Ägypten: Hauptzeuge im Mursi-Prozess erschossen

Hinrichtung eines Gegners der Muslimbruderschaft?

FRANKFURT, KAIRO, 19. November 2013 (Vaticanista/IGFM).- Ein politischer Mord versetzt Ägypten in Unruhe: Am Sonntagabend wurde ein Oberstleutnant der ägyptischen Staatssicherheit in unmittelbarer Nähe einer Demonstration von Anhängern der Muslimbruderschaft durch zahlreiche Schüsse in den Kopf getötet. Mohamed Mabrouk war für die Beobachtung der Muslimbrüder zuständig und einer der Hauptzeugen im Prozess gegen Ägyptens ehemaligen Präsidenten Mohamed Mursi. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sieht in diesem Mord einen weiteren Beleg dafür, dass es sich bei den Versprechen der Muslimbrüder, in Zukunft auf Gewalt zu verzichten, um Lippenbekenntnisse handelt.

Hochrangige Vertreter der Muslimbrüder hatten nach Angaben der IGFM vor der Schließung ihrer Fernsehstudios verkündet, dass sie ihre Feinde umbringen würden. Nach der Machtergreifung der Muslimbrüder war Oberstleutnant Mabrouk auf Weisung des damaligen Präsidenten Mursi strafversetzt worden. Er soll bereits mehrfach Todesdrohungen der Bruderschaft erhalten haben.

„Es ist Wunschdenken und eine Illusion zu glauben, die Muslimbrüder würden in Zukunft tatsächlich auf Gewalt verzichten“, erklärte die IGFM in Frankfurt am Main. Die Vergangenheit habe gezeigt, in welchem Ausmaß und wie selbstverständlich die Bruderschaft Gewalt eingesetzt habe. Aktuell nehmen Angaben der Menschenrechtsorganisation zufolge auch die Angriffe auf unverschleierte Frauen wieder zu.

Die Muslimbruderschaft sei eine nach dem Führerprinzip streng hierarchisch organisierte, totalitäre Vereinigung, die die einfachen Mitglieder manipuliere und zu Gewalt aufhetze. Aussteiger auch aus den Führungskreisen der Bruderschaft hätten schon vor der Entmachtung der Muslimbrüder vor den Strukturen und der totalitären Ideologie der Islamisten gewarnt. Unter anderem müsse jedes Mitglied bei der Aufnahme schwören „den Befehlen Gottes und des Führers der Bruderschaft ohne Fragen und Diskussionen bedingungslosen Gehorsam zu leisten“, berichtet die IGFM. Abweichler und Kritiker der Bruderschaft seien bedroht, gefoltert und getötet worden.

 

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