Papst Franziskus in Brasilien auf den Spuren seines Vorgängers

Weihe seines Pontifikats und Besuch von Suchtkranken

Von Michaela Koller

RIO DE JANEIRO, APARECIDA, 24. Juli 2013 (Vaticanista).- Papst Franziskus hat am Mittwoch in Brasilien den großen Marienwallfahrtsort Aparecida besucht und dort sein Pontifikat der Muttergottes geweiht. „Von ihr lernt man die wahre Jüngerschaft“, sagte der Pontifex am dritten Tag seiner ersten Auslandsreise. Das sei der Grund, warum die Kirche immer auf den Spuren Marias in die Mission gehe. Er erinnerte zudem an den Besuch Papst Benedikts XVI. vor sechs Jahren an dem Ort, damals aus Anlass der Eröffnung der V. Generalversammlung der Bischofskonferenzen von Lateinamerika und der Karibik an der Pilgerstätte am 13. Mai 2007. Für den späten Mittwochnachmittag stand für Franziskus noch der Besuch einer Klinik für Suchtkranke in Rio de Janeiro auf dem Programm.

Schon sein Vorgänger machte bei seinem damaligen Besuch auf das verheerende Suchtproblem aufmerksam und traf sich mit Abhängigen auf Entzug auf der ältestens Fazenda da Esperança (Bauernhof der Hoffnung). Der Franziskanerpater Hans Stapel aus dem westfälischen Paderborn hat die erste Fazenda in der 40.000-Einwohner-Stadt Guaratinguetá 1983 gegründet, um süchtige Jugendliche mittels des Evangeliums aus der Szene herauszuholen.

Deren Biographien erinnerten an das Milieu, wie es der Erfolgsfilm City of God, benannt nach dem Armenviertel Cidade de Deus, international berühmt machte. Der Pater war dort zunächst als Pfarrer in der Gemeinde eingesetzt, wo er mit seinem Charisma den jungen Nelson Giovanelli Rosendo dos Santos offenbar nachhaltig beeindruckte. Der damals 17-Jährige fühlte sich von Pater Hans dazu ermuntert, Worte der Bibel in die Tat umzusetzen. Als Konsequenz aus dem Wort „Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen (1 Kor 9,22), schloss er mit einer Gruppe Drogenabhängiger Freundschaft. Allmählich brachte er sie dazu, sich ebenfalls mit der Heiligen Schrift auseinander zu setzen und schließlich „mit ehrlicher Arbeit den Unterhalt zu verdienen“. Pater Hans unterstützte ihn dabei tatkräftig. Die Keimzelle des Ausstiegsprogramms war ein zunächst ein Haus, wo sich die jungen Männer erstmals wieder an ein geregeltes Leben gewöhnten. Mit medizinisch-psychologischen Entzugsprogrammen hatte der Pater mit dem ruhigen Naturell keine Erfahrung, als er, zusammen mit Nelson, diese Arbeit aufnahm. „Das Sozialwerk gibt eine Antwort aus dem Glauben“, erklärt er. Mit den Jahren sprach der Erfolg aber für seine Methode: Noch 87 Prozent der Ex-Junkies, die ein Jahr auf der Fazenda durchgehalten haben, sind noch fünf Jahre nachher nicht rückfällig geworden. Die Nachfrage nach Plätzen ist sehr groß, weswegen einzelne Bauernhöfe mehrfach ausgebaut werden mussten und Dutzende neu gegründet wurden: Inzwischen gibt es Dutzende dieser Zentren weltweit, darunter auch in Deutschland. Finanzielle Unterstützung für die Erweiterung erhalten die Fazendas auch von vielen deutschen Spendern, etwa aus der Heimat von Pater Hans Stapel oder durch das internationale katholische Hilfswerk päpstlichen Rechts Kirche in Not. Mehr als 10.000 junge Leute haben insgesamt auf den Bauernhöfen gelebt.

Die Fazenda Serra Mantequeira in Pedrinhas bei Guaratinguetá unweit von Aparecida, wo das Treffen mit Papst Benedikt stattfand, liegt mit ihren weiß getünchten Gebäuden unter roten Ziegeldächern malerisch in der saftiggrünen Hügellandschaft. Die Idylle entpuppt sich für Neuankömmlinge bald schon als harte Realität: Viele von ihnen hatten nie zuvor einen geregelten Job und müssen sich nun an einen intensiven Acht-Stunden-Tag gewöhnen. Zunächst müssen die jungen Leute auf dem Feld mit anpacken, nach einiger Zeit dürfen sie Vieh hüten und erst später dann in einem der Betriebe der Fazenda mitarbeiten. Neben Drogen und Alkohol sind in dem Zentrum auch Zigaretten und Fernseher tabu. Morgens gibt es einen geistlichen Impuls und am Abend feiern die jungen Leute und die Betreuer zusammen die Heilige Messe. Jede Woche steht im Zeichen eines ausgewählten Bibelwortes, nach dem sie versuchen sollen zu leben. „Das Wichtigste, worauf es ankommt, um von der Droge loszukommen“, verrät Pater Hans Stapel „ist es, seinen Egoismus aufzugeben und anzufangen, konkret zu lieben.“ Einige halten das Programm, das auf ein Jahr angelegt ist, nicht durch.

Besondere Bestätigung und großen Zulauf erhielt das Projekt damals im Zuge des Papstbesuchs. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass ein Papst auf diese Problematik einging, obwohl es sich doch um ein weltweites Problem handelt. Pater Hans sagt dazu: „Damit hat er seine Enzyklika über die Nächstenliebe konkret umgesetzt.“

 

 

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