem Titel „Gangs of Turin – All You Need is Love“. Die 24 Studenten stammen aus 15 verschiedenen Nationen, von Brasilien über Lettland und Ägypten bis nach Indien. Sie sind für ein Jahr nach Deutschland gekommen, um ihren Glauben zu vertiefen, aber auch um ihre musischen Talente und zwischenmenschlichen Kompetenzen zu entwickeln. Im Rahmen einer Tournee führen sie das Musical mehr als 20mal im gesamten deutschsprachigen Raum auf.

Ein Sprecher von Jugend 2000, die den diözesanen Weltjugendtag mitveranstaltete, rechnet mit weniger Teilnehmern aus Deutschland beim nächsten Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro. Die Neugier auf den Enthusiasmus der Lateinamerikaner, die zahlreich erwartet werden, könnte aber letztlich doch noch für eine überraschende Anzahl an Anmeldungen sorgen – trotz sicherlich erheblichen Anstrengungen im tropischen Klima.

[Erstveröffentlichung: Die Tagespost, 5. April 2012]

 

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