Ägyptens Führung hetzt gegen Andersgläubige

Mursi lenkt von seinem Versagen ab

KAIRO, FRANKFURT, 1. Juli 2013 (Vaticanista/IGFM).- Die Regierung Mursi versucht, Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte zufolge, die Enttäuschung über das Versagen der Muslimbrüder auf die religiösen Minderheiten des Landes umzulenken. „Ungläubige Muslime, Christen, Schiiten und Atheisten“ mache er für die Misere Ägyptens verantwortlich.

In der Millionenstadt Gizeh bei Kairo seien in den vergangenen Tagen mehrere Schiiten, darunter ein Geistlicher, von ihrer aufgewiegelten Nachbarschaft erschlagen worden. Schon in den vergangenen zwei Wochen attackierten mehrfach aufgestachelte Sunniten Angehörige der kleinen schiitischen Minderheit. Am 23. Juni griffen sogar mehrere Tausend Menschen bei einem Pogrom im Süden Kairos ihre schiitischen Nachbarn an. „Präsident Mursi instrumentalisiert den Bürgerkrieg in Syrien, und macht die Minderheiten zu Sündenböcken für sein eigenes wirtschaftspolitisches Scheitern“, erklärt IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

In den oberägyptischen Städten Asyut und Beni Suef greife die radikal-islamische al-Gamaʿa al-Islamiya Christen und Frauen an, die sich unverschleiert auf der Straße zeigten. Gleichzeitig ist der wohl bedeutendste islamische Fernsehprediger der Welt, Yusuf al-Qaradawi nach Ägypten eingereist und rufe dort zur Unterstützung von Präsident Mursi und seinem harten Vorgehen gegen Kritiker auf.

Präsident Mursi stellte als Reaktion auf die heftigen Massenproteste für Neuwahlen die Möglichkeit für eine neue Verfassung in Aussicht. Mursi hatte im vergangenen Jahr unter Federführung der Muslimbrüder eine neue, islamistisch geprägte Verfassung ausarbeiten lassen. Die IGFM erklärte dazu, dass Mursi in der Vergangenheit praktisch alle Versprechen zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebrochen habe. „Jetzt muss eine neue und demokratische verfassungsgebende Versammlung berufen werden. Es ist vielleicht die letzte Chance, die tiefe Spaltung der ägyptischen Gesellschaft zu überwinden“, sagte IGFM-Sprecher Lessenthin am Montag in Frankfurt.

 

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