„Ein unbequemes, tiefes und heiliges Charisma“

Feierstunde zur Erhebung der heiligen Hildegard zur Kirchenlehrerin

ROM, 7. Oktober 2012 (Vaticanista/dbk).- Mit einer Feierstunde in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl ist heute Abend in Rom der heiligen Hildegard von Bingen gedacht worden, die Papst Benedikt XVI. an diesem Sonntag zur Kirchenlehrerin erhebt. Bei der Begegnung mit Leben und Werk der „prophetissa teutonica“ waren zahlreiche Ordensfrauen des Benediktinerinnenklosters Sankt Hildegard aus Eibingen anwesend, die Antiphone der Hildegard rezitierten und aus ihren Schriften Passagen vortrugen.

In seiner Begrüßung betonte der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl, Reinhard Schweppe, dass er sich sehr freue, dass der heiligen Hildegard der Rang einer Kirchenlehrerin verliehen werde. Dies sei eine hohe Ehre, die bisher erst drei Frauen überhaupt erwiesen worden sei (Katharina von Siena, Italien; Teresa von Avila, Spanien; Theresia von Lisieux, Frankreich). „Als eine der großen Frauengestalten des deutschen und europäischen Mittelalters, die mit der aufkommenden ökologischen Bewegung unserer Zeit neue Prominenz gewonnen hat, ist der heiligen Hildegard jetzt die verdiente Anerkennung gegeben worden“, sagte Botschafter Schweppe.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte den geistlichen Einsatz der Ordensfrauen aus Eibingen. Sie seien Sachwalterinnen des Erbes der heiligen Hildegard und würden die Erinnerung an diese Frau besonders lebendig halten: „Sie mühen sich durch das tägliche Gebet und die Feier der Eucharistie um die Fürsprache Hildegards beim Herrn. Im wahrsten Sinne des Wortes arbeiten Sie tagtäglich in Eibingen an den Wurzeln der Hildegard, die wir und die Weltkirche morgen in dieser besonderen Weise feiern dürfen. Deshalb gilt Ihnen unser aller Dank“, so Zollitsch. Hildegard von Bingen habe auch heute noch etwas zu sagen. „Sie stärkt mich in meiner Arbeit gerade auf dem Weg, den die Kirche in Deutschland derzeit geht. Mit den Worten der heiligen Hildegard sehe ich mich ermutigt, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung der Kirche in Deutschland fortzusetzen“, sagte Erzbischof Zollitsch.

Äbtissin Clementia Killewald OSB, Äbtissin in Eibingen bezeichnete die Erhebung Hildegards zur Kirchenlehrerin als besten Beweis dafür, „dass die Botschaft Hildegards auch heute kraftvoll und stark ist. Prophetische Gestalten überdauern die Zeiten. Und manchmal sind sie nach vielen Jahrhunderten aktueller denn je. Die heilige Hildegard ist eine solche.“

In seinem Festvortrag unter dem Leitwort „Ein unbequemes, tiefes und heiliges Charisma“ erinnerte Kardinal Karl Lehmann an Leben und Werk der heiligen Hildegard, die in ihrem Wissen und in ihrer Sprachkraft ein Rätsel gewesen sei. Wenn man Hildegard heute „mit sehr viel mehr Differenzierungen versteht, ist dies auch ein Erfolg der immens fleißigen wissenschaftlichen Erforschung im 20. Jahrhundert.“ Durch die Auszeichnung als Kirchenlehrerin entstehe auch eine andere Aufgabe: „Wir dürfen nämlich nicht nur nach rückwärts schauen und ihre geschichtliche Gestalt bewundern und preisen. Wenn sie nun durch ihr Leben in Heiligkeit, durch ihre tiefe Erkenntnis göttlicher Dinge und durch ihre vielfältige Spiritualität für die ganze Kirche als vorbildlich erklärt wird, dann müssen wir ihre Bedeutung auch in unsere Gegenwart übersetzen“, sagte Kardinal Lehmann.

Man dürfe die heilige Hildegard nicht kurzsichtig bestimmten Bedürfnissen von heute ausliefern. Bei der Heiligen sei es besonders schwierig, einzelne Details ihrer Gesamtschau aus dem Ganzen zu isolieren. „Ich bin gewiss, dass diese Bedeutung der heiligen Hildegard für uns heute in vielen Hinsichten noch ergänzt und vor allem vertieft werden kann. Diese Umsetzung kann selten unmittelbar sein. Hildegard bleibt uns bei aller Nähe in manchen Gedanken fremd und bedarf einer sorgfältigen Interpretation. Dann werden wir auch in einer authentischen Weise bereichert.“ Kardinal Lehmann betonte: „Heute steht Hildegard in ihrer ganzen kühnen Universalität vor uns. Wir fühlen uns angesprochen durch ihre liebevolle Zuwendung zu den heilenden Kräften der Schöpfung … vor allem aber durch ihre Glaubensverkündigung; sie ist uns daher nahe als eine Frau, die Christus in seiner Kirche liebte, aber nichts von Weltfremdheit oder Ängstlichkeit zeigt, sondern gerade von ihrer Berührung mit dem Geheimnis Gottes her ihrer Zeit das rechte Wort furchtlos und frei zu sagen vermochte.“

(Einen Bericht über die heilige Hildegard und ihr Wirken erscheint demnächst auf Vaticanista News)

 

 

 

 

 

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