Ehemaliger KZ-Insasse Prälat Scheipers feierte 100. Geburtstag

Als Priester bot er zwei Diktaturen die Stirn

DACHAU, 25. Juli 2013 (Vaticanista/EOMUC).- Hermann Scheipers entkam als Verfolgter der Nazis nur knapp dem Tod. Am gestrigen Mittwoch beging er in freudiger Dankbarkeit seinen 100. Geburtstag mit einer heiligen Messe in der Altenheimkapelle seines westfälischen Wohnortes Ochtrup. Er ist der letzte noch lebende Priester, der im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war. Am Sonntag, den 28. Juli, um 8.30 Uhr findet aus diesem Anlass ein Dankgottesdienst in der Ochtruper Pfarrkirche St. Lambert statt.

Auch das Erzbistum München und Freising, wo sich heute die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers befindet, gratulierte dem Päpstlichen Ehrenprälaten und Priester des Bistums Dresden-Meißen zu seinem besonderen Festtag. Der Geistliche wurde im Jahr 1940 von der Gestapo verhaftet, weil er mit polnischen Zwangsarbeitern die Messe gefeiert hatte. Bis 1945 war er im so genannten Priesterblock in Dachau inhaftiert. Für seinen christlichen Glauben wurde Scheipers sowohl unter dem NS-Regime als auch in der DDR verfolgt und der „staatsfeindlichen Hetze“ beschuldigt.

Hermann Scheipers wurde am 24. Juli 1913 in Ochtrup im nordwestlichen Münsterland geboren. Von 1932 bis 1936 studierte er in Münster Theologie. Am 1. August 1937 wurde er im Dom St. Petri zu Bautzen zum Priester geweiht. Am 4. Oktober 1940 wurde Scheipers, damals Kaplan von Hubertusburg/Wermsdorf im Bistum Meißen, von der Gestapo verhaftet. „Er gefährdet den Bestand und die Sicherheit des Volkes und Staates, indem er in freundschaftlicher Weise mit Angehörigen feindlichen Volkstums verkehrt“, begründeten die Nationalsozialisten seine Gefangennahme. Der katholische Priester hatte mit polnischen Zwangsarbeitern Gottesdienste gefeiert und ihnen als Seelsorger zur Seite gestanden. Die Gestapo schlug Scheipers vor, sein Priesteramt niederzulegen, dann werde er entlassen. Scheipers lehnte ab.

Im März 1941 wurde Scheipers aus dem Polizeigefängnis Leipzig ins KZ Dachau verlegt. Dort wurde Scheipers mit dem evangelischen Dresdner Märtyrer Paul Richter und anderen Geistlichen im Priesterblock untergebracht. Wie Kommunisten und Sozialdemokraten trug er den roten Balken der Politischen, weil die Nationalsozialisten ihn als Staatsfeind einstuften. Geheime medizinische Experimente der Luftwaffe, in denen er Stunden im Eiswasserbad verbringen musste, überlebte der bis dahin sportliche Priester knapp.

Später wurde Scheipers wegen „allgemeiner Körperschwäche“ in den Invalidenblock verlegt. Dies glich einem Todesurteil. Seiner Zwillingsschwester Anna gelang es jedoch, die Verantwortlichen im Berliner Reichssicherheits-Hauptamt in Berlin zu überzeugen, ihren Bruder und 500 weitere Priester vor dem Tode zu bewahren. Am 27. April 1945, zwei Tage vor der Befreiung des KZ Dachau durch amerikanische Streitkräfte, floh Scheipers während eines „Todesmarschs“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte der katholische Priester im heutigen Bistum Dresden-Meißen als Seelsorger in Radebeul, Berggießhübel, Dresden-Johannstadt, Freital, Wilsdruff und Schirgiswalde. In der DDR eckte er erneut als überzeugter Christ an. Er begann, öffentlich über seine Zeit im KZ zu reden und vor totalitären Ideologien wie Nationalsozialismus und Kommunismus zu warnen. 1983 trat er in den Ruhestand ein und kehrte in seine westfälische Heimat zurück.

 

 

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