Menschenrechtler fordern Gleichstellung für Christen am Nil

„Mehr Rechte allein reichen nicht aus“

KAIRO/ FRANKFURT, 14. November 2013 (Vaticanista/IGFM).– Mehr Bürgerrecht für die Kopten fordert der ägyptische Menschenrechtsaktivist und Sprecher der „Maspero Youth Union“ Marceiliano Youssef . In der Kampagne „Aufschrei“ appelliert er, diese in der neuen ägyptischen Verfassung zu verankern, wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet. Noch im Dezember soll der Entwurf einer Volksabstimmung vorgelegt werden. Mehr als 12.000 ägyptische Bürger haben die Initiative bereits mit ihrer Unterschrift unterstützt, mehrheitlich Kopten, aber auch Angehörige anderer Religionen. Die IGFM begrüßt die Initiative, unterstreicht aber, dass „mehr“ Rechte nicht ausreichten. „Frauen und Minderheiten müssen endlich volle Bürgerrechte erhalten“, erklärt IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin. Eine Quotenregelung für Frauen, Kopten und andere Minderheiten im ägyptischen Parlament müsse in der Verfassung festgeschrieben werden.

Frauen und Minderheiten sind nach Beobachtung der IGFM sowohl im Parlament, als auch in praktisch allen anderen Institutionen des Staates dramatisch unterrepräsentiert. Die bisherigen Versuche, die Missachtung von Frauen und Kopten zu überwinden, seien gescheitert. Auch wenn Quoten kein Ideal seien, gäbe es nach Ansicht der IGFM keine andere erfolgversprechende Lösung. Die ägyptischen Kopten sind die mit Abstand größte christliche Gemeinschaft des Nahen Ostens. Ihr genauer Bevölkerungsanteil ist unklar und umstritten, er wir auf rund zehn Prozent geschätzt.

„Aufschrei“ gegen die Diskriminierung und Marginalisierung der koptischen Minderheit

Die Kampagne zielt darauf ab, die systematische Diskriminierung und Marginalisierung der koptischen Christen in Ägypten zu beenden. „Wir mögen eine Minderheit sein (…), dennoch verdienen wir, wie alle anderen, dass unsere vollen Staatsbürgerrechte respektiert werden.“ Diesen Anspruch würde der derzeitige Verfassungsentwurf nicht erfüllen, erklärte Marceiliano Youssef.

Die Unterstützer der „Aufschrei“-Kampagne fordern daher, dass bis zum kommenden Monat noch einige Veränderungen am Verfassungsentwurf vorgenommen werden: Kopten sollen das gleiche Recht haben wie Muslime, Gotteshäuser zu errichten, Diskriminierung von Kopten müssen ein Ende haben, strafrechtliche Verfolgung von Hetze und religiös motivierter Gewalt gegen Kopten müsse festgeschrieben werden. Außerdem sollen koptische Christen denselben Zugang zum Arbeitsmarkt haben wie Muslime. Auch ihre Chancengleichheit in Bildung, Lehre und Medien solle verstärkt werden.

Eine Quotenregelung würde auch die Gefahr verringern, dass ganze koptische Familien angegriffen werden, nur weil sich ein Kopte als Abgeordneter aufstellen lässt. Ein derartiger Vorfall hatte sich im April dieses Jahres in al-Minya (Oberägypten) ereignet, als die Kandidatur des Kopten Alaa Samir bekannt wurde. Außerdem würde eine in der Verfassung festgeschriebene Quotenregelung dauerhaft für eine verhältnismäßige politische Partizipation der koptischen Minderheit in Ägypten sorgen. Im vergangenen Parlament waren die Kopten massiv unterrepräsentiert, meldet IGFM-Sprecher Lessenthin.

 

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