Gewachsene Erfahrung fruchtbar machen

Zur Zukunft der Bildung bei den Salesianern

Von Michaela Koller

BENEDIKTBEUERN, 23. Juni 2012 (Vaticanista/KSZ).- Pater Norbert Wolff, Prorektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern, hofft weiterhin auf eine Zukunft seiner Einrichtung. Im Gespräch betonte der Theologie-Professor die Bereitschaft der Salesianer, nach dem Beschluss der Schließung des Diplomstudiengangs Katholischer Theologie im April 2010 dort, baldmöglichst eine Alternative anzubieten.

Foto: Pater Norbert Wolff SDB

Foto: Pater Norbert Wolff SDB

Zur Erinnerung: Weil der eigene Ordensnachwuchs nicht ausreichte und sie erhebliche zusätzliche finanzielle Hilfe benötigt hätten, schließt die Deutsche Provinz der Salesianer den Studiengang mit Abschluss des Sommersemesters 2013. Weil es schon ein dichtes Netz an theologischen Fakultäten in Bayern gibt, kamen die Diözesen als neue Träger des bisherigen Angebots auch nicht infrage. Die Philosophisch-Theologische Hochschule soll noch nach dieser Frist „eine gewisse Zeit lang“ weiterbestehen, um verbleibenden Studierenden noch den Studienabschluss zu ermöglichen. Reguläre Lehrveranstaltungen wird es danach aber nicht mehr geben. Dabei trägt die Hochschule den bundesweit einzigartigen Lehrstuhl für Jugendpastoral, der neben Christlicher Umweltethik und Salesianischer Spiritualität Schwerpunkt der Arbeit dieser Einrichtung ist.

In der prächtig barocken Anlage wird ab dem Zeitpunkt jedoch nicht einfach Stille einkehren: Seit 1930 wirken die Salesianer in der auf das 8. Jahrhundert zurückgehenden einstigen Benediktiner-Abtei und haben seither rund ein Dutzend Einrichtungen und Projekte, die ineinander greifen ins Leben gerufen, darunter auch 1971 die Katholische Stiftungsfachschule München, Abteilung Benediktbeuern, die ein Studium der Sozialen Arbeit anbietet, aber auch jeweils für die Jugend eine Bildungsstätte, Freizeitstätte sowie eine Herberge und etwa auch das Zentrum für Umwelt und Kultur, wo der Umgang mit der Schöpfung als Zukunftsfrage behandelt wird. „Mit der PTH bricht jetzt ein wichtiger Stein aus dem Mosaik“, sagt Pater Norbert Wolff.

Bereits seit 2009 laufen Gespräche darüber, was die Salesianer mit der Struktur und den Synergieeffekten in Benediktbeuern der Kirche anbieten können und diese auch benötigt. Konkrete Pläne sind seitdem noch nicht formuliert worden. Immerhin ist aber klar geworden, in welchen Bereichen Benediktbeuern sich innerhalb der katholischen Aus- und Fortbildungslandschaft Bayern profiliert hat. „Wir zeichnen uns hier besonders durch die Erfahrung mit der Kombination von Theologie und Sozialer Arbeit aus“, betont Pater Norbert Wolff. In letzterem Fach bietet Benediktbeuern einen Bachelor-Studiengang an.

Die Katholische Stiftungsfachhochschule ist zudem Träger einer Zusatzausbildung in Katholischer Theologie, die in drei Semestern absolviert werden kann. „Die meisten Lehrveranstaltungen werden dabei aber von Professoren der Philosophisch-Theologische Hochschule gehalten“. Darüber hinaus biete die PTH bislang den dreisemestrigen Aufbaustudiengang Religionspädagogik an, der zur Erteilung von Religionsunterricht qualifizieren könne. Auf der anderen Seite habe sich gezeigt, dass in den bayerischen Bistümern vor allem ein Bedarf an Gemeindereferenten bestehe, der über der Zahl der Absolventen liege, und damit eine weitere Fachhochschule für Religionspädagogik, zusätzlich zum Standort Eichstätt, sinnvoll sei.

Die Salesianer wünschen sich daher, nach dem Wegfall der Voll-Fakultät für Theologie, an der bislang Diplom, Lizentiat, Promotion und Habilitation möglich war, die Rettung eines Teils der theologischen Ausbildung, etwa in Form eines Fachhochschulstudiums Religionspädagogik. „Das ist unser Gedanke: Dass die seit 1931 gewachsene Erfahrung, die auch bei den jungen Leuten gut ankommt, weiter für die Kirche fruchtbar gemacht werden kann. Es werden hier Kompetenzen vermittelt, die sie dringend braucht.“ So seien die Absolventen für den pädagogischen Bereich ausgezeichnet praktisch gerüstet und zugleich religiös hoch motiviert. Einige arbeiteten gleich in zwei Bereichen, indem sie neben einer Tätigkeit als Sozialarbeiter auch noch Religionsunterricht erteilten. Andere kombinierten etwa Schulsozialarbeit und Schulseelsorge in einer Einrichtung. „Wir wissen von unseren Studenten, dass sie sehr an dieser Doppelqualifikation interessiert sind“, sagt der Prorektor. „Sie haben so sehr gute Berufschancen.“

Die vermittelten Kompetenzen betrachtet auch Johannes Haas, Salesianer in Ausbildung, als Bereicherung. Der 24-Jährige studiert im sechsten Semester Soziale Arbeit in Benediktbeuern und steht somit kurz vor dem Bachelor-Abschluss, den er neben dem Studium der Theologie erreichen möchte. „Es wird sehr viel Wert auf Praxis gelegt“, betont der junge Ordensmann. Das vierte Semester verbrachte er in einer Einrichtung für Jugendbildung der Salesianer in Wien. Dabei hat er ein- bis zweitägige Veranstaltungen mit acht- bis 18-jährigen Schülern abgehalten, die sich um Themen wie Zukunft, Tod und Sterben, Gemeinschaft, Freundschaft und Sexualität drehten. „Das hat mir sehr viel Freude gemacht“, betont der Österreicher.

[Erstveröffentlichung: © Katholische Sonntagszeitung, 23./24. Juni 2012]

 

 

 

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