Papst Benedikt vor heikler Nahostreise

Die Lage im Libanon bleibt unsicher

Von Michaela Koller

ROM, 14. Juni 2012 (Vaticanista).- Bis zuletzt ist die Möglichkeit einer Libanon-Reise Papst Benedikt XVI. für den 14. bis 16. September bezweifelt worden. Wie der Pressesaal des Heiligen Stuhls am Mittwoch jedoch mitteilte, können die Christen des Landes nun doch mit dem Pastoralbesuch rechnen. Im Mai hatten sich die Kämpfe zwischen syrischer Regierung und Opposition auf den Libanon ausgeweitet, in der nordlibanesischen Stadt Tripolis lieferten sich beide Seiten ebenso Gefechte wie in der libanesischen Hauptstadt Beirut selbst.

Pater Samir signiert sein neuestes Buch; Foto: Ferdinand Seizmair

Pater Samir signiert sein neuestes Buch; Foto: Ferdinand Seizmair

Das Vorhaben bleibt brisant, da nicht absehbar ist, wann Syrien wieder zur Ruhe kommt. „Diese Vorfälle geben eine klare Botschaft: Dass der Libanon jeden Moment explodieren könnte“, wird Ghassan al-Azzi, Professor für Politikwissenschaft an der Libanesischen Universität, von Marco Tosatti in der italienischen Tageszeitung La Stampa zitiert. Zudem sollen islamische Terrorgruppen in der letzten Zeit im Land der Zedern an Boden gewonnen haben. Darüber hinaus bereitet sich auch die israelische Armee laut Medienberichten auf eine mögliche Auseinandersetzung mit dem Libanon vor.

Angesichts der heiklen Lage ließ die offizielle Ankündigung der Reise nun lange auf sich warten: Bereits Mitte April hatte das Amt des libanesischen Staatspräsidenten Michel Sulaiman, ein maronitischer, also mit Rom unierter Christ, die Besuchspläne des Pontifex auf der eigenen Agenda veröffentlicht.

Eine Absage des Heiligen Stuhls hätte jedoch einen unerwünschten Effekt gehabt: Papst Benedikt XVI. plant die Übergabe des Abschlussdokumentes der Bischofssynode über den Nahen Osten im Jahr 2010. Ausdrücklich werden darin die Christen in den muslimischen Ländern ermuntert, in ihrer Heimat zu verbleiben, da sie wesentlich zur Entwicklung beitragen können. Der Migrationsdruck hatte nach Beginn des Arabischen Frühlings vor einem Jahr noch zugenommen. Die Christen erhoffen sich von der Papstvisite jedoch Ermutigung. Der Jesuitenpater Samir Khalil Samir, der in Beirut das Forschungs- und Dokumentationszentrum für arabisches Christentum CEDRAC an der Universität Sankt Joseph leitet, fasst dies so zusammen:

„Die Berufung der Christen des Orients ist es, mit den Muslimen zu leben, ob wir es wollen oder nicht. Es ist eine Mission!“ Samir wirkte federführend an den Lineamenta und dem Instrumentum Laboris für die Sonderbischofssynode zu Nahost mit. Kurz vor der Papstreise in den Libanon wird er in Deutschland sein und in München am 24. August öffentlich über die Situation der Christen in der Region sprechen.

 

 

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