„Treu-Katholisches und bestimmte Ideen“

Interview mit der Gänswein-Verlegerin Gisela Geirhos

ILLERTISSEN, 15. Juni 2012 (Vaticanista).- Gisela Geirhos ist die Verlegerin, der es gelang, den engsten Mitarbeiter Papst Benedikts XVI. für ein Buchprojekt zu gewinnen. Begleitet von beachtlicher Medienaufmerksamkeit kam Prälat Georg Gänswein schließlich im März auch zur Präsentation des Buchs „Benedikt XVI. – Prominente über den Papst“ nach München. Es ist ein Beispiel, wie Katholischem überhaupt noch in einer pluralen Massengesellschaft Gehör verschafft werden kann. Die katholische Unternehmerin aus Illertissen im Allgäu verriet Vaticanista-Chefkoordinatorin Michaela Koller Näheres zu ihrer Strategie, ihrer Motivation und ihrem eigenen Glaubensweg.

Am Ostermontag in Castel Gandolfo; Foto: L'Osservatore Romano

Am Ostermontag in Castel Gandolfo; Foto: L'Osservatore Romano

Ende April hat Ski-Star Maria Höfl-Riesch Papst Benedikt XVI. bereits die zweite Auflage des Buchs überreichen dürfen. Sie haben mit einer echt katholischen Publikation wirklich einen Nerv getroffen…

Geirhos: Wir konnten durch die Autoren, die jeder kennt, das Medieninteresse wecken, wie etwa Franz Beckenbauer. Das hat auch für die Leser einen Reiz, die natürlich wissen möchten, was diese Menschen zum Papst und zum Glauben zu sagen haben. Ein anderer Grund des Erfolgs war die Buchpräsentation im Münchner Presseclub mit Papstsekretär Prälat Gänswein.

Die katholischen Journalistenkollegen bekamen große Augen, als sie vom Vorabdruck in der Illustrierten Bunte erfuhren, die doch durch ihre Auflagenstärke in einer anderen Liga spielt…

Geirhos: Wenn es ein Bestseller werden soll, dann muss man mit einem Vorabdruck in eine große Zeitschrift kommen. Natürlich ist dies nicht einfach. Die Bunte war aber sehr schnell für die Idee zu begeistern.

Das ist also strategisch gedacht. Unsere Vaticanista-Leser interessiert besonders die Nähe Ihres Verlags Media Maria zum Denken Kardinal Newmans. Wie kam die Neuauflage seiner „Apologia pro Vita Sua“ im vorletzten Jahr zustande?

Geirhos: Manchmal gibt es auch Fügungen. Eine solche ergab sich, als im Jahr 2009 ein katholischer Fernsehsender zum Leben von Kardinal Newman in England drehte. Darin war schon von der Möglichkeit seiner Seligsprechung die Rede. Ich habe fest daran geglaubt, dass sie in absehbarer Zeit kommen wird. Sein grundlegendes Werk ist eben die Apologia, die Rechtfertigung seiner Konversion zum Katholizismus. Ich las das Buch auf Englisch und war fasziniert von der Person Newmans. Dann griff ich zur deutschen Übersetzung von 1920/21 durch Maria Knöpfler, die eine Autodidaktin war. Sie kannte einige Geistesgrößen ihrer Zeit, unter anderem Romano Guardini. Er war ein- bis zweimal im Jahr im Urlaub in Mooshausen, wo sie als Haushälterin des Pfarrers arbeitete. Ihre Übersetzung ist nun schon 90 Jahre alt und so wollte ich es nicht noch einmal herausbringen. Ich war von dem Buch total überzeugt und so habe ich es dem jetzigen Sprachgebrauch angepasst.

Benedikt XVI. hat den Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung gegründet. Wir alle sind zur Mission aufgerufen. Was ist Ihre ganz persönliche Sendung als Chefin eines Verlags namens Media Maria?

Geirhos: Mir geht es darum, Glaubenswissen zu vertiefen. Ich komme eigentlich aus dem Mittelstand, habe aber vor der Verlagsgründung auch ein Fernstudium als Katechistin an der Zisterzienser-Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz absolviert. Mit Schrecken hatte ich festgestellt, dass bei mir das Glaubenswissen nur noch rudimentär vorhanden war – trotz sonntäglichen Kirchgangs. Anfangs bin ich in mehrere Klöster gegangen.

Im ersten Kloster hat uns der Mönch bei den Exerzitien zu Yoga motiviert. Im zweiten Kloster ging es um die Verbindung zwischen Christentum und Zen-Buddhismus, der sehr stark herausgestellt wurde. Ich fand das auch sehr interessant, aber mir ging auf, dass ich nun viel kennengelernt habe, aber nur nicht den eigenen christlichen Glauben. Auch erkannte ich, dass uns der Relativismus in der liberalen Theologie nicht weiterführt, auch wenn er anfangs attraktiv erscheint. In meiner eigenen Lebenserfahrung hielt er aber nicht stand.

Inwiefern ist der Name Media Maria Programm?

Geirhos: Es sollte eben etwas Treu-Katholisches signalisieren.

Geht es Ihnen allein um Glauben oder auch um die rechte Lebenspraxis?

Geirhos: Wir richten uns zum Beispiel an gläubige junge Familien und vermitteln ihnen das christliche Menschenbild für die Kindererziehung, anstelle ideologischer Verlockungen. Die Behauptung, eine Kinderkrippe erzieht professioneller als eine Mutter, ist ja Schwachsinn.

Wie haben Sie selbst Familie und Beruf auf ihrem Lebensweg miteinander vereinbart?

Geirhos: Ich habe zwei Söhne und eine Tochter und mit meinem inzwischen verstorbenen Mann gleichzeitig ein Mittelstandsunternehmen geführt. Meine Eltern konnten uns unterstützen. Trotz dieser Erfahrung ist einer der Motive für die Verlagsgründung doch die Erkenntnis, dass idealerweise die Mutter die ersten Jahre für das Kind da sein sollte. Diese Einsicht möchte ich weitergeben.

Wie ist eine solche Profilierung wirtschaftlich realisierbar?

Geirhos: Die Situation ist in allen katholischen Verlagen schwierig. Kleine Häuser finanzieren sich oftmals über Spenden. Größere Verlage dagegen weichen wieder auf andere Themen aus. Das wollte ich aber beides nicht. Mit entsprechenden Ideen kommt man aber durchaus in eine sehr positive wirtschaftliche Lage.

 

 

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