Einstwillige Verfügung gegen fingierte Soutanenflecken

Ein Kommentar von Michaela Koller

MÜNCHEN, 10. Juli 2012 (Vaticanista).- Papst Benedikt XVI. sagen Beobachter ein ausgeprägtes ästhetisches Empfinden nach. Dies dürfte jedoch nicht der einzige Grund sein, warum sich der Vatikan gegen den kleinkindlichen (Pi…Ka…)-Humor des Satiremagazins Titanic wehrt: Wie die Nachrichtenagentur dapd, konkret die Kollegen Kollegen Nathalie Waehlisch und Petr Jerabek, am Dienstag meldeten, schritt das Staatssekretariat gegen die aktuelle Ausgabe des Blatts sein. Sie zeigt den Pontifex mit einer jeweils vorne und hinten befleckten Soutane. Mit Erfolg beauftragte Rom eine Anwaltskanzlei: Das Landgericht Hamburg erließ eine Einstweilige Verfügung gegen die aktuelle Ausgabe der „Titanic“.

Das Satiremagazin überschreite „jedes Maß an Zumutbarem“, kommentierte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz Matthias Kopp laut dapd den Vorgang. Das manipulierte Foto auf der Vorderseite mit dem gelben Fleck war mit den Worten untertitelt: „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“ Zudem wird auf der Rückseite des Heftes der Papst von hinten mit einem großen braunen Fleck und dem Kommentar „Noch eine undichte Stelle gefunden!“ gezeigt. Beides sind Anspielungen auf die Vatileaks-Affäre, die den Papst seit Wochen zur Zielscheibe machen.

Die Vorderseite zeige einen Fantafleck, verteidigte sich jetzt Chefredakteur Leo Fischer in einer Pressemitteilung. Man konnte zwar das Foto allein auch so interpretieren: Der Verantwortliche, Herr Fischer, ist nicht ganz dicht, denn er hat den Papst angep… . Worum es aber im Kern geht: Es müssen Maßstäbe gesetzt werden, wie mit Beleidigungen von Religionsgemeinschaften, religiösen Symbolen und Führern in einer Gesellschaft umzugehen ist, die erstens wenig kreativ in Sachen Humor oberhalb der Gürtellinie ist – und mangels Bildung seitens der Macher wie vieler Rezipienten nur noch zu Deftigem, Plattem und Primitivem ausweicht.

Zweitens wollen solche Satiriker wirklich alles demontieren, was anderen Menschen als ehrbar oder gar heilig gilt. Im konkreten Fall geht es um das Persönlichkeitsrecht Papst Benedikts XVI.. Als Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken ist er aber nicht alleinige Zielscheibe: Es geht im Kern gegen die Religionen selbst. In einer immer religionsferneren europäischen Parallelwelt bringen ein paar selbsterwählte Ritter eines im 18. Jahrhundert verbliebenen Radikalsäkularismus billigen Kampfesmut auf. Als das Urteil gegen die Beschneidung kleiner Jungen ergangen war und katholische Bischöfe dieses kritisierten, kommentierte der ägyptische Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad, der sonst aber gerne Einladungen in katholische Wallfahrtsorte annimmt, am Mittwoch, den 27. Juni im sozialen Netzwerk Facebook:

„Die Beschöfe [sic!] kennen sich in Sachen kleine Jungs sehr gut aus, deshalb wissen sie, dass deren Beschneidung keine Körperverletzung ist …..“ Es dauerte nicht lang, bis einer seiner Leser dazu schrieb: „Katholische Bischöfe vergehen sich nicht an kleinen Jungen, sondern versetzen geistliche Kinderschänder von einem Wirkungsplatz zum anderen. So macht man das in der Kinderf…sekte.“ Die an dieser Stelle eingefügten Pünktchen waren im Text des Mannes (mit eingeschränktem Medienzugang im Skandaljahr 2010?) ausgefüllt. Und wenn es nach dem darauffolgenden Wochenende nicht gelöscht wurde, dann steht das da noch heute so – ohne dass Henryk M. Broders Pilgerfreund (Deutschlandsafari) eingeschritten wäre. Ebenso wenig wie gegen die Zeichnung, die einen gekreuzigten Bischof (durch Mitra erkennbar) mit fünf verstümmelten und blutenden Phalli zeigt. Auch die prangte auf seiner Fb-Pinwand.

Sein Kampfesmut gegen katholische Vertreter ist deshalb billig, weil entsprechende Beleidigungen in seiner ägyptisch-islamischen Herkunftskultur eher ungesund für ihn ausgegangen wären. Und genau da wären wir wieder bei der Klage gegen Titanic. Sie musste auch schon deshalb erfolgen, um hiermit einen Weg aufzuzeigen, auf dem mit wirksamen Mitteln gegen diese und ähnliche religionsfeindliche Rechtsverletzungen vorzugehen ist. Es ist das erste Mal, dass der Vatikan gegen dieses Satiremagazin vorgeht und damit ist es ein Präzedenzfall, für die Katholiken, aber möglicherweise auch für Andersgläubige.

[Nachtrag vom 11. Juli 2012: Inzwischen hat Hamed Abdel-Samad auf Facebook auf diesen Kommentar reagiert und die katholische Kirche als Sekte bezeichnet. Warum nimmt er dann Geld von dieser Institution? Oder tritt er gratis in ihren Einrichtungen als Referent auf, quasi als Entwicklungshelfer der Aufklärung? Belege: http://www.bildungszentrum-freising.de/index.php?id=54&tx_seminars_pi1[showUid]=597 und http://bildungszentrum-freising.de/index.php?id=54&tx_seminars_pi1[showUid]=541]

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