Brücken des offenen Dialogs

Orientalische Christen feiern Gründung eines Zentralrats

Von Michaela Koller

MÜNCHEN, 24. Juli 2013 (Vaticanista).- Als Brückenbauer zwischen Religionen, Konfessionen und Kulturen sieht sich der neu gegründete Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD). Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche St. Matthäus in München begeht der in bayerischen Landeshauptstadt eingetragene Verein am 27. Juli seine Gründungsfeier mit Repräsentanten aus Politik und Kirchen.

Grußworte etwa des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer, des kirchenpolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion in Bayern, Hans Joachim Werner, des parlamentarischen Geschäftsführers der FDP-Landtagsfraktion Tobias Thalhammer sowie des Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer, sind angekündigt. Der höchste katholische Würdenträger des Nahen Ostens, der melkitisch-griechisch-katholische Patriarch Gregor III. Laham mit Sitz in Damaskus, wird ebenso erwartet.

„Es sollen Brücken des offenen Dialogs, aber zugleich des respektvollen Umgangs miteinander sein“, sagte Simon Jacob, Zentralrats-Vorsitzender im Gespräch mit der KNA. Jacob selbst ist im Alter von zwei Jahren als syrisch-orthodoxer Christ aus dem Tur Abdin, dem Berg der Gottesknechte, in Südostanatolien, nach Bayern gekommen. Von Mitte der achtziger bis weit in die neunziger Jahre wurden die Christen, die dort traditionell siedelten, bei den Kämpfen zwischen türkischem Militär und Kurden aufgerieben. Bis in die sechziger Jahre lebten dort noch rund 70.000 Christen; die Zahl war in den 90ern zeitweise auf weniger als 3.000 gesunken. Heute ist das trockene Hochland selbst Ziel von Flüchtlingen aus Syrien. Auf seinen Reisen durch den Nahen Osten, aber auch bei vielen Gesprächen in Deutschland habe sich gezeigt, dass die meisten Christen wie auch Muslime sich schlicht wünschten, ein „normales Leben in Frieden“ zu führen. „Wir müssen mutig sein, um uns gegen die Minderheit derjenigen zu stellen, die eine Trennlinie ziehen.“

Es lebten rund 200.000 altorientalische Christen in Deutschland, viele von ihnen gut integriert mit deutschem Pass, wie Jacob betont. Die „Verinnerlichung anderer Lebensweisen“ ist für ihn Voraussetzung einer erfolgreichen Intregration. An Deutschland schätze er besonders die freie, ehrliche und sachliche Debatte, „ohne andere zu verletzten“, die viele Zuwanderer aus dem Orient erst hierzulande kennengelernt haben. Der Zentralrat will in der Öffentlichkeit ein wirklichkeitsgetreueres Bild der Region zeichnen, mit ihrer Vielfalt an Bekenntnissen und Kulturen, um letztlich auch in Europa „ein gesellschaftliches Aufwiegeln“ zu verhindern.

Die Trennung der altorientalischen Kirchen von der Reichskirche geht auf die Konzilien von Ephesos 431 und Chalcedon 451 zurück. Darunter sind etwa Kopten, Syrer und Äthiopier. Bis auf die äthiopisch- und die eritreisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche teilen alle eine viele Jahrhunderte lange Erfahrung unter islamischer Herrschaft, darunter die meiste Zeit als Bürger zweiter Klasse. Weniger bekannt als der Völkermord an den Armeniern ist der Genozid an den Aramäisch sprechenden Christen gegen Ende des Osmanischen Reiches ab 1915. Ihre Kultur teilt sich in mehrere kirchliche Traditionen auf, die sich bis nach Indien ausdehnten. Diskriminierung, Verfolgung und bewaffnete Konflikte vertrieben Christen syrischer Tradition in die ganze Welt.

Der syrisch-orthodoxe Erzbischof Julius Hanna Aydin aus Delmenhorst sagte: „Eine der stärksten Gruppen derer, die von uns ausgewandert sind, lebt in Deutschland. Sie muss mit den Schwesterkirchen brüderlich zusammenleben und sich daher organisieren.“ Zur künftigen Koordination der Aktivitäten der altorientalischen Christen in Deutschland betonte der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian aus Höxter: „Wir möchten mit einer Stimme sprechen, denn wir gehören zusammen.“ Traditionen ähnelten sich und eine Geschichte teilten sie. Bislang habe keine Gemeinschaft den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts erlangt, obwohl sie als „spirituelle, kulturelle und geistige Bereicherung“ empfunden würden. Damian sieht sie in einer zweifachen Verantwortung: gegenüber Deutschland, wo sie heimisch geworden seien, und gegenüber ihren bedrängten Glaubensgeschwistern in den Ländern ihrer Vorfahren. „Die Zeit zur Zusammenarbeit ist schon lange reif“, sagte der Bischof.

 

 

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