Edith-Stein-Jahr: Gedenkfeier in Polen

Auch ein Film entsteht anlässlich des 70. Todestags am 9. August

SPEYER, 8. August 2012 (Vaticanista/Bistum Speyer).- Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann wird die Deutsche Bischofskonferenz bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum 70. Todestag der heiligen Edith Stein am 9. August in Auschwitz-Birkenau vertreten. Bischof Wiesemann, der am Vortag an einem deutsch-polnischen Bischofstreffen in Krakau teilnehmen wird, zählt zu den Zelebranten der heiligen Messe um 11 Uhr am Denkmal in Birkenau. Auf dem Programm stehen zudem ein Gebetsweg entlang der Rampe in Birkenau, der mit dem jüdischen Totengebet seinen Abschluss finden wird, sowie ein Theaterstück über die Patronin Europas im Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz, das von Edith-Stein-Schulen in Paderborn und Lubliniec (Polen) vorbereitet wurde.

Die Lebensgeschichte Edith Steins ist eng mit dem Bistum Speyer verknüpft (Vaticanista berichtete). Die 1891 als Tochter jüdischer Eltern geborene Philosophin fand Anfang der zwanziger Jahre – nach einer Phase des Atheismus – in der Pfalz zum katholischen Glauben. In Bergzabern ließ sie sich am 1. Januar 1922 taufen, am 2. Februar des gleichen Jahres empfing sie in der Kapelle des Speyerer Bischofshauses das Sakrament der Firmung. Anschließend blieb sie bis 1931 in Speyer, wo sie an den Schulen des Klosters St. Magdalena unterrichtete und wissenschaftlich arbeitete. In der Domstadt wurde Edith Stein – vor allem durch die intensive Beschäftigung mit Thomas von Aquin – zur eigentlich christlichen Philosophin, die Glaube und Wissenschaft miteinander zu verbinden lernte. Auch wichtige Studien zur Frauenfrage und zur Bildungsthematik entstanden in den Speyerer Jahren.

Im Jahr 1931 verließ Edith Stein Speyer in der Hoffnung auf eine Karriere als Professorin. Die Machtübernahme der NSDAP 1933 machte nicht nur dieses Vorhaben zunichte. Edith Stein floh 1938, inzwischen in Köln in den Karmelitinnen-Orden eingetreten, aus Deutschland nach Holland. Doch auch hier war sie nicht sicher. Die deutschen Truppen besetzten 1940 die Niederlande. Einen Hirtenbrief der katholischen Bischöfe Hollands gegen die Judenverfolgung nahmen die Nationalsozialisten zum Anlass, holländische Katholiken jüdischer Herkunft zu verhaften.

Auf dem Transport in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau kam Edith Stein noch einmal in die Pfalz. Bei einem Aufenthalt auf dem Bahnhof in Schifferstadt gelang es ihr, einen Zettel auf den Bahnsteig zu werfen. Er enthielt Grüße an die Schwestern des Klosters St. Magdalena. Wenige Tage später wurde Schwester Teresia Benedicta vom Kreuz – so ihr Ordensname – in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.

Der Taufeintrag Edith Steins; Foto: M. Koller

Der Taufeintrag Edith Steins; Foto: M. Koller

Die Erinnerung an Edith Stein ist in der Diözese Speyer heute so lebendig wie sonst wohl nirgendwo. Ein Zentrum ihrer Verehrung ist das Kloster St. Magdalena. Touristen aus aller Welt besuchen das in der Speyerer Altstadt gelegene Kloster, um sich in einer Ausstellung über die bedeutende Frau zu informieren. In zwei ehemaligen Klassenzimmern, in denen Edith Stein unterrichtete, haben die Dominikanerinnen Schriften, Briefe, Vorträge und persönliche Aufzeichnungen zusammengetragen. Fotos dokumentieren den Lebensweg von Breslau bis nach Auschwitz. Zusätzliche Informationen erhalten die Besucher durch ein Tonbild. Das ehemalige Zimmer Edith Steins im Pfortenhaus des Klosters ist zu einem Meditationsraum umgebaut worden. Speyer ist zudem Sitz der Edith-Stein-Gesellschaft Deutschland, die 1993 auf Initiative vom Speyerer Alt-Bischof Anton Schlembach gegründet wurde.

Ein neuer Spielfilm entsteht zudem in diesem Edith-Stein-Jahr: Im Benediktinerstift Kremsmünster in Oberösterreich dreht der amerikanische Regisseur Joshua Sinclair von Mitte August bis Mitte Oktober einen Streifen über das Leben der Patronin Europas als junge Frau, der die Geschichte ihrer Konversion bis zu ihrem letzten Weg nach Auschwitz ins Konzentrationslager erzählt. (mk)

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