Der Kaplan mit der gewissen Schüchternheit

Seltene Aufnahmen und Dokumente in einem Bildband des Münchner Erzbistums

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 17. April 2012 (Vaticanista).- Der Geburtstag Papst Benedikts XVI. am Montag ist in dieser Zeit nicht der einzige Grund zum Feiern für den nun 85-jährigen Pontifex: Am Donnerstag jährt sich wieder der Jahrestag seiner Wahl auf den Stuhl Petri, die nun sieben Jahre zurückliegt. Dabei ist er noch runde 60 Jahre Priester. Aus Anlass seines diamantenen Priesterjubiläums ist bereits im vorigen Jahr der Bildband „Geliebte Heimat – Papst Benedikt XVI. und das Erzbistum München und Freising“ erschienen.

Titel des Bildbands; Foto: Verlag Sankt Michaelsbund

Titel des Bildbands; Foto: Verlag Sankt Michaelsbund

Darin sind weithin unbekannte Dokumente sowie Fotoaufnahmen enthalten, die auch teilweise als Exponate einer Dauerausstellung in der Dombibliothek Freising zu sehen sind. In der benachbarten Konkathedrale, die Dank ihm erst zu diesem Rang erhoben wurde, empfing am 29. Juni 1951 Joseph Ratzinger zusammen mit seinem Bruder Georg das Sakrament der Priesterweihe durch den damaligen Erzbischof von München und Freising, Michael Kardinal von Faulhaber. Der Schwerpunkt der Darstellung in dem von Archivdirektor Peter Pfister herausgegebenen Band liegt auf der Zeit, die das heutige Kirchenoberhaupt in den Grenzen des Erzbistums verbrachte.

Der Leser und Betrachter erfährt gerade aus der Zeit dieses Papstes als junger Kaplan sowie später als Erzbischof, wie sich Joseph Ratzinger in früheren Jahren als Hirte zeigte. Selten gesehene Aufnahmen aus dem Diözesanarchiv, die bereits anlässlich seines Heimatbesuchs im September 2006 zusammengestellt worden waren, werfen neues Licht auf eine der meist fotografierten Persönlichkeiten des Zeitgeschehens. Mit beiden Händen umgreift er auf einem Foto einen Hammer, dabei breit lachend, während er eine Stola über der Soutane trägt, als er der Grundsteinlegung des Münchner Priesterseminars am 20. November 1981 seinen Segen geben sollte. Ebenso gelöst wirkt er neben seinem einstigen Regens Prälat Michael Höck vor dem Freisinger Dom bei der Korbinianswallfahrt der Jugend im November 1977, während beide in einem Plastikbecher rühren.

Dort selbst hatte er einst das Priesterseminar besucht, aus dessen Chronik gar ein Ausriss auf einer Doppelseite im Band abgedruckt ist. Im 11. Juli 1953 ist die Promotion des Dozenten Ratzinger vermerkt: „Alle Teilprüfungen und den actus publicus legt der Doktorand mit ’summa cum laude‘ ab.“ Am selben Tag war gerade zufällig der erste Bundespräsident Deutschland, Theodor Heuss, zu Besuch auf dem Domberg.

Pfarrer Max Blumschein habe Kaplan Ratzinger ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt, bemerken die Autoren Roland Götz und Guido Treffler. „Sehr fähig“ und „äußerst gewissenhaft“ – so wird dessen Urteil über den späteren Papst zitiert. „Seine theologischen Kenntnisse sind für seine Jugend außerordentlich groß, sein Eifer vorbildlich, seine Fähigkeit in der Predigt, aber auch in der Jugendführung sehr gut.“ Blumschein attestierte Ratzinger aber eine „gewisse Schüchternheit“.

Möglicherweise ist manifestiert sich dieser frühe Charakterzug heute in der zurückhaltenden und bescheidenen Art, die viele Menschen Papst Benedikt XVI. bescheinigen. Und dies könnte auch eine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen Jugendliche diesem Professoren-Papst etwa bei den Weltjugendtagen jubelnd empfangen. Spannend ist es auf alle Fälle, mit Hilfe des vorliegenden Bandes Kontinuitäten in der Persönlichkeit Joseph Ratzingers/ Papst Benedikts nachzuspüren. Eine Übersetzung in Englisch oder Spanisch wäre lohnend.

[Peter Pfister (Hg.) Geliebte Heimat – Papst Benedikt XVI. und das Erzbistum München und Freising. Verlag Sankt Michaelsbund, München, 2011, 96 Seiten, 14,90 Euro in Deutschland]

 

 

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