Vogelschutz vor Behindertenschutz?

Scharfe Kritik nach Pränataltest-Zulassung

MÜNSTER, 1. August 2012 (Vaticanista/PM).- Die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) Mechthild Löhr, hat die Zulassung des neuen Selektionstest zum Down Syndrom (PraenaTest) durch die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (Die Grünen) scharf kritisiert. Der Grünen liege der Schutz von Wanderfalken offensichtlicher mehr am Herzen als der von Ungeborenen mit Down Syndrom, teilte Löhr in einer Aussendung mit.

Dieser nun frei am Markt verfügbare Test der Konstanzer Firma LifeCodex AG basiert auf einer einfachen Blutentnahme bei der Schwangeren, möglich ab der zehnten Woche. „Skandalös ist, dass dieser Test einzig und allein auf die sichere Identifikation von Ungeborenen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) gerichtet ist“, kritisierte Löhr. Dies mache ihn zu einem hoch gefährlichen Selektionsinstrument, denn mit ihm kann zukünftig jede Schwangere bundesweit unkompliziert und für sie völlig risikofrei, feststellen lassen, ob ihr Kind das Down-Syndrom trägt.

Obwohl bundesweit seit Jahrzehnten viele Kinder und Erwachsene mit Down-Syndrom als glückliche und integrierte Menschen in unserer Gesellschaft lebten, mitwirkten und teilweise sogar berufstätig seien, blieben offensichtlich die Ängste junger Familien gerade auch vor dieser Behinderung so hoch, dass inzwischen die Entdeckung von Trisomie 21 schon als nahezu sicheres Todesurteil gelten kann.

Inzwischen wehren sich nicht nur Lebensschützer, sondern auch Familien und ihre Kinder, die von Trisomie 21 bereits betroffen sind, vehement gegen den Test, wie die „Lebenshilfe“, der Bundes-Behindertenbeauftragte Hubert Hüppe und andere Behindertenorganisation. „Wir protestieren mit Nachdruck gegen diese neue, gefährliche Form von radikaler Selektion und Diskriminierung, da sie auf die Vermeidung der Geburt ganz bestimmter Menschen mit Behinderung zielt“, schrieb Löhr weiter. Damit werde zusätzlich ganz massiv die Integration und Inklusionen von Behinderten gefährdet. „Hier geht es um eine neue, jetzt individualisierte Form der Eugenik von unten“, befürchtet Löhr.

Der Test vermittele behinderten Menschen und ihren Familien die drastische Erkenntnis, eigentlich unerwünscht zu sein. Dabei bewiesen viele Beispiele, wie die Aktion „Tim-lebt“, dass auch für Kinder mit Trisomie 21, von deren Erziehung die Eltern sich im Einzelfall überfordert fühlen, erfreulicherweise bundesweit genügend Adoptiv – und Pflegefamilien zur Verfügung stehen. Jedes Kind mit Behinderung muss in unserer Gesellschaft offen angenommen werden. Sonst werde Artikel 3 des Grundgesetzes zur bloßen Floskel.

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